Feinkost

Den Geschmack der Heimat genießen

Feinkosthändler Heinrich Rathmann verschickt den Holsteiner Katenschinken in die ganze Welt. Gerade zu Weihnachten möchten ehemalige Reinbeker die Heimat schmecken. 

Feinkosthändler Heinrich Rathmann verschickt den Holsteiner Katenschinken in die ganze Welt. Gerade zu Weihnachten möchten ehemalige Reinbeker die Heimat schmecken. 

Foto: Susanne Holz

Reinbek. Zu Weihnachten erreichen die Rathmanns aus aller Welt Bestellungen für den Holsteiner Katenschinken. Eine Delikatesse.

Reinbek.  Weihnachten duftet nach Lebkuchen, süßem Stollen oder knuspriger Gans. Das Fest ist für viele dann gekommen, wenn es Kartoffelsalat mit Würstchen gibt, das Raclette-Gerät glüht oder Karpfen blau aufgetischt wird. Für viele Reinbeker ist ein Heiligabend ohne den leckeren Holsteiner Katenschinken aus dem Feinkostgeschäft von Heinrich Rathmann unvorstellbar. Aktuell erreichen den 65-Jährigen Bestellungen aus ganz Deutschland und der Welt. Es schreiben ehemalige Reinbeker, die nicht mehr hier leben, aber an Heiligabend den Geschmack der Heimat genießen möchten. Vor ein paar Tagen trudelte eine E-Mail aus Berlin ein. Die Rathmanns mögen den Schinken doch bitte in die Hauptstadt schicken – in Erinnerung an die mittlerweile verstorbene Tante aus Reinbek.

Schinken unterm Nachthemd versteckt

Heinrich Rathmann verrät mit einem verschmitzten Lächeln, dass einige Reinbeker Auswanderer sogar versuchen, die deftige Leckerei am Flughafen-Zoll vorbei zu schmuggeln. Schön verschweißt und unter dem Nachthemd versteckt. Und so habe es so mancher Schinken schon nach Amerika geschafft.

Aber was macht ihn denn so begehrt, den Holsteiner Katenschinken aus der Reinbeker Feinkosttheke? „Wir arbeiten schon in dritter Generation mit einer ganz kleinen Räucherei zusammen“, erklärt Rathmann, dessen Familie das Feinkostgeschäft 1871 am selben Standort gründete.

In der Räucherei liegt der Schinken zunächst sechs Wochen in der Pökellake. „Dann wird er noch drei Monate in den Kaltrauch gehängt“, erklärt Rathmann. Viereinhalb Monate Zeit, um das Beste aus dem Fleisch zu machen – das sei mittlerweile selten, sagt er.

Auf Zeitreise an den Anfang des 20. Jahrhunderts

Sein Wild kommt aus dem Sachsenwald, die Jäger bringen es noch selbst vorbei. Wie man mit Rehrücken umgeht, weiß der Lebensmittelhändler. In seiner Ausbildung hat er sogar selbst noch Fasane gerupft. Auch wenn sein Geflügel nicht vom Biohof stammt, glücklich sei es trotzdem gewesen, erklärt Rathmann. Die Gänse durften frei herumlaufen, das Biosiegel haben sie nur aus einem Grund nicht: „Eine Zertifizierung ist für einen kleinen Geflügelbetrieb viel zu teuer. Da ich aber weiß, wie die Tiere gelebt haben, verkaufe ich das Fleisch trotzdem mit sehr gutem Gewissen“, sagt er.

Sogar den alten Eiskeller gibt es noch

Wer sein Geschäft betritt, begibt sich auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Vieles stammt noch aus der Zeit Anfang des 20. Jahrhunderts. Sogar den alten Eiskeller unter dem Gebäude gibt es noch. War anno dazumal der Mühlenteich zugefroren, wurden Eisstücke blöckeweise ausgeschlagen und im Keller gelagert. Bis zu einem Jahr hielt es dort Gemüse und Wild frisch. Der Gründer selbst lächelt die Besucher aus einer schwarz-weiß-Fotografie hinter dem Gemüse an. Stolz trägt er seine Vierländer Tracht mit den vielen silbernen Knöpfen. Die kommen bei den heutigen Rathmanns als Manschettenknöpfe groß raus.

Wer mit Heinrich Rathmann ins Plaudern kommt, wird mit Anekdoten belohnt. So weiß er zum Beispiel, dass sein Urgroßvater immer abends mit dem Zug nach Hamburg zum Großmarkt fuhr. Die Ware wurde mit der Kutsche nach Hause gefahren. Nicht immer saß dann jedoch noch ein Kutscher auf dem Bock. „Der hatte sich zuweilen so betrunken, dass die Pferde allein nach Hause trabten. Sie kannten ja den Weg“, erzählt Rathmann.

Heiligabend vorm Baum einschlafen

Der erste Weihnachtstag ist ihm und seiner Familie heilig. „Das ist unser Feiertag. Denn an Heiligabend schlafen wir meist um 17 Uhr vor dem Weihnachtsbaum ein und liegen um 20 Uhr im Bett“, erzählt er. In den Tagen zuvor wird meistens durchgemacht. Die Ware für die Kunden muss sortiert und noch Heiligabend ausgeliefert werden. Stress vorm Fest – „das war schon immer so und wird sich auch nie ändern“, ahnt er.

Doch sind die Kunden glücklich, ist es der Kaufmann auch. Ehrensache.