Reinbek.

Puppen erobern Stormarns Bühnen

Sechstes Figurentheater-Festival zeigt fantasievolle Stücke für Kinder und Erwachsene

Reinbek.  Unzählige Augenpaare blicken dem Besucher entgegen, der die oberste Etage des Schlosses betritt. Dort wird derzeit die Ausstellung „Der Hohnsteiner Kasper – Vom Wandervogel zum Fernsehstar“ vorbereitet. Es ist Teil des sechsten Stormarner Figurentheater-Festivals, das am Sonntag, 10. Februar, beginnt und bis Montag, 22. April, dauert. Etwa 120 Figuren stehen, sitzen oder liegen in den Vitrinen, dazu Kostüme, Requisiten, Spieltexte und Fotoalben.

Die Exponate haben vier private Sammler zur Verfügung gestellt. Der größte Teil stammt von Jens Welsch, Sammler mit Herz und Seele, seit er hochwertiges Spielzeug für seine Kinder suchte. Besonders die Hohnsteiner Figuren haben es ihm angetan. Vorsichtig nimmt er eine Figur aus einer Vitrine. „Das ist der Fernsehkasper“, stellt er vor und holt eine Klappmaulpuppe dazu. Hund Wuschel ist Kaspers Begleiter aus dessen frühen Fernsehjahren. Welsch schwärmt: „Da werden Kindheitserinnerungen wach.“

14 Vorstellungen, siebenStücke, acht Spielorte

Der Original-Wuschel hat es Kulturchefin Elke Güldenstein sichtlich angetan. Kaum hat sie die Handpuppe übergestreift, lässt sie Wuschel in gedehntem Tonfall sprechen. Der Zauber, den die Puppen selbst auf Erwachsene ausüben, wird in diesem Moment sichtbar. Dass Figurentheater Illusionen auf unterschiedliche Weise schaffen kann, zeigt sich an der Auswahl der Stücke. Es sind sieben, eines davon für Erwachsene.

Das Theater Anke Berger aus Braunschweig eröffnet den Reigen mit einer ungewöhnlichen Version von „Dornröschen“: Sie schildert das Geschehen aus Sicht der 13. Fee. Elke Güldenstein sagt über die Umsetzung: „Die Geschichte handelt zwar vom Ausgegrenztsein, ist aber freundlich und zauberhaft in Szene gesetzt.“ Das Stück ist für Kinder ab vier Jahren gedacht (10. und 11. Februar).

Wiederum ein Märchen, diesmal verblüffend gestaltet: Bei „Der Wolf und die sieben Geißlein“ der Theaterwiese aus Erfurt kommen Fingerpuppen zum Einsatz. Teilweise werden die Zicklein aus den Falten eines großen Mantels hervorgezogen (13., 14. und 15. Februar). Das Marotte-Figurentheater aus Karlsruhe hat ein Papierfalttheater entwickelt, das unter Einsatz von Lichteffekten Atmosphäre schafft. In „Ali Baba und die 40 Räuber“ lassen die Spieler vor den Augen des Publikums Figuren auf der Bühne entstehen (16., 18 und 19. Februar).

Eine Kulisse wurde Schloss Ahrensburg nachempfunden

Mit „Der Bär, der nicht da war“ hat die Hamburger Theaterfrau Cora Sachs sich an die Inszenierung eines philosophischen Kinderbuchs gewagt. Sie präsentiert es auf einem Teppich inmitten ihrer Zuschauer (18. und 21. Februar).

Ebenfalls eine Kinderbuchadaption: Mensch Puppe aus Bremen zeigt „Ein Königreich der Farben“ vor einer Kulisse, die Schloss Ahrensburg nachempfunden wurde. Eine der beiden Aufführungen (23. und 24. Februar) ist daher an diesem Ort geplant. Der Hohnsteiner Kasper hat seinen Auftritt im „Räuberstück“ des Tom-Kyle-Puppentheaters. Zwölf Bühnenfiguren kommen auf einer rekonstruierten Bühne der Hohnsteiner Puppenspiele zum Einsatz (17. März).

Für Erwachsene spielt Mensch Puppe die Dürrenmatt-Tragikomödie „Die Physiker“ (22. Februar). Die Spielstätten sind Schloss Reinbek, Schloss Ahrensburg, das KuB in Bad Oldesloe, Kleines Theater Bargteheide, Awo-Bewegungskita Reinfeld, Stormarnsches Dorfmuseum Hoisdorf und Marcellin-Verbe-Haus in Glinde. Infos zu Preisen, Orten und Vorverkaufsstellen gibt es online auf www.figurentheater-stormarn.de.