Gutachten

Schulzentrum: Die Asbest-Quelle ist gefunden

Bürgermeister Björn Warmer (li.) und Bauamtsleiter Sven Noetzel zeigen den Teil einer Glasalplatte.

Bürgermeister Björn Warmer (li.) und Bauamtsleiter Sven Noetzel zeigen den Teil einer Glasalplatte.

Foto: Susanne Tamm

Reinbek. Stadt will künftig neben Schulen alle öffentlichen Gebäude kontrollieren lassen.

Reinbek. Eine Asbestfaserkonzentration von 13.000 Fasern pro Kubikmeter – wie eine solch gefährlich hohe Konzentration aus den Fassadenplatten des alten Schulzentrums in die Raumluft gelangen konnte, erläuterte gestern Bauamtsleiter Sven Noetzel. „Auffällig war, dass diese Faserzementplatten im gesamten Gebäude verbaut waren, während die Asbestbelastung nur in einer Hälfte des Ob­-
jekts aufgetreten war“, berichtete er.

Die Gutachter hätten die Räume regelrecht auseinandergenommen, 130-mal wurde die Raumluft gemessen,
43 Staubproben wurden analysiert, alle Baustoffe einzeln untersucht: Spachtelmasse, Estrich, Fensterversiegelung, schließlich auch die Fassadenplatten. Nachdem sie die Glasalplatten von Eternit entnommen und den übrigen Raum komplett gereinigt hatten, war in der Raumluft keine Asbestfasern mehr zu finden. „Die Quelle der Belastung war somit eindeutig“, sagt Noetzel.

Bei starkem Wind aneinander gerieben

Die Paneele bestehen aus einem Styroporkern, auf den von beiden Seiten Faserzementplatten geklebt wurden. Diese Glasalplatten wurden von den gleichen Aluminiumrahmen gehalten wie die Fensterscheiben darüber. Allerdings waren sie nicht versiegelt. Laut Noetzel war dies zur Bauzeit zwischen 1974 und 1976 auch nicht unbedingt üblich.

Während die Paneele des zweiten Bauabschnitts doppelseitig beschichtet waren, fehlte bei den Platten, die gleich nach 1974 verbaut worden waren, eine Beschichtung. Zudem waren sie in der Alurahmenkonstruktion nicht versiegelt, sodass sie sich bei starkem Wind aneinander und am Metall rieben. „Dadurch rieselte Staub nach unten in den Rahmen und gelangte mit der Zeit auch nach innen in die Luft“, erläuterte Noetzel.

Wann die ersten Fasern in die Innenräume gelangt sind und die Belastung der Lehrer, Schüler und Mitarbeiter begann, lässt sich nicht mehr rekonstruieren. Die vorherigen stichprobenartigen Messungen hätten keine Belastung ergeben. Zufällig sei aber immer in Räumen des zweiten Bauabschnitts gemessen worden – oder aber in denen ohne Glasalplatten.

Schule umgehend informiert

Noch gestern Nachmittag informierte die Stadtverwaltung die Schule über die Quelle der Belastung. Auch mit dem Elternbeirat will sie sich noch treffen. Sie bittet aber auch ehemalige Mitarbeiter, Lehrer und Schüler, sich im Rathaus zu melden.

Ob die Paneele aus dem ersten Bauabschnitt ein Fehlprodukt oder die des zweiten Abschnitts eine Weiterentwicklung des Produkts waren, ist nicht bekannt. „Eine Veränderung des Produkts ist beim Hersteller nicht dokumentiert worden“, sagt Bürgermeister Björn Warmer. Von einem Baufehler mag Sven Noetzel nicht sprechen: „Das war damals so genehmigt.“

In den anderen Reinbeker Schulen konnte keine Belastung festgestellt werden. Warmer kündigte an, dass Reinbek von nun an alle fünf Jahre ein Schadstoffkataster für zunächst alle Schulen, später für alle öffentlichen Gebäude neu erstellen lassen will.

Derzeit werden die Schüler in Containern nördlich vom alten Standort unterrichtet. Die Schule wird bis auf den Rohbau entkernt und bis 2022 komplett saniert – allerdings aus energetischen Gründen, wie Noetzel unterstrich.
27 Millionen Euro hat die Politik dafür bereit gestellt, hinzu kommen die Ausstattung und die Außenanlagen.