Auszeichnung

Fairtrade in Wentorf besiegelt

Ausgezeichnet (v.l.): Elke Brandt-Kriebel (v.l.) von der Wentorfer Steuerungsgruppe, Manfred Holz, Fairtrade-Ehrenbotschafter, Bürgermeister Dirk Petersen und Händlerin Daniela Snijders.

Ausgezeichnet (v.l.): Elke Brandt-Kriebel (v.l.) von der Wentorfer Steuerungsgruppe, Manfred Holz, Fairtrade-Ehrenbotschafter, Bürgermeister Dirk Petersen und Händlerin Daniela Snijders.

Foto: Florian Büh

Als zweite Gemeinde im Kreis Herzogtum-Lauenburg erhält Wentorf die Auszeichnung als Fairtrade-Town.

Wentorf. Mit einer großen Feierstunde haben Bürgermeister Dirk Petersen und viele Gäste den Erhalt der Fairtrade-Town-Urkunde im Rathaus zelebriert. Ausgestellt wurde die Auszeichnung vom gemeinnützigen Verein Fairtrade Deutschland. Dieser engagiert sich für einen nachhaltigen Konsum und gerechtere Strukturen in den Produktionsländern und im Handel. Bereits vor über zwei Jahren hatte die Gemeindeversammlung beschlossen, den nahen Vorbildern Hamburg und Geesthacht zu folgen, um das Zertifikat „Fairtrade Town“ zu erhalten.

Dafür waren fünf Kriterien zu erfüllen: Nach dem formellen Beschluss muss zum Beispiel fairer Kaffee auf Sitzungen ausgeschenkt, eine Steuerungsgruppe gebildet werden. In Wentorf mussten in je mindestens sechs Geschäften und drei Gastronomiebetrieben wenigstens zwei Produkte aus fairem Handel angeboten werden. Auch in öffentlichen Einrichtungen müssen Artikel aus fairem Handel verwendet werden. Fairtrade Deutschland berät und unterstützt die Kommunen bei der Bewerbung und darüber hinaus.

Bundesweit 641 Städte und Gemeinden ausgezeichnet

Extra aus Süddeutschland ist dazu Fairtrade-Ehrenbotschafter Manfred Holz angereist: „Die erste ausgezeichnete Stadt war vor zehn Jahren Saarbrücken. Dann kam Neuss, meine Heimatstadt. Nun sind es alleine in Schleswig-Holstein 24 Städte und Gemeinden. In ganz Deutschland sind 651 ausgezeichnet“, sagte der 72-Jährige. „Und wir sind die zweite Stadt im Kreis nach unserem Vorbild Geesthacht“, erklärte Dirk Petersen und freute sich auch über die Anwesenheit seines Geesthachter Amtskollegen Olaf Schulze.

„Es ist schon interessant, dass viele Kaffeetrinker teure Maschinen besitzen, aber billigen Kaffee trinken“, sagte Holz. In einer sehr emotionalen und frei gehaltenen Rede, ergänzte Daniela Snijders, Einzelhändlerin aus Wentorf: „Drei Euro kostet ein konventioneller Kaffee. Fünf Euro ein fair produziert und gehandelter. Das sind pro Tasse drei Cent mehr. Für uns ist das nicht die Welt. Für andere schon.“ Ohnehin müsste das mehr an Geld nur auf Dinge gerechnet werden, die nicht unbedingt zum Leben nötig sind: „ Es geht um die fünf Prozent Luxusartikel, die wir kaufen. 95 Prozent der Waren sind regionale Produkte, für die fairtrade gar nicht nötig ist.“

Flammende Rede von Einzelhändlerin

Unter „Bravo“-Rufen und lautem Applaus hatte sie zuvor klar dargestellt, warum sie sich für den Fairtrade-Gedanken engagiert: „Nur 0,1 Prozent der Waren im Supermarkt sind fair gehandelt. Alle Produkte, die in den Regalen stehen, wären drei Fußballfelder groß. Nur 43 Artikel davon sind fairtrade. Wir haben die Wahl. Also haben wir auch die Macht.“

„Es ist kleiner Beitrag zu einer besseren Welt“, hatte Bürgermeister Dirk Petersen in Bezug auf die Auszeichnung erklärt. „Es macht uns nicht nur stolz. Es ist uns zugleich Auftrag, darüber Gedanken zu machen, wie wir den fairen Handel in Wentorf weiter fördern und Hindernisse aus dem Weg räumen können.“

„Wucht“-Schokolade mit Zimt kommt im Advent

Ein faires Produkt, die „Wentorfer Bohne“, gibt es bereits einige Monate zu kaufen. Dabei handelt es sich um Kaffee von „El Rojito“, der neben einem Bio-Siegel auch das von Fairtrade tragen darf. Ende des Jahres kommt – angepasst an die Weihnachtszeit – die erste „Wentorfer Wucht“ in den Handel. Eine handgeschöpfte Schokolade mit Zimt. Weitere Geschmacksrichtungen könnten folgen. „Das entscheidet aber der Konsument. Bis zu
25 Sorten sind möglich. Alle sind ganz besonders und sowohl bio als auch fairtrade“, erklärte Daniela Snijders. Zum ersten Mal wird die Schokolade beim Wentorfer Weihnachtsmarkt am ersten Adventswochenende erhältlich sein. Der 70-Gramm-Block kostet etwa 3,50 Euro.

Das Fairtrade gerade Kindern und Jugendlichen zugute kommt, wurde im Festakt deutlich: „Kinder, die in der Kakaoernte eingesetzt sind, haben noch nie Schokolade gegessen. Das sollte uns zu denken geben“, sagte Daniela Snijders. Siebtklässler der Gesamtschule gingen beim Festakt mit gutem Beispiel voran: Sie gaben mit fairen Zutaten hergestellten Kuchen aus. Das Orchester des Gymnasiums spielte mehrere Lieder – ohnehin beteiligen sich alle Wentorfer Schulen am Fairtrade-Bewusstsein.