Katholischer Kindergarten

Benzol – Kinderkrippe muss umziehen

Marina Kühl und Manuela Graap (re.) sind froh, die Kleinen jetzt im Gemeindehaus betreuen zu können.

Marina Kühl und Manuela Graap (re.) sind froh, die Kleinen jetzt im Gemeindehaus betreuen zu können.

Foto: Susanne Tamm

Zehn Kinder werden vorübergehend im Gemeindehaus betreut. Denn aus der benachbarten Garage dringen Ausdünstungen in die Krippe.

Reinbek.  Wegen erhöhter Benzolwerte in der Raumluft hat die katholische Kita Arche Noah die Betreuung ihrer Krippengruppe seit gestern vorsorglich in das benachbarte Gemeindehaus verlegt. Benzol gilt als giftig und krebserregend. Seit 2010 gilt für die aromatischen Kohlenwasserstoffe europaweit ein Grenzwert für den Schutz der menschlichen Gesundheit: Fünf Mikrogramm pro Kubikmeter dürfen im Jahresmittel nicht überschritten werden. Dieser Grenzwert gilt allerdings für die Außenluft, für die Raumluft ist kein Grenzwert vorgeschrieben. Laut Weltgesundheitsorganisation allerdings gibt es keine gesundheitlich unbedenkliche Konzentration. Es gebe keinen Grund, zwischen Außen- und Innenluft zu unterscheiden.

Die erhöhten Benzol-Werte waren bei einer Raumluftmessung im Untergeschoss der Einrichtung im Dezember 2019 festgestellt worden. Diese Kontrolle hatte Marina Kühl, Leiterin der Einrichtung, angeregt, die durch Gespräche mit Mitarbeiterinnen und Eltern sensibilisiert worden war. „Das hat sie genau richtig erkannt“, sagt Matthias Sacher, Mitglied im Bau- und im Kita-Ausschuss der Pfarrei zur Heiligen Elisabeth. Die Messergebnisse gingen am Tag vor den Weihnachtsferien in Form eines Gutachtens ein. „Die Werte aus dem Gutachten können wir leider noch nicht veröffentlichen, bis die Haftpflichtversicherung uns dies freigibt“, sagt Sacher.

Die Garage im selben Gebäude ist genehmigt

Gewöhnlich stammt Benzol aus Abgasen von Benzinmotoren oder aus Zigarettenrauch. Laut Gutachter könnten die Ausdünstungen in der Kita beispielsweise von einem Kanister oder einem Rasenmäher aus dem benachbarten Lagerraum – ursprünglich eine Garage – ausgehen. Er grenzt sowohl an den Krippenraum als auch an den Pausenraum der Erzieherinnen.

Wie Sacher berichtet, ist diese Garage, die sich im Gebäudekörper der Kita befindet, mit samt Metalltüren genehmigt. Die Räume der 40 älteren Elementarkinder im Erdgeschoss sind nicht betroffen. Gebaut wurde das Architektenhaus hinter der Kirche vor zehn Jahren.

Der Träger hat sofort reagiert

Träger und Kindergartenleitung verständigten per Brief sofort die Eltern sowie den Kreis Stormarn, die Stadt Reinbek, die Polizei, die Versicherung sowie die Behörden im Erzbistum Hamburg. Die zehn Kinder im Alter von ein bis drei Jahren werden seit gestern, nach Ende der Winterferien, im benachbarten Gemeindehaus betreut.

„Sie finden es sogar ganz spannend“, hat ihre Erzieherin Manuela Graap beobachtet. Sie selbst sei nicht frei von Bedenken, sagt sie. Immerhin hat sie jahrelang in dem betroffenen Raum gearbeitet. „Aber ich finde es gut, dass mein Arbeitgeber sofort reagiert hat, nachdem das Benzol entdeckt worden ist“, betont sie.

In drei Wochen sollen die Kinder zurückkehren

Die gelagerten Gartengeräte und Reservekanister wurden in einen angemieteten Container gebracht. Jetzt sollen die Türen, die als Schwachstelle vermutet werden, mit einer Folie abgedichtet und zugemauert werden. Entsprechend dem Gutachten werden nun die Räume zwei Wochen intensiv belüftet. „Danach werden wir die Raumluft nochmals messen lassen“, sagt Matthias Sacher.

Er rechnet damit, dass die Kirchengemeinde das Ergebnis etwa eine Woche später erhält. Vorausgesetzt, es ist positiv, soll die Betreuung drei Wochen später wieder in den angestammten Räumen stattfinden.