Feststellungsklage

Bismarck fordert: Jagdgatter soll Denkmal werden

Ein Wildschwein im Wald (Symbolfoto). Wie viele Tiere genau in Bisdmarcks Saupark leben, ist nicht bekannt.

Ein Wildschwein im Wald (Symbolfoto). Wie viele Tiere genau in Bisdmarcks Saupark leben, ist nicht bekannt.

Foto: dpa Picture-Alliance / W. Rolfes / picture alliance / Arco Images

Im Streit um die geforderte Öffnung seines Jagdgatters zieht Maximilian von Bismarck erneut vor Gericht.

Reinbek/Dassendorf. Maximilian von Bismarck versucht, die Öffnung seines Jagdgatters jetzt mit einer weiteren Klage gegen den Kreis Herzogtum Lauenburg abzuwenden. Diesmal will er vom Verwaltungsgericht feststellen lassen, dass der Saupark im Sachsenwald bei Dassendorf ein Kulturdenkmal ist. Anders als es das Jagdgesetz vorschreibt, dürfe das Gatter demnach nicht verändert, sprich geöffnet werden. Ein Sachverständiger hatte 2016 festgestellt, dass das etwa 450 Hektar große Areal, teils mit über 300 Jahre alten Bäumen, schützenswert sei. Den Forst habe der dänische König 1841 für seine Jagd anlegen lassen.

Bismarck ist laut Jagdgesetz seit Ende 1999 verpflichtet, sein Gatter zu öffnen und das Wild freizulassen. Eine Frist von 15 Jahren hat er verstreichen lassen, bevor er 2015 dagegen klagte – ohne Erfolg.

Landrat hält Saupark nicht für Denkmal

Landrat Dr. Christoph Mager (CDU) ist nicht der Auffassung, dass der Saupark als Denkmal einzustufen sei. „Das Landesamt für Denkmalpflege hat sich bereits 2016 im Rahmen des Verwaltungsgerichtsverfahrens um die Anordnung des Kreises Herzogtum Lauenburg auf Öffnung des Jagdgatters mit der Sache beschäftigt“, sagt Mager: „Es hat festgestellt, dass das Gatter bereits aufgrund diverser Umgestaltungen in der Vergangenheit keinen Denkmalwert aufweist.“ Entsprechend habe die obere Denkmalschutzbehörde das Gatter nicht in die Denkmalliste aufgenommen.

Sollte das Gericht das Gegenteil feststellen, wäre Mager als Dienstherr sowohl der unteren Jagd- als auch der unteren Denkmalschutzbehörde derjenige, der die beiden Gesetze gegeneinander abwägen müsste.

Bismarck lädt interessierte Bürger ein

Ungeachtet des Rechtsstreits hält Maximilian von Bismarck an seinem Plan fest, das Areal eingezäunt zu lassen und als „Wald & Wild Park“ der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. Für Sonnabend, 15. Februar, um 11 Uhr, lädt er interessierte Bürger in den Saupark ein (Am Riesenbett, Dassendorf).

Wie viele Tiere in Maximilian von Bismarcks Saupark leben, steht nicht fest. Nach Schätzungen leben in dem historischen Gatter etwa 25 Wildschweine pro 100 Hektar, empfohlen sind zehn. „Es ist jedoch ungewiss, wie dies gemeint ist“, sagt Gerhard Rosenthal, Oberforstmeister und von Bismarcks Unternehmensberater. „Sollen das 25 reproduktionsfähige Wildschweine sein? Oder wurde samt der Jungtiere im Mai gezählt? Ich bin schon dreimal auf dem Gelände gewesen und habe noch nie ein Schwein gesehen. Einmal habe ich Damwild gesehen.“

Es sei nicht davon auszugehen, dass die Dichte des Wildes im eingezäunten Bereich wesentlich höher sei als im übrigen Sachsenwald, der etwa knapp 6000 Hektar groß ist. Die untere Jagdbehörde hatte in einem Bericht allerdings geschrieben, würde das Gatter geöffnet, sei vermehrt mit Wildschäden und auch mit Wildwechsel zu rechnen.

Scheu sind die Tiere nicht: „Das Gatterwild ist nicht so schrecklich schlau“, weiß auch Rosenthal. „Während die Tiere in freier Wildbahn in ständiger Angst leben, werden die im Gatter noch gefüttert und kennen keinen Autoverkehr.“

Dasssendorfer fürchten Schäden durch Wildschweine

Schon jetzt gibt es auf der Landesstraße 314 häufig Wildunfälle. Die Zäune schützten auch die Gärten der Anwohner, die Felder der Landwirte und die angrenzenden Golfplätze in Dassendorf und Brunstorf vor Wildschäden.

Daher empfiehlt die untere Jagdbehörde auch dringend, den Wildbestand zu reduzieren, bevor das Gatter zunächst geöffnet wird. Sollte ein Denkmalschutzwert festgestellt werden, sagt Landrat Dr. Christoph Mager: „Das Jagdrecht würde nur kollidieren, wenn auch die Nutzung als Jagdgatter denkmalrechtlich geschützt wäre. Das kann ich mir allerdings nicht vorstellen, da Tiere keinen Denkmalwert haben können.“

Er habe auch Zweifel, dass jemand die Konsequenzen einer Unterschutzstellung durchdacht habe. Da jede Veränderung des Denkmals genehmigungsbedürftig wäre, müsste dann auch diskutiert werden, welche Bewirtschaftung plötzlich einer denkmalrechtlichen Genehmigung unterliegen würde.

Gutachter stellte 2016 Schutzwürdigkeit fest

Ein Sachverständiger stellte 2016 fest, dass es sich bei dem Saugatter im Sachsenwald um eine schützenswerte historische Kulturlandschaft und damit um einen Denkmalbereich und eine Schutzzone gemäß Denkmalschutzgesetz des Landes Schleswig-Holstein handelt. Darüber hinaus machten die erhaltenen historischen Wasser- und Waldflächen sowie Alleen und Baumreihen den Saupark zu einem denkmalfähigen und denkmalwürdigen Gründenkmal. Denn auf der Königsallee ist der dänische König Christian VIII. bereits 1841 mit dem Grafen Bernstorff aus Wotersen zur Jagd angereist kam.

„Erforschung und Erhaltung, [...] liegen im öffentlichen Interesse“, schreibt der Sachverständige in seiner Expertise. Jetzt ist das Verwaltungsgericht Schleswig am Zug.