Überraschende Kündigung

Zukunft der Pastorenstelle in Aumühle ist ungewiss

Die evangelisch-lutherische Bismarck-Gedächtnis-Kirche ist an der Börnsener Straße in Aumühle gelegen.

Die evangelisch-lutherische Bismarck-Gedächtnis-Kirche ist an der Börnsener Straße in Aumühle gelegen.

Foto: BGZ

Aumühle. Nach der Kündigung von Pastorin Johanna Thode zum 1. August ist eine Nachbesetzung der Stelle für Aumühle unsicher.

Aumühle.  Auf die Kirchengemeinde Aumühle kommen Änderungen zu: Pastorin Johanna Thode verlässt die Gemeinde nach sieben Jahren. Das stellt den Kirchengemeinderat nun vor ein großes Problem: Die Pastorenstelle muss bis zum 1. Januar 2020 neu besetzt sein, ist allerdings – auf Weisung des Kirchenkreises – seit 2017 nur noch eine Dreiviertelstelle. Das wollen die engagierten Mitglieder des Aumühler Kirchengemeinderates nicht akzeptieren – sie planen, einen Fonds einzurichten, um das fehlende Viertel zu finanzieren.

„Die Kündigung von Pastorin Johanna Thode kam für uns sehr überraschend“, sagt Beatrix Jenckel, Vorsitzende des Aumühler Kirchengemeinderates (KGR). Sieben Jahre lang war Johanna Thode (42) als Pastorin für rund 1500 Gemeindemitglieder in Aumühle zuständig. Die ersten drei Jahre als Pastorin zur Anstellung auf einer halben Stelle, dann als Vollzeitpastorin. Es sind persönliche Gründe, die sie zu ihrer Entscheidung gebracht haben, Aumühle zu verlassen. Sie übernimmt die Pastorenstelle in der St.-Lukas-Gemeinde in Hamburg-Fuhlsbüttel.

Mehr Stellen als Bewerber

Die Aumühler Pastorenstelle ist bereits seit 2017 auf eine Dreiviertelstelle reduziert. „Johanna Thode hat aber ein volles Gehalt erhalten und natürlich auch Vollzeit gearbeitet“, so Jenckel. Der Kirchenkreis übernahm die Kosten bisher noch. Für eine Neuanstellung wird jedoch die Reduzierung auf eine Dreivier-telstelle greifen.

Eine weitere Schwierigkeit, die bald vakante Stelle in Aumühle neu zu besetzen, besteht darin, dass es generell nicht mehr genügend Pastoren gibt. „In der Nordkirche sind aktuell so viele Stellen frei, dass sich die Bewerber aussuchen können, wo sie arbeiten möchten“, erklärt Aumühles KGR-Vorsitzende.

Mitgliederzahlen und Einnahmen gehen zurück

Das wird sich aber durch eine Vorgabe des Kirchenkreises ab 1. Januar 2020 ändern: Dann dürfen Pastoren nur noch innerhalb des Kirchenkreises die Stelle wechseln. Deshalb sei die Kündigung Thodes jetzt auch ihre letzte Möglichkeit, nach Hamburg zu wechseln, so Jenckel.

Die Nordkirche befindet sich im Umbruch. Die Mitgliederzahlen und damit auch die Einnahmen aus der Kirchensteuer gehen deutlich zurück. Die von der Evangelischen Kirche Deutschland und der Deutschen Bischofskonferenz Anfang Mai veröffentlichte Studie „Kirche im Umbruch – Projektion 2060“ belegt diese Entwicklung.

Reduzierung der Pastorenstellen im Kirchenkreis

Das betrifft natürlich auch die Sachsenwaldgemeinden. Der Kirchenkreis hat für sie einen neuen Pfarrstellenplan aufgelegt, der ebenfalls ab 1. Januar 2020 gilt. Für die Kirchengemeinden bedeutet das, eine auf weite Sicht geplante Reduzierung von bisher sieben auf nur noch vier aktive Pfarrstellen. Mit der Kündigung Johanna Thodes könnte damit die Aumühler Pastorenstelle die erste sein, die zur Disposition steht.

Um besser auf geplante Veränderungen reagieren zu können, haben sich sieben Kirchengemeinden zusammengetan und den „Regionalisierungsausschuss Sachsenwaldregion“ gegründet. Dazu gehören Aumühle, Börnsen, Brunstorf, Hohenhorn, Dassendorf, Wentorf und Wohltorf.

Kampf um eine Nachbesetzung

Pröbstin Frauke Eiben hat am 17. Mai an der Gemeindeversammlung in Aumühle teilgenommen und die Gründe für die geplanten Reduzierungen erklärt. „Wir wollen das nicht einfach hinnehmen, deshalb schreiben wir die Pastorenstelle neu aus“, erklärt Jenckel.

Die Ausschreibung wird sogar variabel gehalten. Entweder als Dreiviertel- oder sogar nur als halbe Stelle. „Das passt zum Beispiel zu Ehepaaren oder zu Pastoren, die gerade in der Promotion stecken“, lautet die Erklärung. Verbunden damit ist die Hoffnung, schnell einen geeigneten Bewerber zu finden.

Aufstockung des Gehaltes durch Fonds

Die Mitglieder der sehr aktiven und engagierten Aumühler Kirchengemeinde stehen außerdem voll hinter der Idee, das fehlende Viertel an Gehalt aus einem Fonds zu finanzieren. Voraussetzung dafür sei allerdings die Zustimmung des Kirchenkreises, so Beatrix Jenckel. Und der sieht das eher kritisch: Gemeinden, die nicht so solvent sind wie die Aumühler, haben diese Möglichkeit nicht. „Wir empfinden es aber als solidarisch mit dem neuen Pastor oder der Pastorin, eine volle Stelle zu garantieren“, verteidigt Jenckel die Idee.

Als Interimspastor wird zunächst Börnsens ehemaliger Pastor Joachim Kurberg (63) die Gemeinde Aumühle übernehmen. Er ist als Vertretungspastor im Einsatz in Ratzeburg und Tesperhude.