Anwohner-Protest

Streit um neues Wohngebiet in Aumühle

Olaf Korth, Geschäftsführer des TuS Aumühle-Wohltorf, auf der Sportanlage. Hinten ist der Wald zu erkennen, der gerodet werden müsste.

Olaf Korth, Geschäftsführer des TuS Aumühle-Wohltorf, auf der Sportanlage. Hinten ist der Wald zu erkennen, der gerodet werden müsste.

Foto: Stephanie Rutke

Die CDU will prüfen, ob eine Bebauung am Viertbusch möglich wäre. Die Anwohner kündigen Widerstand an.

Aumühle.  Eine mögliche Bebauung am Viertbusch lässt die Wogen unter den Anwohnern hochschlagen: „Wir wohnen seit 35 Jahren neben dem Sportplatz und erleben solche Pläne bereits zum zweiten Mal“, sagt Peter Hanus. Er selbst war zu Beginn der 1990er-Jahre Gemeindevertreter für die UWG. „Wir sind nicht grundsätzlich gegen ein Neubaugebiet, erwarten dafür aber eine konkrete Planung“, erklärt er. Besonders mögliche Baumfällungen alarmieren die Bürger: Aumühle sei als Wohngebiet geprägt durch den Wald – die Rodung mehrerer Hektar Wald in Zeiten der Klimakrise sei ein Unding.

Der Politik geht es um die allgemeine Gemeindeentwicklung. Am Standort der jetzigen Sportanlage könnte ein Neubaugebiet entstehen – im gleichen Zug würde die komplette Anlage nach Südwesten verlegt werden: Diese Idee wollen die Gemeindevertreter am morgigen Donnerstag, 20 Uhr, im Treffpunkt Aumühle, Sachsenwaldstraße 18, diskutieren: Die CDU favorisiert eine Entwicklung des samt Sportplatz rund zehn Hektar großen Gebietes „Viertbusch“.

Bereits 2007 gab es eine Unterschriftenaktion

Um diese Idee umzusetzen, müsste aber hinter dem Sportplatz ein Stück Wald gerodet werden. Bereits 2007 wurde für das damalige Projekt beim Land eine Änderung des Flächennutzungsplans beantragt. Die Folge war die Gründung einer Bürgerinitiative. 270 Bürger unterstützten eine Unterschriftenaktion, mit der sie das Projekt schließlich abwehrten. Jetzt formiert sich erneut Widerstand. Christina und Peter Hanus, Birgit Erz und Martin Jann haben dazu einen Infoflyer entworfen und verteilt.

Die Politiker sollen über einen Beschlussvorschlag abstimmen, mit dem der Bauausschuss beauftragt wird, eine Grundlage für eine Planungsanzeige zu erstellen, um die Machbarkeit der Überplanung „Viertbusch“ zu überprüfen. „Wir sind noch komplett am Anfang, es soll nur eine Anfrage gestellt werden“, erklärt Bürgermeister Knut Suhk (Grüne). Laut Suhk sei die Resonanz der Fraktionsvertreter positiv gewesen, als ihnen die Pläne im Sommer 2019 vorgestellt wurden. „Das Areal ,Viertbusch’ käme für die Entwicklung von Flächen für Wohnbebauung und Gewerbe infrage“, sagt der Bürgermeister.

TuS-Vorstand steht Idee positiv gegenüber

Bislang ist eine Möllner Planungsfirma mit einer Planungsskizze beauftragt. „Das ganze hat nur Sinn, wenn die zehn Hektar samt Sportanlage komplett zur Verfügung stehen“, erklärt Suhk. Nach der ersten Idee könnte der Sportplatz von seinem bisherigen Standort Richtung Friedhof auf die besagte Waldfläche verlegt werden. Auf der jetzigen Sportanlage könnte ein Wohngebiet entstehen.

Der Vorstand des Turn- und Sportvereins Aumühle-Wohltorf steht der Idee positiv gegenüber. „Wir haben von den Plänen erst vor drei Wochen erfahren“, sagt TuS-Geschäftsführer Olaf Korth. Der Umzug der Sportanlage samt Neubau des Sport- und Jugendheimes seien sinnvoll. Die Sportanlage mit Fußballplatz und acht Tennisplätzen sei zwar in gutem Zustand, das 1971 gebaute Sport- und Jugendheim dagegen seit Jahren abgängig. Mehrere Gutachten hätten ergeben, dass eine Sanierung sich nicht lohne. Sie würde rund 1,4 Millionen Euro kosten. Feuchte Wände, ein kaputtes Dach, marode Sanitärräume und eine Hausmeisterwohnung mit Schimmel an den Wänden seien nur einige der Mängel. Seit Jahren wartet der TuS auf grünes Licht für einen Neubau.

Politische Entscheidung ist noch ungewiss

Olaf Korth und TuS-Präsident Klaus Willers haben ihr Kommen für Donnerstagabend angekündigt. „Der TuS ist unparteiisch, und Politik gehört nicht in den Sport“, meint Korth, der das Gefühl hat, dass einige Politiker den Sportverein auf ihre Seite holen wollten. „Wenn entsprechender Lärmschutz errichtet und niemand gestört wird, würde ich mich über das Projekt freuen“, sagt Korth. Was die Umsetzung angeht, ist er aber sehr skeptisch.

Auch Bürgermeister Knut Suhk geht davon aus, dass die Landesplanung die Anfrage ablehnt. Wie die 23 Politiker aus fünf Fraktionen entscheiden, ist ungewiss. Mit großer Bürgerbeteiligung rechnet Suhk auf jeden Fall.