Enge Belegungen

Reinbek braucht weitere Flüchtlingsunterkunft

In der Kritik: Reinbeks Ordnungsamtschef Torsten Christ zeigt die Flüchtlingsunterkunft Senefelder Ring

In der Kritik: Reinbeks Ordnungsamtschef Torsten Christ zeigt die Flüchtlingsunterkunft Senefelder Ring

Foto: Susanne Tamm

Reinbek. Nach hohen Kosten durch Schäden in Flüchtlingsunterkünften und -wohnungen will die Stadt die enge Belegung nun verhindern.

Reinbek. Innerhalb von vier Jahren waren in einem Drittel der 50 für Flüchtlinge zur Verfügung gestellten Wohnungen und Unterkünften Schäden in Höhe von 528.000 Euro entstanden. Bürgermeister Björn Warmer hatte daraufhin eine Untersuchung in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse berichtet Torsten Christ, Leiter des Amtes für Bürgerangelegenheiten, heute um 19.30 Uhr in der Sitzung des Sozial- und Schulausschusses bei der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit, Völkers Park 8.

165 Euro Schaden pro Person und pro Jahr

Die 528.000 Euro, die für Renovierungsarbeiten aufgewendet werden mussten, gehen zurück auf 900 einzelne Vorfälle seit 2015. „Rund 296.000 Euro sind nicht als Folge individuellen Verhaltens einzuordnen. Sie entstanden unter anderem durch defekte Heizungsanlagen, geplatzte Rohre, tropfende Wasserhähne, Materialermüdung in den Unterkünften“, weiß Torsten Christ. Es bleiben 172 Fälle von Beschädigungen mit einer Schadenssumme von 232.000 Euro. „Diese Summe verteilt sich auf insgesamt 700 Flüchtlinge, die im Schnitt zwei Jahre in den Unterkünften lebten. Rechnerisch ergibt sich ein Betrag in Höhe von 165 Euro pro Person und Jahr“, sagt Christ.

Um die Bereitschaft privater Vermieter zu erhalten, der Stadt Wohnungen zur Verfügung zu stellen, beseitige sie regelmäßig alle Schäden. Doch in Zukunft sollen hohe Kosten möglichst verhindert werden. Dafür stellte die Stadt Personal ein. Nach Kündigung des Vertrags zur Betreuung der Flüchtlinge durch die Awo zum Ende des vergangenen Jahres kümmern sich nun angestellte Sozialpädagogen sowie ein Sprachmittler um die derzeit 332 Flüchtlinge. „Eine Stelle ist noch ausgeschrieben für eine ordnungsrechtliche Tätigkeit“, sagt Christ.

Schäden hauptsächlich in größeren Unterkünften

Die Mitarbeiter sollen helfen, Geflüchtete schneller in normalen Wohnraum zu vermitteln, Krisenintervention zwischen Parteien übernehmen und die Bewohner im Umgang mit der Einrichtung belehren. Die Stadt habe bereits die „Zügel angezogen“: Jede Sachbeschädigung werde bei der Polizei angezeigt, Zwangsgelder wurden verhängt.

Auffällig sei es laut Torsten Christ, dass Schäden hauptsächlich in größeren Unterkünften auftraten. „Als besonders problematisch erwiesen sich Unterkünfte, deren Bewohner unterschiedlichen Ethnien zuzuordnen waren.“ Wo es Probleme gegeben habe, sollen die Geflüchteten nun getrennt voneinander untergebracht werden. Privat vermietete Wohnungen sollen zudem nur noch an Familien vergeben werden, die sich bisher als „unproblematisch“ erwiesen hätten.

50 weitere Flüchtlinge in 2020

„Grundsätzlich ist zu erkennen, dass der Mangel an Wohnraum und damit einhergehend die zunehmende Verdichtung in größeren Unterkünften zu den beschriebenen Problemen führt. Die Anwerbung weiteren Wohnraums sollte daher mit Nachdruck betrieben werden“, sagt Christ. Er geht davon aus, dass eine weitere Unterkunft geschaffen werden muss und bereitet einen entsprechenden Antrag an die Politik vor. Pro Woche weist der Kreis der Stadt durchschnittlich einen Flüchtling zu. In 2020 sind somit voraussichtlich weitere 50 Flüchtlinge unterzubringen.