Sanierungsstau

Zu wenig Wasser im Teich, dafür zu viel im Museum

Aumühle.  Besucher des Bismarck-Museums stehen bis auf Weiteres vor verschlossenen Türen. Während der Mühlenteich zurzeit zu wenig Wasser hat, gibt es im Museum zuviel. „Zweimal gab es in den Wohnungen im Obergeschoss Wasserschäden“, erklärt Prof. Dr. Ulrich Lappenküper, Geschäftsführer der Bismarck-Stiftung. Das Gebäude ist im Besitz der Familie von Bismarck, die Stiftung hat es seit 2009 per Dauerleihgabevertrag gemietet.

Die Wasserschäden sind so erheblich, dass eine Öffnung für Besucher nicht möglich ist: Eine Wand in einem der Ausstellungsräume wurde massiv geschädigt, sie ist komplett durchfeuchtet. Große Wasserflecken sind an Wand und Decke zu sehen, die Farbe blättert ab. In einem benachbarten Ausstellungsraum ist das Wasser durch die Decke gelaufen und hat das Parkett durchnässt.

Der Schaden in der Ausstellung ist gering. „Zwei Exponate wurden beschädigt“, so Lappenküper. Es handelt sich dabei um eine Bismarck-Fotografie und ein Porträt Moltkes. „Das Porträt ist ein Replik und genau wie das Foto zu retten“, sagt der Historiker erleichtert. Die geringen Wasserschäden, muss ein Restaurator beheben.

Das wichtigste Exponat im Museum, die Kaiser-Proklamation von 1871, ist verschont geblieben. Das großformatige Ölgemälde ist ein Original und gilt den Historikern als „die“ Bildikone der deutschen Nationalstaatsgründung. Allerdings: „Gegen derartige Wasserschäden ist keines Exponate geschützt“, bedauert der Historiker.

Wie es zu den beiden Wasserschäden gekommen ist, sei nicht bekannt. Seit Wochen laufen in den Museumsräumen Trocknungsgeräte, die mit Kaltluft die Räume entfeuchten sollen, damit sich kein Schimmel bildet. Wenn die Wände trocken sind, soll die Sanierung beginnen. Das Gebäude müsste ohnehin saniert werden. Überall nagt der Zahn der Zeit an dem historischen Gemäuer, das seit 1950 als Museum eingerichtet ist.

„2014 wollte die Bismarck-Stiftung das Gebäude kaufen, aber Gregor von Bismarck hat den Kauf abgelehnt, weil das Museum in Familienbesitz bleiben sollte“, so Lappenküper. Etwa 6600 Besucher hatte das Bismarck-Museum im vergangenen Jahr. Wenn jetzt die Türen geschlossen bleiben, entsteht der Stiftung ein kleiner finanzieller Verlust. „Ostern haben wir meist viele Besucher, in diesem Jahr können sie nur die Dauerausstellung im alten Bahnhof besichtigen.“