Schulleiter

Abschied Jan Andersen: Ein Leben für das Lernen

Entspannt sieht Jan Andersen seinem letzten Arbeitstag am Gymnasium Wentorf entgegen.

Entspannt sieht Jan Andersen seinem letzten Arbeitstag am Gymnasium Wentorf entgegen.

Foto: Stephanie Rutke / BGZ / Tim Schreiber

Jan Andersen verabschiedet sich vom Gymnasium Wentorf, nach dreieinhalb Jahren als Leiter und 35 spanndenden Jahren als Lehrer.

Wentorf.  Am Gymnasium Wentorf steht der nächste Schulleiterwechsel an: am kommenden Donnerstag, 31. Januar, wird der bisherige Leiter Jan Andersen (65) in den Ruhestand verabschiedet. Die Schulleitung übernimmt der bisherige Oberstufenleiter Matthias Schmidtke, stellvertretender Schulleiter bleibt Stefan Engel.

Für Jan Andersen bedeutet die Verabschiedung in den Ruhestand einen Abschied von einem Arbeitsplatz, an dem er 35 Jahre lang gerne tätig war. Zunächst als Lehrer, dann als Oberstufenleiter, danach als stellvertretender Schulleiter und schließlich in den letzten dreieinhalb Jahren als Schulleiter. „Ich bin Lehrer geworden, um Schüler zu unterrichten“, erklärt Andersen, der seinen Traumjob gefunden hat. „Meine Energie und Motivation habe ich immer aus dem Unterricht geschöpft“, sagt er und zieht für sich ein Fazit: „Lehrer zu sein, hält jung.“

Von 600 auf 1050 Schüler

Andersen hat in mehr als drei Jahrzehnten viele Entwicklungen am Gymnasium und in der Schulpolitik erlebt. In den Anfangsjahren unterrichtete er als junger Lehrer Deutsch und Geschichte an einem verhältnismäßig kleinen Gymnasium mit rund 600 Schülern. Mittlerweile ist das Gymnasium Wentorf mit 1050 Schülern und aktuell 85 Lehrern eines der zehn größten im Land.

„Als Schulleiter bin ich verantwortlich für alles und alle“, sagt er. „Einiges musste ich erst lernen, zum Beispiel Prioritäten zu setzten und zu delegieren.“ Das fällt ihm nicht schwer, denn sowohl das Zweierteam im Sekretariat als auch die fünf Kollegen im Schulleitungsteam weiß Jan Andersen als sehr kollegial, loyal und zuverlässig an seiner Seite.

„Ich sehe das Gymnasium Wentorf als eine dynamische und fortschrittliche Schule mit einem jungen Kollegium“, erklärt der Schulleiter. „Wir haben immer die Studierfähigkeit der Schüler im Blick und fördern und fordern sie entsprechend.“

Einmal G 8 und wieder zurück

Dabei sind Lehrer in den vergangenen Jahren vor große Herausforderungen gestellt worden. Die Verkürzung der Gymnasialzeit von neun auf acht Jahre, die inzwischen wieder rückgängig gemacht wurde, sah Andersen immer kritisch. „Ich war immer für G 9, denn wir haben festgestellt, dass die Kinder bei G 8 unter erheblichem Druck standen.“ In den 35 Jahren seiner Dienstzeit habe er mindestens elf Kultusminister erlebt, so Andersen. Er empfindet das Abitur heute einfacher als vor 20 Jahren, sieht aber bei den Schülern keine großen Unterschiede.

Beim Gedanken an eine seiner ersten Unterrichtsstunden in Wentorf muss er heute noch lachen. „Ich habe vorher in Barmbek unterrichtet, wo es nicht immer ruhig zuging“, erzählt Andersen. In Wentorf hatte er eine neunte Klasse übernommen. „Als ich morgens die Tür zum Klassenraum geöffnet habe, standen die Schüler auf und begrüßten mich im Chor mit einem
,Guten Morgen, Herr Andersen’, ich war erstmal sprachlos“, erinnert er sich an das gute Benehmen, das er sehr schätzt.

Auch im Ruhestand weiterlernen

„Die Eltern in Wentorf und der Umgebung haben einen hohen Anspruch an Schule und Bildung“, weiß Andersen. „Schule funktioniert, wenn Schüler, Lehrer und Eltern bereit sind zur Zusammenarbeit“, sagt er. Am Gymnasium Wentorf funktioniere das gut, denn alle arbeiten an gemeinsamen Zielen.

Dem Ruhestand blickt Jan Andersen ganz gelassen entgegen. „Ich habe weder eine Weltreise gebucht, noch werde ich das Haus umbauen“, sagt der Reinbeker. Ideen für die Zukunft gebe es aber genug – und zwei haben wieder mit dem Lernen zu tun: „Ich möchte mein Spanisch aufbessern und ich möchte lernen, wie man analoge Videos digitalisiert und schneidet.“

Als Germanist und Historiker liest er sehr gerne, freut sich auf Besuche in den Hamburger Theatern, in der Kunsthalle und im Bucerius Forum. Als Vater zweier erwachsener Söhne und als Familienmensch würde er auch gerne Opa werden. „Ich freue mich jetzt auf die Zeit nach der Schulzeit“, sagt Jan Andersen, „und zwar ohne Stundenplan, Wecker und Terminkalender.“