Danziger Straße

Hunde halten Mieter in Wentorf nächtelang wach

Tanja Neisecke (li.) und ihre Nachbarin Helga Steffens ertragen seit fünf Monaten eine Lärmbelästigung durch drei Hunde im Dachgeschoss.

Tanja Neisecke (li.) und ihre Nachbarin Helga Steffens ertragen seit fünf Monaten eine Lärmbelästigung durch drei Hunde im Dachgeschoss.

Foto: Ann-Kathrin Schweers / BGZ

Wentorf. Die Bewohner der Danziger Straße müssen seit Monaten mit massiven Lärmbelästigungen durch drei große Hunde leben.

Wentorf.  Wenn die drei Hunde im Dachgeschoss der Danziger Straße 7 a bellen, dann gehen selbst die Lichter in den umliegenden Häusern an – die halbe Nachbarschaft bleibt schlaflos. Bald nach dem Einzug der Mieterin im Februar begannen die Ruhestörungen. Da sich seitdem nichts tut, Probleme vielmehr schlimmer werden, liegen die Nerven mancher Anwohner blank. Die Polizei in Wentorf sieht Ordnungsamt und Vermieter in der Verantwortung: Im Achtparteienhaus ist nur ein Hund geduldet.

Die aktuelle Lage in der Danziger Straße fasst Tanja Neisecke (32) zusammen, die im ersten Stock wohnt: „Die Frau arbeitet nachts und lässt die Hunde bis zu 14 Stunden alleine und die Fenster offen. Da fangen die Tiere an zu bellen.“ Trotz Lärm tun ihr die Hunde leid. Doch Gespräche mit der Frau seien sinnlos. Die Anwohner berichten von Beleidigungen, Spott und Ignoranz.

Hunde bis zu 14 Stunden alleine gelassen

Die vergangenen zwei Wochen sei es besonders schlimm gewesen. Fünf Tage hielten Husky, Dobermann und Mischling die Nachbarschaft wach. „Ich konnte alle fünf Nächte nicht schlafen. Ich kann einfach nicht mehr“, sagt Helga Steffens (71), die im zweiten Stock wohnt.

Doch das sei nicht alles: Die Mieterin würde auch öfters die Tür ihrer Wohnung öffnen und den Hunden freien Lauf lassen – im Hausflur. „Und ihr Dobermann ist nie angeleint“, sagt Neisecke. Bewohner horchen aus Angst vor den Hunden oft zuerst, bevor sie hinaustreten. Wohnungstüren beim Herauftragen der Einkäufe einen Spalt offen stehen lassen? Das geht nicht mehr. „Bei uns war die Tür kurz angelehnt und auf einmal waren drei Hunde in der Wohnung. Mein fünfjähriger Sohn Daniele hatte auf dem Boden gespielt und war dann ganz verängstigt“, sagt Neisecke.

Anwohner fordern, dass etwas passiert

Auch Haarbüschel, die sich auf den Etagen des Mehrparteienhauses verteilen, sowie Urinpfützen und der daraus resultierende Geruch bereiten den Anwohnern Sorge. „Die Hunde pinkeln in den Hausflur, weil sie nicht oft genug Gassi geht“, erklärt Neisecke. Das alles sei Grund genug, Vermieter und Ordnungsamt zum Handeln zu bewegen. Seit Februar würden die Bewohner ihr Glück über die verschiedenen Kanäle versuchen – bei der Gemeindeverwaltung, dem Vermieter und der Polizei. Tanja Neisecke führt seit Ende März ein detailliertes Lärmprotokoll, das Einträge von mehr als 30 Tagen beinhaltet.

Die Rückmeldungen von Verwaltung sowie Vermieter: „Wir kümmern uns.“ Doch die Familien berichten, sich nicht ernst genommen zu fühlen und wünschen sich Aktion. „Auch die Polizei kommt nicht mehr, da die Frau nie da ist oder die Tür nicht aufmacht“, sagt Tanja Neisecke. Der Polizei in Wentorf sind die Probleme bekannt. Zwei Mal waren Beamte in den vergangenen zwei Wochen vor Ort, trafen die Frau jedoch nicht an. Zwei Ordnungswidrigkeiten aufgrund von Lärmbelästigung durch Hunde zeigten sie bei der Gemeinde an. „Auch wir haben sie mehrfach versucht, sie telefonisch zu erreichen und haben sie aufgefordert, nach ihren Hunden zu schauen. Doch das ist auf Dauer keine Lösung“, sagt ein Beamter der Dienststelle.

Bußgeldbescheide wurden verschickt

Nun läge es an der Gemeindeverwaltung, oder eben dem Vermieter zu handeln, so die Polizei Wentorf. Die Verwaltung habe bereits Schreiben gesendet und die Mieterin zur Zahlung von Bußgelde aufgefordert, wie Tanja Neisecke weiß. Sascha Kröger vom Ordnungsamt Wentorf sagt dazu: „Zu laufenden Verwaltungsverfahren dürfen wir keine Auskunft geben.“

Der Vermieter, Glunz Immobilien aus Bergedorf, schaltete unterdessen einen Anwalt ein, wie Mitarbeiterin Anke Schramm-Kreutzer bestätigt. Es laufe eine Räumungsklage. „Die Frau ist mit einem Hund eingezogen, das haben wir geduldet“, sagt Schramm-Kreutzer. Doch kurz darauf habe sie mitgeteilt, sie habe zwei Hunde ihrer Mutter aufgenommen, da diese sich nun in Pflege befände. Schramm-Kreutzer verweist auf die schwierige rechtliche Lage. „Wir können nicht einfach hinfahren und sie an den Haaren aus der Wohnung ziehen.“ Doch laut Glunz Immobilien habe die Frau angekündigt, Mitte Juli auszuziehen. Die Mieterin selbst war Freitag für eine Stellungnahme nicht zu erreichen.

Schiedspersonen helfen bei Nachbarschaftsstreit

Bei Nachbarschaftsstreitigkeiten helfen auch die ehrenamtlichen Schiedspersonen der Gemeinden. Irmtraud Bentz ist eine von zwei Schiedsfrauen in Reinbek und weiß, dass Fälle wie dieser nicht selten sind. Bis zu 30 Anliegen erreichen sie im Jahr. „Die Erfolgsquote liegt bei 70 bis 80 Prozent“, sagt die gelernte Kauffrau. Entweder allein oder als Zusammenschluss mehrer Nachbarn melden sich Betroffene bei Schiedspersonen. Bei gemeinsamen Treffen wird meist ein Kompromiss getroffen. „Dieser wird unterzeichnet, ist 30 Jahre gültig. Bei Nichteinhaltung kann das Amtsgericht eingeschaltet werden, sorgt für die Durchsetzung.“

50 bis 80 Euro zahlen Antragsteller, bei Nichterfolg weniger. Eine geringe Summe im Gegensatz zu den Kosten für einen Rechtsanwalt. Ein Vorgespräch ist kostenfrei. Schiedspersonen der Kommunen sind online zu finden unter www.bds-luebeck.de.