St. Adolf-Stift

Reinbeker Krankenhaus will die Pflege stärken

Geschafft: Die jungen Pflegekräfte von den Philippinen haben ihre Berufsanerkennungs-Prüfung bestanden.  

Geschafft: Die jungen Pflegekräfte von den Philippinen haben ihre Berufsanerkennungs-Prüfung bestanden.  

Foto: St. Adolf-Stift

Reinbek. Fachkräftemangel im Pflegebereich setzt das St. Adolf-Stift eine eigene Fortbildungsakademie entgegen, stellt zudem Philippiner ein.

Reinbek. In Zeiten des Fachkräftemangels möchte das Krankenhaus St. Adolf-Stift zum Magnet für Pflegekräfte werden und beschreitet dabei neue Wege. Geplant ist ein sogenanntes Pflege-Entwicklungs-Center. Das soll nach Klinikangaben das Selbstbild der Pflegekräfte stärken, die ethische Komponente des Pflegeberufs noch mehr in den Fokus rücken, die Qualität der Pflege weiter verbessern und die Zusammenarbeit mit den Ärzten optimieren.

„Das St. Adolf-Stift wächst seit Jahren. Da brauchen wir auf den Stationen, aber auch im OP und anderen Funktionen immer mehr Personal. Gleichzeitig ist die Konkurrenz um gut ausgebildetes Pflegepersonal beim aktuellen Fachkräftemangel sehr hoch“, sagt Angela Ahrens, die als stellvertretende Pflegedirektorin im Haus für das Personalmanagement zuständig ist. Darum sei die Pflegedirektion im St. Adolf-Stift sehr umtriebig und verlasse ausgetretene Pfade.

St. Adolf-Stift möchte Vorzeige-Krankenhaus werden

Mit dem Center möchte das Haus zum Vorzeige-Krankenhaus werden, neue Pflegekräfte gewinnen und im Haus halten. Das Projekt ist auf vier Jahre angelegt und wird finanziell vom Förderverein des Krankenhauses unterstützt.

Dabei gehe es um weit mehr als die Organisation von Fort- und Weiterbildung, betonen die Verantwortlichen. „Im Pflege-Entwicklungs-Center werden Maßnahmen gebündelt, koordiniert und teilweise auch selbst durchgeführt. Also vom Recruiting, über Bewerbermanagement, Stellenprofile, Einarbeitungskonzepte, Mitarbeitergespräche, Karriereplanung bis hin zur Teamentwicklung“, erklärt Angela Ahrens. Als erster Baustein sind bereits Seminare für Führungskräfte und Nachwuchsführungskräfte gestartet.

Ahrens ist überzeugt, dass durch aktives Führungshandeln und eine gute Mitarbeiterführung die Pflegekräfte direkt profitieren, weil noch besser auf die Bedürfnisse des einzelnen eingegangen werden könne. Und das komme auch den Patienten zugute.

Sechs Pfleger von den Philippinen haben bestanden

Auch sonst geht das St. Adolf-Stift im Pflegebereich neue Wege. Im September hat das Krankenhaus die ersten sechs philippinischen Pflegekräfte eingestellt. Alle wurden in ihrem Heimatland für einen Einsatz im Ausland nach amerikanischem Standard ausgebildet. Alle sprechen, lesen und schreiben schon gut Deutsch.

Gleichzeitig wurde jedem Mitarbeiter ein Mentor oder Praxisanleiter auf seiner Station zur Seite gestellt. Zudem gab es einen Tag pro Woche Theorie-Unterricht, um Pflege nach der deutschen Praxis zu lernen und auf die Berufsannerkennungs-Prüfung vorzubereiten. Alle sechs neuen Mitarbeiter haben bestanden.

Eigene Pflegeschule soll Bedarf decken

Auch wenn die Prüflinge nun offiziell ganz eigenständig als Examinierte arbeiten dürften, werden sie je nach individuellem Stand noch weiter von den Kollegen eng begleitet. Und auch die Sprachkenntnisse werden weiter vertieft. Weitere vier Philippiner, die etwas später kamen, machen ihre Prüfung im April.

„Da wir sehr gute Erfahrungen gemacht haben und der Pflegemarkt einfach leer gefegt ist, kommt eine weitere Gruppe mit drei Männern und drei Frauen Ende März noch mal auf unsere Bettenstationen“, so Ahrens.

Und auch Pflegekräfte für die Intensivstation und Anästhesieabteilung werden in diesem Jahr von den Philippinen eingestellt. Was dem Krankenhaus wichtig ist: Die neuen Mitarbeiter sind keine billigen Arbeitskräfte, sondern werden ganz normal wie ihre Kollegen bezahlt. Mittelfristig soll der Bedarf an Pflegekräften durch eine Aufstockung der Plätze in der Pflegeschule gedeckt werden.

„In dem Moment, wo unsere Pflegeschule zweimal im Jahr Examen macht, können wir vermutlich einen Großteil der zu besetzenden Stellen mit unseren eigenen Azubis abdecken“, sagt Ahrens.