Senior Experten Service

Ihre Erfahrung ist in Tansania gefragt

Im Nkoaranga Lutheran Hospital nahe dem URRC werden Klumpfüße, wie der dieses achtjährigen Jungen operiert.

Im Nkoaranga Lutheran Hospital nahe dem URRC werden Klumpfüße, wie der dieses achtjährigen Jungen operiert.

Foto: Privat

Die pensionierte Physiotherapeutin Mechthild Bavendamm (76) war nach Einsätzen in China nun in Tansania, um dort ein Reha-Zentrum zu unterstützen.

Reinbek.  Mechthild Bavendamm ist Wiederholungstäterin. Die pensionierte Physiotherapeutin ist der Hilfsorganisation Senior Experte Service (SES) verbunden und war just für fünf Wochen in Tansania, um dortige Physiotherapeuten an ihrer Berufserfahrung teilhaben zu lassen. „Von SES bin ich begeistert. Ich kann nur jedem raten, gehen Sie ins Landesbüro und melden Sie sich“, sagt sie mit Überzeugung. Weil sie der Organisation, die Hilfe zur Selbsthilfe bietet, vertraut, hat sie nach zwei Einsätzen in China nun den afrikanischen Kontinent für sich erobert.

Im URRC werden Behinderte Jugendliche gefördert

Los ging es am 31. Januar – aus dem frostigen Hamburg über Amsterdam ins 30 Grad warme Tansania. Im Osten des Landes in Sichtweite des Kilimandscharo, zwischen Arusha und Moshi, liegt das Usa Ri-
ver Rehabilitation Center (URRC). Unter Trägerschaft der Ev. Church Tansania werden hier in dörflicher Struktur etwa 86 Jugendliche im Alter von 15 bis 20 Jahren mit körperlichen und teils auch geistigen Behinderungen betreut, gefördert und ausgebildet. Natürlich werden Kinder mit Missbildungen auch ambulant behandelt.

„Auf dem Land werden die Kleinen mit Missbildungen schnell als mit Hexerei oder einem Fluch belegt angesehen. Sie werden nicht so versorgt, sind eher eine Belastung und werden manchmal auch getötet. Um diese Kinder kümmert man sich im URRC“, erläutert Mechthild Bavendamm. Es gebe in der Region eine Häufung zum Beispiel von Fehlbildungen. „Die Kinder haben häufig Klumpfüße. Man weiß nicht, wieso es diese Häufung gibt.“

Ein Massai ist Physiotherapeut

Gemeinsam mit zwei jungen Däninnen, die über „Weltwärts“ in Afrika waren, und ihrem jungen tansanischen Kollegen Ole hat sie viele Patienten behandelt. „Ole ist eine Erscheinung. Er ist ein stolzer Massai. Elegant und charmant. Er ist in Tansania zum Physiotherapeuten ausgebildet worden. Das heißt, dass er sich in der Anatomie gut auskennt. Aber kulturell bedingt, gibt es dort keine praktische Ausbildung am Patienten“, beschreibt sie ein Problem. „Man fasst sich nicht gern an in Tansania. Dabei ist das Hand anlegen unser Kerngeschäft“, sagt sie.

Es vergehe so viel Zeit mit einem Palaver, in dem das Problem umzingelt und sehr vorsichtig benannt werde. „Wir haben Ole eine Uhr empfohlen. Denn er brauchte zu viel Zeit bis er zum Thema kam“, erinnert sich Mechthild Bavendamm. „Die Uhr war eines Tages da“, berichtet sie.

Auch Feuerkinder werden behandelt

Die Reinbekerin hat in den fünf Wochen bei der Behandlung einer Vielfalt von Problemen unterstützt und beraten. „Es gilt bei den sogenannten Feuerkindern, die nach schwersten Verbrennungen, die sie an offenen Feuern erlitten haben, die Narben zu dehnen, weil die sonst für Verkürzungen von Muskeln und Sehnen sorgen“, sagt sie. Es gelte, die kleinen Klumpfüße zu bearbeiten, die danach eingegipst würden. Thema sei auch das angeleitete Trainieren der Muskeln und vieles mehr.

Aber es sei auch darum gegangen, Strukturen zu vermitteln – von Zeitmanagement, dem Einrichten einer Hängeregistratur bis hin zu klaren Ansagen an die Reinigungskräfte. „Es war ganz anders als in China, aber gut. Vielleicht werde ich doch noch einmal für SES dabei sein“, überlegt sie: „Mal sehen.“