Spurensuche

Kriminaltechniker bei der Einbrecherjagd im Labor

 Fabia Horvath, Auszubildende für kriminaltechnische Fotografie, nutzt die Möglichkeiten der digitalen Bildverbesserung, um die Muster eines Sohlenabdrucks sichtbar zu machen.

Fabia Horvath, Auszubildende für kriminaltechnische Fotografie, nutzt die Möglichkeiten der digitalen Bildverbesserung, um die Muster eines Sohlenabdrucks sichtbar zu machen.

Foto: Anne Müller / BGZ

Reinbek/Kiel. 107 Experten werten im Kriminaltechnischen Institut für die Ermittler Tatortspuren aus. Und landen viele Treffer.

Reinbek.  Zivilbeamte versuchen am Abend des 6. Dezember in Neuschönningstedt, einen Audi zu stoppen. Der Fahrer gibt Gas. Nach einer wilden Verfolgungsjagd wird das Fluchtauto in Billstedt gestellt. Die beiden Insassen entkommen, aber die Polizei stellt Einbruchswerkzeug und Utensilien sicher, die sie auf die Spur der Kriminellen bringen.

„Das Werkzeug kann später Abdruckspuren an einem Tatort in Oststeinbek zugeordnet werden“, sagt Kriminalhauptkommissar Jan Müller. Die Spur ist ein wichtiger Puzzlestein. Um die Verdächtigen vor Gericht zu bringen, müssen allerdings weitere hinzukommen, erklärt der Leiter der Reinbeker Ermittlungsgruppe Wohnungseinbruch. „Denn den Verdächtigen muss nachgewiesen werden, dass sie das Werkzeug in der Hand hatten.“

Ein Job für Kriminaltechniker

Kleinste Körperzellen am Werkzeug aufzuspüren, ist ein Job für die Kieler Kriminaltechniker. Vom Mord über den Wohnungseinbruch bis zum gefälschten Autokennzeichen werden beim Kriminaltechnischen Institut (KTI) des Landeskriminalamtes im Jahr etwa 30 000 Spuren untersucht. Noch gliedern sich die modernen Labors mit Analysegeräten wie Rasterelektronen-Mikroskopen an die Flure einer alten Kaserne. In der Nachbarschaft entsteht schon ein Neubau, in den die Chemiker, Physiker, Biologen, Ingenieure, Mineralogen, Elektroniker und Techniker bald nach EU-Standards arbeiten können.

Darauf freuen sich Astrid Boller und Nina Bäkmann. Die beiden kanalisieren und sichten im Geschäftszimmer die Anträge, die hier aus den Polizeidienststellen des Landes eingehen und leiten sie an die 107 Mitarbeiter weiter.

20 Jahre hat auch Rainer Kreutz Werkzeug- und Formspuren analysiert, heute ist er Sachgebietsleiter Aus- und Fortbildung im KTI des Landeskriminalamts und gibt seine Erfahrungen an die jüngeren Kollegen weiter. Auch die Erfolgsgeschichten: Anhand der Hebelspuren war es Kreutz vor vier Jahren gelungen, eine chilenische Einbrecherbande für ein Dutzend Straftaten zu überführen.

Chilenische Einbrecherbande überführt

„Kollegen in Österreich hatten eine Gruppe von Einbrechern im Visier gehabt und schließlich festgenommen.“ Unter den beschlagnahmten Utensilien war auch das Navigationsgerät – mit Reisedaten bis nach Schleswig-Holstein und Hamburg. Die Daten wurden nach Kiel überspielt und mit gesicherten Spuren von Tatorten im Norden verglichen. Das Ergebnis: „Am Holzrahmen eines Fensters in Reinbek war ein Schraubendreher verwendet worden, der – zumindest unter dem Mikroskop mit 60-facher Vergrößerung – für den Experten eine markante Kerbe an der Schneide aufwies“, erzählt Kreutz. Genau dieses Werkzeug war bei den Tätern in Österreich sichergestellt worden und damit der Nachweis geführt, dass die Bande in Reinbek zugeschlagen hatte.

Fingerabdruck an Geldkasette gefunden

Auch die Reinbeker Ermittler können nach der Spurenanalyse des KTI immer wieder Erfolge verbuchen: „So wurde im vergangenen Jahr nach einem Wohnungseinbruch an einer Geldkassette ein Fingerabdruck ­gefunden. Anhand der Datenbank der Kriminaltechniker konnte der Verdächtige ermittelt werden“, sagt Müller.

Auf einen solchen Treffer wartet auch Oliver Schlenther, der Reinbeker Spurenexperte, noch. So konnte in einem Einbruchstatort in Wentorf aus anhaftenden Zellspuren an einem Lederstreifen eine DNA-Vergleichspur gefunden werden. „Diese können im Verdachtsfall mit der DNA eines festgenommenen Täters abgeglichen werden“, sagt Schlenther.

Der Polizeiobermeister und seine Kollegin Nicole Freyer zeigen jeden Tag ganzen Einsatz bei der Suche nach verwertbaren Spuren, rutschten dabei auch auf Knien über den Laminatfußboden, um Abdrücke von Schuhen zu entdecken. Elf konnten nach einem Wohnungseinbruch in ein Wentorfer Einfamilienhaus mit Gelfolien gesichert werden. Fotografisch aufgearbeitet, fanden die Beweismittel inzwischen Eingang in die Datenbank des Kriminaltechnischen Instituts in Kiel. Wird ein Einbrecher auf frischer Tat ertappt, können seine Schuhabdrücke mit den vorhandenen abgeglichen und ihm möglicherweise weitere Tatorte zugeordnet werden.

28 000 Sohlenabdrücke in Datenbank gespeichert

Das ist allerdings im KTI noch Handarbeit. Digital abgleichen kann Rainer Storck, Sachverständiger für Formspuren, die Muster nicht. 28 000 Sohlenabdrücke, im Fachjargon „Laufflächenmuster“, sind in der Datenbank gespeichert. „Zum einfacheren Abgleich arbeitet das Fraunhofer Institut in München an einer Software“, sagt Storck, der aus Erfahrung an Musterfragmenten erkennt, welcher Marke der Schuh zuzuordnen ist.

Das kann Hinweise auf die Herkunft der Täter geben, speziell wenn es sich um Modelle handelt, die nur in bestimmten Ländern oder von bestimmten Anbietern vertrieben worden sind. Spurenzusammenhänge von Schuhen, die an mehreren Tatorten aufgetaucht sind, finden Storck und seine Kollegen täglich. Damit unterstützen die Kriminalisten im weißen Kittel die Arbeit der Ermittler.