Auszeichnung

Reza Housseini hat alles richtig gemacht

Inhaber Helge Kröger (links) und der Stellvertretende Marktleiter Torben Hildebrandt freuen sich mit ihrem Azubi Reza Housseini über den Gerd-Schult-Preis, der mit 500 Euro dotiert ist.

Inhaber Helge Kröger (links) und der Stellvertretende Marktleiter Torben Hildebrandt freuen sich mit ihrem Azubi Reza Housseini über den Gerd-Schult-Preis, der mit 500 Euro dotiert ist.

Foto: dörte hoffmann / Dörte Hoffmann

Reza Housseini wird der Gerd-Schult-Preis der Stiftung Erwin Baer verliehen. Vor vier Jahren ist er aus dem Iran geflohen.

Reinbek. Als der Brief kam, war die Freude im Edeka-Markt am Täbyplatz riesengroß. Denn Reza Housseini wird für seinen guten Abschluss als Auszubildender zum Verkäufer von der Stiftung Erwin Baer mit dem mit 500 Euro dotierten Gerd-Schult-Preis ausgezeichnet. Die Erfolgsgeschichte des jungen Afghanen, der mit seiner Familie im Iran lebte, begann vor vier Jahren.

Da hat sich der Jugendliche mit fünf Freunden auf den Weg nach Deutschland gemacht. Über die genauen Fluchtumstände mag der 21-Jährige nicht reden. „Wir hatten einfach keine Perspektiven im Iran und wollten nur weg“, erzählt er ein wenig schüchtern, aber in ausgezeichnetem Deutsch.

Mit starkem Willen zu beachtlichen Leistungen

Da hatte er gerade seinen Hauptschulabschluss gemacht. Während der großen Flüchtlingswelle 2015 verschlug es ihn in den Norden Deutschlands. „Ich hatte überhaupt keine Vorstellungen, was mich erwartet, aber alles war besser, als dort zu bleiben“, sagt er. Schnell stellte er fest, dass man in Deutschland alles erreichen kann, wenn man nur will.

Seinen starken Willen bewies Housseini mit beachtlichen Leistungen. Das bezieht sich zum einen auf die neue Sprache, wo er sich noch weiter verbessern will. Aber auch auf die berufliche Zukunft. Denn er möchte in Deutschland bleiben, leben und arbeiten. Derzeit lebt Reza Housseini als Untermieter bei einer älteren Frau in Müssen, die ihn in all seinen Integrationsbemühungen sehr unterstützt.

Er schätz die Freiheit in der neuen Heimat

„In Müssen lernte er auch die Frau unseres Marktleiters Thomas Schröder kennen, die sich in der Flüchtlingshilfe engagiert“, sagt Helge Kröger, Inhaber des Supermarktes am Täbyplatz. Zuerst machte der junge Mann ein zweiwöchiges Praktikum im Laden. „Dabei haben wir schnell festgestellt, das Reza die Spielregeln in Deutschland verstanden hat“, sagt Kröger schmunzelnd. Schließlich werden den Deutschen Pünktlichkeit, Ordentlichkeit, Sauberkeit und Ausdauer nachgesagt. Daher stand seiner Ausbildung zum Verkäufer nichts mehr im Wege.

„Natürlich gab es anfangs auch mal sprachliche Missverständnisse“, sagt Housseini. Aber die netten Kollegen hätten ihm immer geholfen. Das gute Betriebsklima gefällt ihm. Der junge Afghane weiß die Freiheit der neuen Heimat zu schätzen. „Keiner redet einem rein, weder Verwandte noch die Religion oder die Regierung“, sagt er. Das sei im Iran ganz anders.

Er mag den Einzelhandel und Volleyball

Er mag den Einzelhandel, wo er immer mit den Kunden ein paar Worte wechseln kann. Besonders ältere Menschen seien dankbar dafür, wenn er ihnen beim Einkauf ein wenig hilft. Nachdem er im Sommer seinen Abschluss zum Verkäufer mit der Note 2 bestanden hat, lernt er in seinem Ausbildungsbetrieb in Reinbek-West ein weiteres Jahr, um nächsten Sommer die Prüfung zum Kaufmann im Einzelhandel abzulegen.

Sein Job verlangt die Mitarbeit an der Kasse und eine schicke Marktkleidung: schwarze Hemden für die Männer, schwarze Blusen für die Frauen, jeweils mit Namen beschriftet. Am Donnerstag, 14. November, aber setzt Reza Housseini noch einen drauf – auch wenn er keinen Anzug hat. Denn dann fahren Lehrling und Chef gemeinsam nach Ahrensburg, wo der junge Mann um 11 Uhr in der Berufsschule geehrt wird.

Inzwischen trainiert er auch Kinder im Volleyball

In seiner Freizeit spielt Reza Volleyball bei der TSG Bergedorf. Dort hat er schon den Jugendtrainerschein gemacht und trainiert eine Kindergruppe. „Volleyball habe ich schon in der alten Heimat geliebt“, erklärt er. Das hat sich in der neuen Heimat nicht geändert.