Halbseitige Sperrung

Reinbeks Ufermauer verlangt Baufirma einiges ab

Bauingenieurin Henrieke Lerch vom Planungsbüro BBI Geo- und Umwelttechnik Ingenieurgesellschaft mbH gibt Auskunft an der Ufermauer.

Bauingenieurin Henrieke Lerch vom Planungsbüro BBI Geo- und Umwelttechnik Ingenieurgesellschaft mbH gibt Auskunft an der Ufermauer.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Rekonstruktion der Ufermauer von 1741 braucht Zeit. Warum sie so aufwendig ist, erklärt Reinbeks Tiefbauingenieur Norbert Wulff.

Reinbek. Stapel gewellter Stahlprofile, Bagger und ein großer Bohrer waren an der Baustelle für die historische Ufermauer jetzt schon zu sehen: Die Arbeiten hinter der Brücke der Schlossstraße gehen endlich voran.

Seit Mai 2018 ist die Schlossstraße nun bereits halbseitig gesperrt, Fahrzeuge über 7,5 Tonnen dürfen sie seitdem nicht mehr befahren. So soll ein Absacken der Straße am Schloss verhindert werden. Denn die 1741 erbaute Ufermauer ist instabil. Sie wurde durch das Bille-Hochwasser im Januar 2018 beschädigt. Ein Granitstein war bereits in die Bille gefallen.

Nicht jede Firma kann den Auftrag erfüllen

„Während der Notsicherung hat ein Arbeiter bemerkt, dass sich die Steine verschoben haben“, berichtet Reinbeks Tiefbauingenieur Norbert Wulff. Im Frühjahr 2018 wurden vor die historische Mauer zunächst Betonblöcke gestapelt, dann das Lkw-Verbot und die einseitige Sperrung ausgeschildert.

Die nötigen Arbeiten sind komplex, wie Wulff erläutert. „Nur spezialisierte Firmen können diese Wasserbauten ausführen, wir haben nach der Ausschreibung nur zwei Angebote erhalten.“ Der Auftrag hat ein Volumen von mindestens 855.000 Euro, die Planungskosten kommen noch hinzu. Insgesamt hat die Politik bisher 1,15 Millionen Euro bereit gestellt. Norbert Wulff rechnet allerdings damit, dass sich die Kosten noch erhöhen könnten, falls noch unvorhergesehene Probleme auftauchen.

Die Rekonstruktion braucht viel Vorbereitung

Den Zuschlag, die historischen, tonnenschweren Granitsteine am Ufer zu entfernen, um dahinter eine stützende, verankerte Stahlspundwand zu ziehen, erhielt die Bauunternehmung Gebrüder Echterhoff. Da die Ufer-Anlage denkmalgeschützt ist, muss die Mauer vor dieser Stahlwand genau so rekonstruiert werden, wie sie einmal war. Die Auflagen der Unteren Wasserschutzbehörde des Kreises müssen ebenfalls erfüllt werden. Sie ist an allen Baubesprechungen beteiligt.

Zuerst hat man nun eine Trägerbohlenwand ins Erdreich gepresst. Sie stützt das Erdreich zwischen Schlossstraße und Bille ab, damit es nicht ins Rutschen kommt. Im Laufe dieser oder der nächsten Woche wird noch eine stählerne Spundwand im Billelauf eingezogen, erklärt Bauingenieurin Henrieke Lerch vom Planungsbüro BBI Geo- und Umwelttechnik Ingenieurgesellschaft mbH. „Sie dient dazu, die Bille zu schützen, damit keine Betriebsstoffe in das Gewässer gelangen können.“ Außerdem lege sie die historische Ufermauer für die anstehenden Arbeiten trocken, ergänzt Norbert Wulff. Danach kann der Betonsockel zurückgebaut werden, der irgendwann vor die geschichtsträchtige Quader gesetzt worden ist.

Für die neue Ufermauer müssen drei Stützwände her

Darüber hinaus muss die neben der Brücke liegende Kanalisation unterbrochen werden. Schmutzwasser wird derweil durch eine eigens verlegte Leitung über die Brücke gepumpt.

Erst danach können zwischen den beiden Stützwänden die Arbeiten an der historischen Mauer beginnen. Dafür werden die schweren Granitblöcke zuerst abgebaut. Dahinter werden die elf Meter hohen, stählernen Bleche mehrere Meter tief in die Erde gepresst. Um diese Spundwand fest zu verankern, werden insgesamt 14 Pfähle dahinter in einem 30°-Winkel schräg ins Erdreich gebohrt. Diese 20,5 Meter langen Pfähle aus Stahl und Beton reichen bis unter die Schlossstraße. Davor wird noch eine Betonwand samt Konsole gegossen, auf die die historischen Granitquader wieder aufgemauert werden.

Die Stadt Reinbek will Geld vom Land zurück

Diese Konstruktion soll künftig so gut halten, dass die temporäre Spundwand im Flussbett und die Tragbohlenwand wieder entfernt werden können. Nach aktuellen Stand soll die Granitmauer Ende März 2020 fertig sein. „Bei Frost kann aber kein Beton gegossen werden“, gibt Norbert Wulff zu bedenken. Eine Vollsperrung sei nicht geplant. Die Verwaltung habe den Auftrag, die Kosten vom Land zurückzufordern, weil dies für die Wasserwege zuständig sei. „Das ist noch umstritten“, sagt Tiefbauingenieur Norbert Wulff.