Stipendiaten

Roger-Willemsen-Stiftung: Arbeiten in der Traumvilla

Die Stipendiaten Claire Walka und Anselm Neft genießen zwar das Ambiente der Roger-Willemsen-Villa – hier eine der beiden Bibliotheken –, suchen aber vor allem die Abgeschiedenheit, um in Ruhe arbeiten zu können.

Die Stipendiaten Claire Walka und Anselm Neft genießen zwar das Ambiente der Roger-Willemsen-Villa – hier eine der beiden Bibliotheken –, suchen aber vor allem die Abgeschiedenheit, um in Ruhe arbeiten zu können.

Foto: Susanne Tamm

Wentorf. In dem Haus der Roger-Willemsen-Stiftung schreiben Claire Walka und Anselm Neft an ihren Romanen.

Wentorf. Claire Walka und Anselm Neft sind sich einig: Es wäre zu schön, wenn sie länger als vier Wochen in der Villa der Roger-Willemsen-Stiftung bleiben könnten. Wer sie besucht, versteht die beiden aktuellen Stipendiaten der Stiftung sofort: Das Künstlerhaus des mare-Verlags und seine Lage direkt am Mühlenteich sind ein Traum. Das man dort Inspiration und Ruhe zum Schreiben finden kann, leuchtet jedem Besucher ein – auch ohne künstlerische Ader.

Autoren arbeiten an ihren Romanen

Doch Autoren – wie diese beiden Stipendiaten – geht es nicht allein um das Ambiente: „Hier habe ich ein riesiges Arbeitszimmer und ein Schlafzimmer. Das ist bei mir zu Hause anders und schon lästig“, erzählt Anselm Neft, der bereits einen Roman („Die bessere Geschichte“, Rowohlt) veröffentlicht hat.

„Hier ist es leichter als in Hamburg, ein Projekt zu verfolgen“, sagt auch Claire Walka. Die 41-Jährige hat zwar ein eigenes Arbeitszimmer, dafür hat sie ihr Wohn- und ihr Schlafzimmer zusammengelegt, aber trotzdem fällt es ihr dort manchmal schwer, sich auf die Struktur ihres geplanten Romans zu konzentrieren. „In der Stadt wird man doch immer wieder abgelenkt und herausgerissen“, erzählt sie.

Sie will eine Art Road-Movie schreiben, in der der Pro­tagonist eine Software
für Badezimmergestaltungen verkauft. Ein Unfall auf der Autobahn wirft ihn eines Tages aus der Bahn. Claire Walka trägt sich schon länger mit diesem Stoff herum. „Ich hoffe, dass das Gerüst nach den vier Wochen steht und das ich weit komme“, erzählt sie.

Anselm Neft hat sich vorgenommen, während der vier Wochen, 50 bis 100 Seiten seines neuen Romans niederzuschreiben. „Das ist eine Bruder-Schwester-Geschichte, in der es um die Weitergabe von Kriegstraumata geht“, verrät er. Die erste Woche habe er allerdings damit verbracht, gemeinsam mit einem befreundeten Regisseur das Drehbuchkonzept für eine Miniserie zu schreiben. „Wir versuchen jetzt, eine Filmfirma dafür zu begeistern.“

„Vergesst das politische Kabarett nicht!“

Für die Roger-Willemsen-Stiftung spielt es keine Rolle, ob ihre Stipendiaten während ihres Aufenthalts am Mühlenteich ein Projekt umsetzen oder nicht. „Die Künstler sind hier vollkommen frei“, erklärt Julia Wittgens, Vorstand der Stiftung. In diesem Sommer arbeitet die Stiftung erstmals mit der Hamburger Kulturbehörde zusammen. Die Autoren wie die Dritte im Bunde, die bildende Künstlerin Suse Itzel, können vier Wochen lang in der Wentorfer Villa leben und arbeiten. Sie er­halten in dieser Zeit jeweils 1000 Euro.

Das Kuratorium der Willemsen-Stiftung hat das Trio aus rund 30 Bewerbungen ausgewählt. Das Stipendium läuft unter dem Titel „Sommerresidenz“. Zurzeit wird über eine Neuauflage des gemeinsamen Projekts für das kommende Jahr nachgedacht.

Die Stiftung selbst lädt auch eigene Stipendiaten aller Kunstgattungen – und aus aller Welt ein: bildende Kunst, Literatur, Film, Performances, Musik und Komposition sowie politisches Kabarett. „Daran hat Roger Willemsen selbst noch erinnert: ,Vergesst das politische Kabarett nicht!’“, erzählt Julia Wittgens bei einem Rundgang durch das Haus.

Die Idee, Willemsens Villa als Künstlerhaus zu erhalten, entstand im Freundeskreis wenige Tage vor dessen Tod im Jahr 2016. Die Realisierung ermöglichte Nikolaus Gelpke mit dem mare-Verlag durch die Gründung der Stiftung.

Betreut werden die Stipendiaten von Annette Schiedeck. Sie ist Goldschmiedin, Schauspielerin, Kuratoriumsmitglied der Stiftung und war eine enge Freundin Roger Willemsens. Er hat seine Villa selbst noch so eingerichtet, wie sie den Künstlern heute ein Zuhause auf Zeit bietet. Weitere Förderer für die Stipendien sind der Stiftung willkommen.