Containerbau

Reinbeker Campusschule: Mehr als ein Provisorium

U-förmig stehen die Container zweigeschossig hinter dem Freizeitbad, ganz in der Nähe des alten Standortes.

U-förmig stehen die Container zweigeschossig hinter dem Freizeitbad, ganz in der Nähe des alten Standortes.

Foto: dörte hoffmann / BGZ

Schüler und Lehrer fühlen sich wohl in ihrem provisorischen Containerbau. Auch die Beliebtheit der Gemeinschaftsschule ist ungebremst.

Reinbek. Rrrr... Das Läuten in der Campusschule ist eher ein Schnarren. Sofort entsteht dichtes Gedränge auf den Fluren, als sich etwa 700 Schüler zum Ausgang der provisorisch in Containern untergebrachten Gemeinschaftsschule Reinbek drängen. Lärmend ziehen sie über die schmalen Flure, steigen enge Treppen hinauf oder zwei Stockwerke hinab und schieben sich ins Freie. Nach den doppelten Schulstunden ist der Bewegungsdrang groß. Allerdings dringen nicht alle nach draußen. „Oberstufenschüler dürfen in der Pause in den Klassenräumen bleiben“, verrät Emily Evert. Die 16-Jährige der Klasse 11 c ist Schulsprecherin, genauso wie Juls Haacker, ihr Stellvertreter.

Der 14-jährige Wentorfer besucht nach einem Schulwechsel seit zwei Jahren die Gemeinschaftsschule Reinbek. Er kann gut vergleichen zwischen den alten und den provisorischen, neuen Klassenräumen. Ihm gefällt der Unterricht in den Containern, in denen es an nichts mangelt. „Nur der Platz in der Pause ist sehr begrenzt“, findet er.

Schüler und Lehrkräfte haben Situation schnell akzeptiert

Darum setze er sich dafür ein, dass auch die Grünflächen rund um die Campusschule, wie das Provisorium mit den 350 Einzelmodulen von Lehrern und Schülern getauft wurde, während der Pausenzeit genutzt werden können. Die schulische Zwischenlösung mit den U-förmig aufgestellten Containern liegt direkt hinter dem Freizeitbad und in unmittelbarer Nähe der Flüchtlingsunterkünfte, ebenfalls ein Containerbau.

„Mit dem Start der Campusschule zum Schuljahresbeginn am 12. August haben sich Schüler und Lehrkräfte schnell in die neue Situation eingefunden“, lobt Schulleiter Dirk Böckmann. 733 Schüler verteilen sich auf 38 Klassenräume, die eine Standardgröße von bis zu 60 Quadratmetern haben. Neben Klassenzimmern gibt es Fachräume für Musik, Kunst, Technik und Naturwissenschaften. Ein Blick an die Decke der Räume verrät, aus wie vielen Containern sie zusammengesetzt wurden. „Das Lehrerzimmer beispielsweise besteht aus zehn Modulen“, sagt Böckmann. Platz genug für die 60 Lehrkräfte an der Schule.

Alte Schule im Frühjahr 2022 fertig

Natürlich fehlen auch keine Elemente für Haustechnik und die Sanitäranlagen. Bis Frühjahr 2022, wenn das alte Schulgebäude wieder hergestellt sein soll, könne man es gut aushalten in der Campusschule, davon ist Böckmann überzeugt. Der 51-jährige Pädagoge hat die Leitung der Schule im Herbst 2015 übernommen – zeitgleich mit Einführung der Oberstufe.

Auch die beiden Schulsekretärinnen arbeiten gern hier. „Es fühlt sich überhaupt nicht an wie ein Provisorium“, sagt Daniela Breitenbach. Kollegin Gaby Erdmann, die erst seit Beginn des Schuljahres das Sekretariat verstärkt, nickt zufrieden: „Ich bin hier angekommen.“ Wenn am 24. Februar die Anmelderunden für die Jahrgänge Fünf und Elf starten, werden sie besonders gefordert sein.

Schulleiter trägt zur Beliebtheit der GMS bei

Dirk Böckmann freut sich über das Vertrauen der Eltern in die Schule – trotz Container-Unterricht. Der Wiederaufbau des alten Gebäudes sei vierzügig geplant, das könne fast schon knapp werden. Zur Beliebtheit der Schule trägt der zweifache Familienvater bei. Er wirkt sympathisch und souverän.

Stolz führt er Besucher durch die Schule, weist auf die Kunstobjekte, die die kahlen Flurwände verschönern, und auf die interaktiven Boards in den Klassenräumen, die alte Schultafeln ersetzen. Auch hat die Schule hundert Tablets angeschafft, mit denen die digitale Welt erschlossen werden kann. Schließlich zählen Word, Excel und Power Point inzwischen zum Pflichtprogramm an Schulen, wie der Schulleiter verrät.

Sechs Jahre Schulleiter in Dubai

Und was hat das hölzerne Namensschild auf seinem Schreibtisch mit zusätzlichen arabischen Schriftzeichen zu bedeuten? „Bevor ich nach Reinbek kam, habe ich sechs Jahre mit der Familie in Dubai gelebt und als Schulleiter gearbeitet“, sagt Böckmann. Beste Voraussetzungen also für „eine Schule für alle“.