Reinbek/Glinde.

Hitzewelle bringt Landwirte ins Schwitzen – Ernte in Gefahr

Trockenperiode Manche Felder werden aufgegeben, andere nun gezielt bewässert

Reinbek/Glinde.  In diesen Tagen hat Jörg Brinkmann das Wetterradar stets im Blick. Wie hoch klettern die Temperaturen, wo ist Regen angesagt? All das und noch viel mehr ist wichtig für den Verwalter von Gut Schönau, schließlich steht nichts weniger als die Ernte auf dem Spiel. Und diesbezüglich sieht es derzeit keinesfalls rosig aus. Denn das, was die Reinbeker freut und sie in Scharen ins Freibad und in die Eisdielen zieht, bereitet Jörg Brinkmann und seinen Kollegen in der Landwirtschaft Kopfzerbrechen – es ist viel zu heiß und viel zu trocken für diese Jahrezeit.

„Das letzte Mal hat es Himmelfahrt geregnet, 20 Liter pro Quadratmeter. Insgesamt sind im Mai aber nur 20 bis 25 Prozent der sonst normalen Regenmenge runtergekommen, das ist viel zu wenig“, sagt Brinkmann. Landwirt Kai Dusenschön, der mit dem Gut Schönau eine Maschinengemeinschaft bildet, bringt die Misere auf den Punkt: „Einige Felder haben wir wegen Trockenheitsschäden schon aufgegeben. Andere bewässern wir gezielt.“

Dabei profitiert das Gut Schönau noch von einer Investition aus den 1980er-Jahren. Damals wurden in großem Stil in Reinbek Buschbohnen angebaut. Für die stets durstigen Pflanzen hatte das Gut ein ringförmiges Bewässerungssystem angelegt, gespeist aus zwei zu diesem Zweck gebauten Brunnen. Damit wird nun jede Nacht gesprengt. Allerdings nur 140 der insgesamt 420 Hektar. „Alle schaffen wir einfach nicht. Würden wir alle Felder bewässern, bräuchten wir 14 Tage. Sind wir beim letzten angekommen, wäre das erste schon wieder vertrocknet“, so Brinkmann. Für die Entnahme des Grundwassers zahlt er 0,5 Cent pro Kubikmeter an den Kreis Stormarn.

Mit Wasser hilft auch Erdbeerbauer Hans-Jörg Carstensen nach. Bei der Hitze hat er ein ganz anderes Problem. Die Erdbeeren reifen sehr schnell und alle auf einmal. Was er braucht, ist derzeit nicht nur Regen und ein Temperatursturz auf bummelig 20 Grad, sondern vor allem Erdbeerfreunde mit großem Appetit. Seinen Weizen betrachtet er mit großer Sorge. „Wenn es weiter so trocken bleibt, kann man den in drei Wochen komplett vergessen. Jeden Tag ohne Regen geht’s bergab. Wenn ich aus dieser Saison plus minus Null herauskomme, ist es gut gelaufen.“ Auf Dünger verzichtet Carstensen schon komplett, hat den Pflanzenschutz um zwei Drittel zurückgefahren. „Aufwand und Ertrag stünden sonst in keinem Verhältnis mehr.“

Der Glinder Landwirt Jens Lessau hilft bei seinem Getreide nicht mit Wasser nach, auch wenn einige Standorte ihm die Tränen in die Augen treiben, wie er sagt. „Getreidefelder wässert man nicht. Das rechnet sich nicht. Denn man müsste, damit es sinnvoll ist, bereits 14 Tage vor der Dürre wässern. Dann müssten wir mit etwa 20 bis 25 Litern pro Quadratmeter rechnen. Das sind 250 000 Liter pro Hektar, bei 50 bis 100 Hektar ... sie merken schon“, sagt Lessau.

Dennoch gebe er keine Flächen auf. „Mal schauen, was draus wird“, sagt er. „Im vergangenen Jahr war es viel zu nass und jetzt ist es möglicherweise viel zu trocken. Die Herausforderung an die Landwirte lautet, sich möglichst breit aufzustellen und sich nicht auf nur ein Standbein zu verlassen“, so der Landwirt, der auch das Golf Gut Glinde betreibt.

Dass angesichts der Dürre die Getreidepreise steigen, glaubt Jörg Brinkmann nicht. Sein Getreide wird an der Börse gehandelt, muss sich dort mit der Ernte aus Russland und Amerika messen. Dass es in Reinbek und Umgebung derzeit viel zu heiß ist, interessiert dort leider niemanden.