Villa Ihnen

Auf den Spuren von Klein-Sanssouci

Das historische Foto zeigt die Ansicht der Villa vermutlich um 1923. Es wird berichtet, dass diese Ansicht während der Hochzeit von Werner Ihnen als Tischkarte gedient hat.

Das historische Foto zeigt die Ansicht der Villa vermutlich um 1923. Es wird berichtet, dass diese Ansicht während der Hochzeit von Werner Ihnen als Tischkarte gedient hat.

Foto: Hamann / Reinbek in alten Ansichten

Reinbek. Museumsverein erwirbt historisches Dokument über herrschaftliche Hochzeit im Villenviertel. Anwohnerin (86) erinnert sich an das Anwesen.

Reinbek.  Getanzt wurde auf der Hochzeit von Werner Ihnen und Thora Walther offenbar nicht. Das Programm vom 7. Juni 1923 listet die Musikfolge auf: der Hochzeitsmarsch aus dem Sommernachtstraum, ein Potpourri aus Butterfly von Puccini, ein Walzer aus dem Rosenkavalier von Strauß, die Ou­vertüre aus Verdis Carmen und schließlich der Feuerzauber von Wagner. Vermutlich lauschte die Festgesellschaft den Klängen im Musikzimmer mit dem großen hellen Flügel, gleich rechts neben der Großen Halle.

Gegenüber der Musikliste ist – abgetrennt mit einer goldfarbenen Seidenkordel und gedruckt auf mittlerweile fleckigem Büttenpapier – die noch längere Speisenfolge nebst passenden Weinen zu lesen, darunter Seezungen-Filets mit Champignons, junge Hamburger Gans mit französischem Kartoffelsalat, frischer Stangenspargel mit Butter und Lammrücken mit frischem Gemüsen.

Sammler-Kontakt über das Internet

Das Dokument hat die Vorsitzende Gisela Manzel über eine Anfrage an ihren Museumsverein entdeckt und schließlich für 40 Euro erstanden. „Ein Sammler hatte das Hochzeitsprogramm in Polen aufgekauft und war auf der Online-Suche nach ,Schönningstedt’ auf unserer Webseite gelandet“, erzählt Gisela Manzel. Sie konnte ihm berichten, dass das damalige eigenständige Dorf Schönningstedt heute ein Reinbeker Stadteil ist.
Außerdem komplettiert das Dokument die Informationen, die der Museumsverein über die bereits 1939 abgerissene Villa, bekannt als „Ihnens Klein-Sanssouci“ zusammengetragen hat. So gibt es beispielsweise ein Foto der Hochzeitsgesellschaft und der Gartenansicht der Villa, die als Tischkarte gedient haben soll (siehe oben).

Anwesen auf 15.000 Quadratmetern

Eine andere Aufnahme ihres Entrées zum Park ist auf der Vorderseite des Programms zu sehen, darunter steht kursiv gedruckt: „Hochzeitsfeier – Schönningstedt – 7. Juni 1923“ und in der rechten unteren Ecke handgeschrieben mit Bleistift: „Herr Adolf Kiehn“. Gisela Manzel weiß zu berichten: „Er war der Großvater des Bräutigams und langjähriger Gemeindevorsteher in Reinbek. Seine Tochter Elly war Werner Ihnens Mutter und bereits 1914 verstorben. Ihr Mann, der Kaufmann und Bauherr der Villa, Bernhard Ihnen, hatte 1919 Gerda Winter geheiratet.“

Das etwa 15.000 Quadratmeter große Grundstück erwarb Bernhard Ihnen 1912 vom Generalkonsul Johann Wilhelm Kück. Ihnen ließ dort eine herrschaftliche Villa mit Seitenflügeln, einer zentralen Rotunde, Tennisplatz, Reitbahn, Nebengebäuden und Pavillons im Park errichten.

1939 ist die Villa abgerissen worden

Heute sind nur noch das Gartenhaus, die Remise und zwei Gartenpavillons an der Bernhard-Ihnen-Straße erhalten. Einer von ihnen steht noch im Garten der Familie Rieß. „Mein Mann Edgar hat ihn allerdings für uns umgebaut, damit ich mit unseren Kindern im Sommer dort übernachten kann“, erzählt die 86-Jährige. Sie ist an der Straße aufgewachsen und ist als Kind mit ihren Geschwistern im leerstehenden Park herumgestromert. „Wir sind auch in der leeren Villa herumspaziert und haben dort einen alten Schulranzen gefunden, der uns sehr fasziniert hat“, erzählt Hildegard Rieß. „In unserer Fantasie hat der immer Werner Ihnen gehört.“ Sechs Jahre alt sei sie damals gewesen.

„1939 ist die Villa abgerissen worden“, sagt sie. Bernhard Ihnens zweite Ehe war zerbrochen, daher war er 1929 nach Hamburg an die Klopstockstraße gezogen. Auch sein Sohn Werner, dessen Frau und die beiden Enkel verließen „Klein-Sanssouci“. Das Anwesen wurde zwischen 1933 und 1935 parzelliert und verkauft.