Kriminalität

Einbruchsopfer - Der lange Weg zur Entschädigung

Einbruchsopfer Dirk Sänger vor dem Amtsgericht Reinbek. Hier stand er dem Einbrecher gegenüber, der in seinem Haus war.

Einbruchsopfer Dirk Sänger vor dem Amtsgericht Reinbek. Hier stand er dem Einbrecher gegenüber, der in seinem Haus war.

Foto: Susanne Holz

Reinbek. Einbrecher gefasst, verurteilt - und nun? Vom Täter Schadenersatz zu bekommen, ist häufig ein schwieriges Unterfangen.

Reinbek/Aumühle.  Ein Einbruch ist für das Opfer ein einschneidendes Erlebnis. Ein Fremder im geschützten Zuhause – das geht den meisten sehr nah. Einbruchsopfer Dirk Sänger stand dem Täter Monate später im Amtsgericht Reinbek persönlich gegenüber. Der Einbrecher hatte am Tatort so viele Spuren hinterlassen, dass die Polizei ihn fassen konnte. „Im Grunde war das ein armer Tropf, Wut ihm gegenüber habe ich trotz allem keine gespürt“, sagt der 59-Jährige. Dem Ingenieur und Energiemanager wurden unter anderem Computer und eine hochwertige Wärmebildkamera gestohlen.

Geld einfordern: ein irrwitziges Unterfangen

Mit dem Gerichtsprozess wollte der Aumühler das Ganze eigentlich endgültig abschließen. Jetzt aber, Monate später, wird deutlich: So schnell wird das nicht gehen. Denn den Schadenersatz in Höhe von 2000 Euro müsste Sänger nun selbst einfordern.

Ein irrwitziges Unterfangen, wie ihm in diesem konkreten Fall schwant. Denn der Täter ist längst in seine Heimat zurückgekehrt. Er hat eine Bewährungsstrafe von acht Monaten, ausgesetzt auf drei Jahre, bekommen. Er musste Deutschland binnen eines Monats verlassen, seine Schwester will den Schadenersatz zahlen.

Wie aber soll Sänger den nun geltend machen? In einem fremden Land?

„Das geht nur mit anwaltlicher Hilfe“, sagt der Reinbeker Anwalt, Dr. Michael Purrucker. Im Grunde habe Dirk Sänger sogar noch Glück gehabt, betont er. Denn dass ihm überhaupt Schadenersatz zusteht, sei in einem Verfahren ja schon bestätigt worden. Er müsse dafür nicht extra noch mal einen Zivilprozess anstreben. „Wichtig ist aber, dass zuvor mit einem Anwalt geklärt wird, ob es Aussichten auf Erfolg gibt. Wenn sich andeuten würde, dass es wenig Hoffnung gibt, macht man am besten den Aktendeckel zu“, sagt der Reinbeker Anwalt.

Den Opfern nur schwer vermittelbar

Dass ein Einbrecher gefasst wird und trotzdem gefühlt ungeschoren davonkommt, könne man Opfern nur schwer vermitteln, sagt Rita Funke. Sie betreut leitend beim Weißen Ring viele Kriminalitätsopfer. Während einige, wie Dirk Sänger, schnell allein mit einem Einbruch fertig werden, brauchen andere über Wochen und Monate psychologische Hilfe. Für viele Opfer ist ein Freispruch oder eine geringe Bewährungsstrafe ein weiterer Schlag ins Gesicht.

Dirk Sänger ist schon zweimal Opfer eines Einbruchs geworden. Vor Jahren kam ihm ein Dieb im Treppenhaus sogar noch entgegen. Weil die Polizei schnell reagierte, wurde der Täter im Umfeld des Tatorts gefasst. Ein paar Monate später flatterte dem Aumühler Ingenieur aber ein Brief ins Haus. Das Verfahren sei eingestellt worden. „Da versteht man als Geschädigter ehrlich gesagt die Welt nicht mehr“, sagt Sänger.