Ortsentwicklungskonzept

Wohltorfs Kooperation mit HafenCity Uni gescheitert

Wohltorfs Bürgermeister Gerald Dürlich ist enttäuscht.

Wohltorfs Bürgermeister Gerald Dürlich ist enttäuscht.

Foto: Rutke

Aufgrund eines Missverständnisses beenden Gemeinde und HafenCity Uni die Fragebogenaktion für das Ortsentwicklungskonzept in Wohltorf.

Wohltorf. Das von der Gemeinde Wohltorf in Kooperation mit der HafenCity Universität (HCU) geplante Ortskernentwicklungskonzept wird es nicht geben. Die Fragebogenaktion wurde am Mittwoch überraschend abgebrochen. Wohltorfs Bürgermeister Gerald Dürlich ist enttäuscht, äußert aber auch Verständnis für die Entscheidung.

Der Grund scheint ein Missverständnis zu sein: Offensichtlich ist es nicht gelungen, den Wohltorfern die klare Trennung zwischen der Kooperation der Gemeinde mit der HafenCity Universität und der studentischen Fragebogenaktion auf der einen Seite und einem späteren Ortskernentwicklungskonzept auf der anderen Seite aufzuzeigen.„Die Bürger haben mit dem Projekt etwas Falsches verbunden“, zieht Projektleiter Attila Cinar, der auch Lehrbeauftragter an der HCU ist, ernüchtert Bilanz. Offensichtlich herrsche bei einigen Wohltorfern Angst, dass Ideen aus den Fragebögen zeitnah umgesetzt werden sollen.

Anwohner kritisieren Fragebogen

Einige der Fragen seien sehr kritisiert worden, habe er aus Gesprächen mit Bürgermeister Dürlich erfahren. Zeit, die Fragen anders zu formulieren fehle, denn das Semester endet am 31. März und die Prüfungen für die Studenten beginnen vorher.

Mit dem Projekt des Fachgebietes Architektursoziologie der HCU hatte die Gemeinde die einmalige Chance, eine wissenschaftlich fundierte Datenerhebung zu erhalten, die später für die Erstellung eines Ortskernentwicklungskonzeptes hätte dienen können, so Dürlich. Cinar hatte die 1200 umfangreichen Fragebögen zu den Themen Infrastruktur, Mobilität, Kinderbetreuung, medizinische Versorgung, Freizeit sowie Bauen und Wohnen in Zusammenarbeit mit der Arbeitsgruppe Ortsentwicklungskonzept der Gemeinde erstellt. Ziel war es, die zukunftsorientierten Bedürfnisse der Wohltorfer zu erforschen.

Nur fünf Wohltorfer bei Infotermin

Vorab hatte Attila Cinar das Projekt im Dezember auf einer mit 100 Gästen gut besuchten Einwohnerversammlung vorgestellt. „Neben vielen positiven Stimmen gab es auch Kritik“, so Dürlich. Offensichtlich waren einigen Bürgern die Fragen, zum Beispiel nach ihren Wohnverhältnissen, zu konkret. „Ich möchte mit meiner Arbeit gesellschaftliche Prozesse erfassen und über neue Konzepte nachdenken“, erklärt der Architekt dazu.

Gelegenheit, offene Fragen und Unklarheiten, insbesondere zur Auswertung, auszuräumen, hatten die Wohltorfer am vergangenen Sonnabend bei einem Infotermin. Die Resonanz war für Cinar frustrierend: „Es sind nur fünf Wohltorfer gekommen, aber wir waren mit 30 Studenten vor Ort.“

Kein Aus für Ortsentwicklungskonzept

Für die beteiligten 150 Studierenden bedeutet das Aus, dass sie ihre Fachkenntnisse im Fach Architektur- und Siedlungssoziologie nicht mit diesem Projekt vertiefen können. Attila Cinar wird für seine Studenten eine neue Aufgabe stellen.

Das Aus der Kooperation mit der HCU bedeutet allerdings nicht das Aus für das Ortsentwicklungskonzept, so Dürlich. „Die Gemeindevertretung wird in den kommenden Sitzungen beraten, wie es weitergeht“, sagt er. Schließlich besteht in der Bevölkerung der Wunsch nach Neubauten wie zum Beispiel einer neuen Sporthalle oder des für die Feuerwehr notwendigen neuen und größeren Gerätehauses. Dafür sei ein Ortsentwicklungskonzept sinnvoll. Vielleicht werde in Zukunft mit einem Planungsbüro zusammengearbeitet.

Gemeinde investierte keine Kosten

Bisher hat die Gemeinde kein Geld in das Projekt investiert. Kosten für die Fragebögen sind seitens der Gemeinde nicht entstanden, so der Bürgermeister. Die zurückgesandten Fragebögen werden jetzt vernichtet, weil sie nicht von den Studenten ausgewertet werden können.