Dorfstraße

Ein historisches Stück Wohltorf fehlt

Ein Schuttberg ist alles, was von dem historischen Haus in der Dorfstraße übrig ist.

Ein Schuttberg ist alles, was von dem historischen Haus in der Dorfstraße übrig ist.

Foto: Stephanie Rutke / BGZ

Wohltorf. Otto Diehn (90) kennt die Geschichte der Häuser im Dorfkern.

Wohltorf. Zwei Monate ist es her, seit das Haus in der Dorfstraße 12 nach einer Gasexplosion und dem anschließenden Brand komplett zerstört wurde. Bis heute liegt auf dem Grundstück ein Trümmerberg, einzelne Haushaltsgegenstände, CDs und Bücher ragen aus dem Schutt. Das Grundstück ist mit Flatterband abgesperrt und darf nicht betreten werden.

Nach der Zerstörung des Hauses fehlt jetzt im Ensemble rund um den Dorfteich ein Stück der Ortsgeschichte. Gegenüber am Dorfteich steht das Thies’sche Haus, 1867 erbaut und damit das älteste datierbare Gebäude der Gemeinde. Hier tagt die Gemeindevertretung, im Obergeschoß haben das DRK Wohltorf und die Gemeindebücherei ihre Räume. Zum gesamten Ensemble gehören außerdem die Bauernhöfe.

Ein Wohltorfer, der sich mit der Geschichte der Gemeinde gut auskennt, ist Otto Diehn. Der 90-Jährige hat einen Großteil seines Lebens in der Gemeinde verbracht. Er hat zum 700. Dorfjubiläum im Jahr 2008 an der Vorbereitung einer Ausstellung zur Geschichte Wohltorfs mitgewirkt und gehört zu den Autoren des Buches „Heimat Wohltorf“, das 2001 erschienen ist.

Bilder im Wohltorfbuch

Im Wohltorfbuch gibt es zwei Bilder des zerstörten Hauses, das 1895 gebaut wurde. Es ist damit älter als viele der historischen Villen, die um 1900 als Sommerresidenzen der Hamburger Kaufleute in Wohltorf und Aumühle entstanden waren. Eins der Bilder zeigt das Gebäude Dorfstraße 12 auf einem historischen Foto, das zweite ist aktuell und zeigt, wie das Haus bis zum 23. Mai 2019 aussah. Es entsprach bis zum Schluss im Wesentlichen der ursprünglichen Bauweise und ist kaum verändert worden.

„Ich wurde 1928 in der ehemaligen Dorfschule hier in der Dorfstraße geboren“, erzählt Otto Diehn. Sein Vater war 1920 als Lehrer aus Mecklenburg nach Wohltorf gekommen, um hier die Kinder in der Dorfschule zu unterrichten.

Otto Diehn hat seine Kindheit in Wohltorf verbracht und hat viele schöne Erinnerungen an die Zeit. Bis heute stehen einige der historischen Gebäude in der Dorfstraße, darunter auch die ehemalige Schule, die jetzt als Wohnhaus genutzt wird. „Mein Freund Erich Möller hat in einer der Katen auf dem Hof Ahrens gewohnt, die es heute nicht mehr gibt“ erinnert sich Diehn.

Häuser waren von Handwerkern bewohnt

Er ist oft zu Erich gegangen, um ihn zum Spielen abzuholen. „Damals wohnten in den Häusern in der Dorfstraße die Handwerker, die am Aufbau der Villenkolonie in Aumühle und Wohltorf mitwirkten“, sagt er. Im Gegensatz zu den einfachen Katen waren die Häuser, zu denen auch das zerstörte Gebäude gehörte, schon deutlich gehobenere Unterkünfte.

„Das Haus Dorfstraße 12 wurde 1895 von Franz H.A. Brandt gebaut“, so Diehn. Dessen Sohn Karl kannte er persönlich. Und weil die Mutter seines Freundes Erich später Karl Brandt geheiratet hat, zog Erich in die Dorfstraße 12 und Otto Diehn hat seinen Freund dort oft besucht.

Was jetzt mit der Brandruine passiert, ist ungewiss. Mitarbeiter der Abfallbehörde des Kreises haben sich das Grundstück angesehen und auch die Bauaufsicht prüft, ob Gefahren von dem Objekt ausgehen. „Ein bauaufsichtliches Einschreiten scheint anhand der Bilder nicht notwendig zu sein“, sagt Tobias Frohnert, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg.

Genauere Untersuchungen vor der Entsorgung

Die Abfallbehörde sei zu dem Schluss gekommen, dass von der abgelagerten mineralischen Bausubstanz – Mauersteine, Dachziegel, Betonfundament –, dem nicht angebrannten Altholz sowie Brandresten aus Metall keine besondere Gefahr ausgehe. Vereinzelt müssen vor der Entsorgung genauere Untersuchungen einzelner Baustoffe durchgeführt werden, um abzuklären, ob zum Beispiel Asbest verbaut worden war.

Die Abfallbehörde versucht jetzt, Kontakt zu einer Ansprechperson herzustellen, um die geplante Entsorgung abzusprechen und gegebenenfalls Empfehlungen auszusprechen, erläutert Frohnert. Das Grundstück darf nicht betreten werden.