Straßenverkehr

ADFC fordert mehr Sicherheit auf der L 223

ADFC-Ortsgruppenleiter Joachim Becker zeigt die Schwachpunkte am Straßenrand der Landesstraße 223: Der Rad- und Fußweg ist nur mit einer Linie von der Fahrbahn getrennt, Radler kommen den Autos dort entgegen.

ADFC-Ortsgruppenleiter Joachim Becker zeigt die Schwachpunkte am Straßenrand der Landesstraße 223: Der Rad- und Fußweg ist nur mit einer Linie von der Fahrbahn getrennt, Radler kommen den Autos dort entgegen.

Foto: Susanne Tamm

Erneuerung der Markierung, Flex-Pins oder einem Radweg mit Hochbord bis zu einer separaten, Fußgänger- und Radstraße: Möglichkeiten gibt es.

Reinbek. Bei der Besichtigung vor Ort mit unserer Redaktion ist Joachim Becker überrascht ob des regen Verkehrs, der auf der Hamburger Straße Richtung Landesgrenze herrscht. Immer wieder muss er auf dem knapp zwei Meter breiten Randstreifen, der nur durch eine weiße Linie von der Fahrbahn getrennt ist, anderen Radlern ausweichen.

„Ich schätze, hier kommen wir mit 10.000 Fahrzeugen pro Tag nicht einmal aus“, sagt Reinbeks ADFC-Ortsgruppenleiter, als wieder ein Zwölf-Tonner an ihm vorbeirauscht.

„Ich bin nur betrübt, dass ich nicht schon vorher auf diese Schwachstelle öffentlich aufmerksam gemacht habe“, sagt der 60-Jährige. Mit vorher meint er vor dem 21. Dezember 2019, an dem ein 42 Jahre alter Fußgänger aus Bergedorf gegen 21.25 Uhr ums Leben kam, als er mit seiner Ehefrau (41) und zwei Verwandten auf dem Seitenstreifen in Richtung Reinbeker Redder unterwegs war und von hinten überfahren wurde. Durch den Zusammenprall wurde der Bergedorfer in den Graben neben der Straße geschleudert. Er starb noch an der Unfallstelle.

„Alle fühlen sich hier unwohl“

Jetzt setzt sich Joachim Becker für mehr Sicherheit an dieser Straße ein – für Fußgänger und Radfahrer. Was den Radweg angeht, ist der knappe Kilometer Richtung Landesgrenze absolutes Niemandsland: Direkt an der Landesgrenze endet der Hamburger Weg auf der Nordseite der Straße abrupt. Stattdessen ist nur ein Radfahrstreifen mit einer weißen Linie von der Fahrbahn abgetrennt.

Auf der gegenüberliegenden Seite, in Richtung Reinbeker Innenstadt, ist ein noch schmaler Streifen abgetrennt, teilweise ist noch nicht einmal mehr die eine Linie zu erkennen.

„Ob Radfahrer, Fußgänger oder Autofahrer: Alle Verkehrsteilnehmer fühlen sich hier unwohl“, sagt Joachim Becker. „Nach der Beschilderung dürfen Radfahrer auch aus Richtung Bergedorf auf dem linken Randstreifen fahren. Kommt dort ein anderer Radfahrer entgegen, wird es richtig eng.“

Immerhin will Verkehrsminister Andreas Scheuer (CDU) den Mindestabstand zwischen Auto- und Radverkehr innerorts auf 1,50 und außerorts auf zwei Meter gesetzlich festlegen.

Gefährlich macht die Situation auf der L 223 auch die fehlende Straßenbeleuchtung in dem Waldstück: Radler fahren ins Dunkle hinein und werden von den Autoscheinwerfern geblendet.

Bürgermeister sollte sich an LBV wenden

Der ADFC versucht jetzt, die Politik mit ins Boot zu holen. „Möglichkeiten gäbe es viele, von einer Erneuerung der Markierung über Flexpins oder einen Radweg mit Hochbord bis zu einer separaten Fußgänger- und Radstraße parallel zur Fahrbahn“, erklärt Joachim Becker.

Laut Bauamtsleiter Sven Noetzel ist nicht Reinbek für die außerorts verlaufende L 223 zuständig, sondern der Landesbetrieb Straßenbau und Verkehr Schleswig-Holstein (LBV-SH). „Unsere untere Verkehrsaufsicht ordnet dort nur Markierung und Beschilderung an“, sagt Noetzel.

Sein Team werde aber diesen Fragen an der Hamburger Straße nachgehen. Zusätzlich will er prüfen, ob sich dort die Beleuchtung verbessern lässt. Ansonsten wäre es der beste Weg, wenn die Politik den Bürgermeister auffordere, sich an den LBV zu wenden.

Der LBV konnte die Fragen unserer Redaktion am Montag noch nicht beantworten.