Party der Vielfalt

Reinbeker zeigen Flagge gegen die AfD

Gesa Wilmer, Emma und Carla Petersen aus Wentorf haben sich verabredet, um bei der „Party der Vielfalt“ dabei zu sein.

Gesa Wilmer, Emma und Carla Petersen aus Wentorf haben sich verabredet, um bei der „Party der Vielfalt“ dabei zu sein.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

400 Menschen protestierten am Mittwoch gegen Hass und für Menschlichkeit bei der „Party der Vielfalt“ im Jugendzentrum.

Reinbek. Eine „historische Veranstaltung“ erlebten die 400 Menschen, die sich am Mittwoch vor und im Jugendzentrum sowie am Schloss versammelten. Das sagte der in der Seenotrettung engagierte Bergedorfer Ingo Werth, der begeistert davon war, dass so viele Parteien, Vereine und Einrichtungen zusammenstanden, um bei der „Party der Vielfalt“ Flagge zu zeigen. Nicht nur Reinbeker, auch Menschen aus den Nachbarkommunen wie Glinde und Wentorf, aus Hamburg und aus Bad Oldesloe stellten sich geschlossen gegen Hass und Hetze, während nur ein paar Meter weiter Jörg Nobis, Vorsitzender der AfD-Landtagsfraktion, im Schloss einen Vortrag zum Thema „Retter oder Schlepper? Seenotrettung im Mittelmeer“ hielt.

Natürlich blieb die Frage nicht ungestellt, ob eine solche Veranstaltung im Wahrzeichen der Stadt nicht in Zukunft verhindert werden könne. Ingo Werth, der beim Verein Resqship aktiv ist, appellierte in einer Rede, Veranstaltungen im Schloss zu verbieten, bei denen faschistische und rassistische Äußerungen zu erwarten seien: „Reinbek muss ein Zeichen setzen: Das Schloss steht für Rassismus nicht zur Verfügung.“ Applaus im Publikum zeigte, das er mit seiner Meinung nicht allein dasteht. „Das kann ich nur unterstützen“, sagte beispielsweise Markus Althoff. „Die AfD soll einen Ort bekommen. Aber keinen so repräsentablen wie das Schloss.“

Auftritt einer Partei kann nicht verweigert werden

Die Reinbeker Grünen-Fraktion haben bereits einen Antrag formuliert, die Nutzungsatzung für das Schloss zu ändern. Es soll eine Widerrufsklausel verankert werden, die eine Nutzung ausschließt, wenn Sicherheit und Ordnung nicht gewährleistet erscheinen. CDU-Fraktionsvorsitzender Patrick Ziebke sagt: „Ich sehe den Antrag relativ unproblematisch. Es handelt sich um eine Regelung, die wir in allen anderen Satzungen auch haben.“

Die vermutliche Intention des Antrages, den Auftritt einer Partei zu verweigern, sei durch diese Satzungsänderung jedoch nicht zu erreichen, meinen Bernd Uwe Rasch, Fraktionsvorsitzender der FDP, und Heinrich Dierking, Fraktionschef von Forum 21. Veranstaltungen der AfD zu verbieten, sei „der falsche Weg“, so Rasch. Und auch SPD-Fraktionschef Volker Müller sagt: „Die AfD ist eine zugelassene Partei, auch wenn einem das nicht passt.“ Die einzige Möglichkeit wäre, im Schloss grundsätzlich politische Veranstaltungen zu verbieten, was er ablehne.

Plakat-Aktion: Reinbeker finden klare Worte

Der Antrag der Grünen wird am Dienstag, 28. Januar, im Hauptausschuss beraten (Beginn: 19 Uhr). Kommt es zu einem Beschluss, will die Stadt den Antrag zunächst juristisch bewerten, sagte deren Sprecher Lennart Fey gestern.

Auch wenn die Stadt einen Auftritt der AfD nicht verhindern könne, so könne sie doch dafür sorgen, dass die Politiker auf ihrem Weg zum Schloss praktisch von Schildern erschlagen werden, sagte Bürgermeister Björn Warmer am Mittwoch. Gemeint ist die Aktion „Reinbek zeigt Gesicht“. Hier finden Reinbeker, Bundes-, Landes- und Kommunalpolitiker klare Worte: „Migranten in unserer Stadt? Bei uns heißt das Reinbeker. Punkt.“, heißt es beispielsweise unter einem Foto von Björn Warmer. Gleichzeitig macht die Stadt aufmerksam auf die Ausstellung über Anne Franks Lebensgeschichte, die am 7. Februar um 18 Uhr bei freiem Eintritt im Schloss beginnt.

Jörg Nobis: Nichts Verfassungsfeindliches, Menschenverachtendes oder Rechtsextremes

Zum Start der „Party der Vielfalt“ versammelten sich zahlreiche Menschen vor dem Schloss. Fahnen wehten, auf Bannern und Plakaten stand „Omas gegen Rechts“, „Kein Mensch ist illegal“ und „Hass ist keine Alternative“. „Es ist auch wichtig für die Leute, die von der AfD angegangen werden, zu sehen, dass es nicht alle schweigend hinnehmen“, sagte Jannika, die sich bei den Reinbeker Pfadfindern engagiert. Veranstalter und Besucher des AfD-Vortrages konnten der Demonstration schwer aus dem Weg gehen und wählten den Hintereingang des Schlosses.

Um 19 Uhr ergriff dort Jörg Nobis das Wort, der selbst berufserfahrener Kapitän ist. „Sie werden von mir nichts Verfassungsfeindliches hören, auch nichts Menschenverachtendes oder Rechtsextremes“, heißt es im Manuskript zu Nobis Vortrag.

„AfD missbraucht Seenotrettung für ihre Politik“

„Seenotrettung ist völlig unpolitisch“, sagte Ingo Werth vom Verein Resqship im Juz, während Nobis im Schloss sprach. „Sie wird von der AfD für ihre Politik missbraucht.“ Eindringlich schilderte er die Leiden derer, die über die Meere flüchten. „Wir brauchen gesellschaftliche Akzeptanz für Seenotrettung“, forderte er. Auch Günther Herder-Alpen (Grüne), Bürgermeister, Bürgervorsteher, die Landtagsabgeordneten Lukas Kilian (CDU) sowie Martin Habersaat (SPD), Jennifer Jasberg von den Bergedorfer Grünen und die Reinbeker Pastorin Bente Küster traten ans Mikrofon. „Der Himmel geht über uns allen auf. Ganz egal, welche Nationalität, Religion oder Hautfarbe wir haben“, sagte Bente Küster. Um für eine vielfältige Gesellschaft einzustehen, „dafür sind wir heute hier, und wir sind viele, und das ist toll.“ Und Herder-Alpen, versprach: „Das machen wir wieder, wenn es erforderlich ist.“

Laut Polizei verlief der Partyabend am Schloss ruhig. Acht Beamte des Bezirksreviers waren im Einsatz.