Knick-Streit

Umweltpolizei ermittelt an der Lohbrügger Straße

Die linke Seite der Lohbrügger Straße gehört zu den Landesforsten. Der Knick rechts wurde im Februar auf den Stock gesetzt.

Die linke Seite der Lohbrügger Straße gehört zu den Landesforsten. Der Knick rechts wurde im Februar auf den Stock gesetzt.

Foto: BGZ

Reinbek. Große Empörung über einen Kahlschlag zur Brutzeit beim Hof Lohbrügge. Der Förster beruft sich auf eine Ausnahmeregelung.

Reinbek.  An der Lohbrügger Straße prallen in diesen Tagen Welten aufeinander. Ein Sturm der Entrüstung fegt in den sozialen Netzwerken über Revierförster Ole Wolter hinweg, der aus seiner Sicht einfach nur das Lichtprofil der Straße für die Verkehrssicherung wieder hergestellt hat. „Hier wurde ein Knick ratzekahl platt gemacht“, empören sich dagegen Bürger auf Facebook und fragen sich „was die Försterei geritten hat, zu dieser Jahreszeit einen kompletten Knick plattzumachen. Jeder Privatmensch, der aktuell gerade auf seinem Grundstück fällen würde, würde jede Menge Ärger bekommen“.

Umweltdienst der Polizei war vor Ort

In Sachen Naturschutz entlang der Kopfsteinpflasterstraße beim Hof Lohbrügge ermittelt nun auch die Polizei. „Nachdem sich die Stadt bei mir gemeldet hatte, habe ich den Umweltdienst der Polizei eingeschaltet“, sagt Andreas Rohde, Außendienstmitarbeiter der Naturschutzbehörde des Kreises Bad Oldesloe. Eine Mitarbeiterin sei Mittwoch vor Ort gewesen, habe Fotos gemacht und das Schnittgut inspiziert. Jetzt müsse geklärt werden wo, was, wann passiert sei, so Rohde. Das Randstück auf der Waldseite gehöre zu den Landesforsten, und der Wald ist von den Fällverboten ausgenommen.

Würde allerdings ein kaputtes Nest einer gefährdeten Vogelart in dem Schnitt gefunden werden, geht Artenschutz vor Naturschutz. Während das illegale auf den Stock setzen eines Knicks mit Bußgeldern von bis zu 50 000 Euro geahndet werden kann, gilt der Verstoß gegen das Artenschutzgesetz als Straftatbestand. In diesem Fall müsste die Staatsanwaltschaft übernehmen.

Revierchef Wolter, der als Mitarbeiter der Landesforsten auch für die Verkehrssicherheit in den Wäldern auf Reinbeker Gebiet zuständig ist, kann die Aufregung nicht nachvollziehen: „Die Fläche gehört dem Land und ist zum Wald zugehörig.“ Deshalb greife hier der Knickschutz nicht. Auch sei er vor der Rodung alles abgegangen und habe sich die Bäume genau angesehen, versichert Wolter.

Im Wald darf nach 1. März geholzt werden

Während sich Besitzer von privaten Gärten an Fäll- und Schnittverbote für Bäume, Hecken, lebende Zäune, Sträucher und weitere Gehölze in der Zeit vom 1. März bis zum 30. September halten müssen, darf im Wald geholzt werden. Erwerbswirtschaftliche Flächen im Wald und im Gartenbau sind von den Verboten ausgenommen. Hier dürfen weiterhin Bäume gefällt werden. Dieser Unterschied führt jedes Jahr zu Missverständnissen. Und der Ton im Wald wird schärfer. Dabei gebe es im Wald mehr Raum für Ruhephasen und Rückzugsgebiete als in Gärten und Städten, wo die Gehölze regelmäßig jedes Jahr stark beschnitten und gepflegt werden, so Wolter.

Im Rathaus hält man sich derweil bedeckt, möchte die gute Zusammenarbeit mit Förster Wolter nicht aufs Spiel setzen, aber schon in diesem „unglücklichen“ Fall sensibilisieren: Es sei bedauerlich, dass mit der jetzt Ende April durchgeführten Knickpflegemaßnahme entlang der Lohbrügger Straße der Natur- und Artenschutzes in der Vogelbrutzeit völlig außer Acht gelassen wurde, verlautet es von Seiten der Verwaltung.

Auf der Feldseite hat Landwirt Hans-Jörg Carstensen den Knick bereits im Februar, noch vor der Brutzeit auf den Stock gesetzt. „Das wird sogar alle sieben bis zehn Jahre gefordert. Wir haben zwölf Jahre gewartet“, so Carstensen.