Reinbek.

Pro Jahr fehlen 1000 Wohnungen

KAmingespräch Landrat Dr. Henning Görtz benennt den Wohnungsbau als „große Aufgabe“ für Stormarn

Reinbek.  Einen lockeren Schlagabtausch zwischen Bürgermeister Björn Warmer, der die Rolle des Moderators übernahm, und Landrat Dr. Henning Görtz als Gast erlebten gut 40 Besucher beim 63. Reinbeker Kamingespräch. Unter dem Motto „Ein starker Kreis Stormarn – eine Zwischenbilanz“ sprach Görtz über die zwei Jahre seiner Amtszeit. Die Gäste erlebten einen lockeren, bodenständigen Henning Görtz, der mal witzig, mal diplomatisch antwortete und sich als unterhaltsamer Redner präsentierte.

Auf Warmers Frage nach der nächsten unpopulären Maßnahme, die er plane, gab Görtz diplomatisch keine Antwort. Bei welchem Popsong aus den 80ern der 51-jährige Landrat so richtig austicke, wollte Warmer wissen. Dafür sollte man einen Titel von U2 spielen, erfuhren die Zuhörer.

Dr. Henning Görtz bezeichnete sich selbst als einen Menschen, der auf „gnadenlose Sachlichkeit“ setzt. „Das mache ich schon immer, deshalb muss ich mich als Landrat nicht verbiegen“, so Görtz, der von 2008 bis 2016 Bürgermeister in Bargteheide war.

Angesprochen auf seinen Amtsvorgänger betonte Götz, dass Klaus Plöger sein Amt 18 Jahre lang erfolgreich ausgeübt habe und er selbst diese Erfolgsgeschichte fortschreiben wolle, aber: „Klaus Plöger kann man nicht kopieren, jeder muss seinen eigenen Stil finden“, so Görtz.

Eine große Aufgabe sei es, in Zukunft für bezahlbaren Wohnraum zu sorgen. „Der Bedarf ist riesig, pro Jahr benötigen wir in Stormarn mehr als 1000 Wohnungen“, so der Landrat. Der Trend geht dabei eindeutig zu Geschosswohnungen, die möglichst durch Verdichtung in den Zentren der Städte entstehen sollten. Sozialer Wohnungsbau und ein geordnetes Wachstum sind dabei nötig.

Zum Stichwort „Bürgerbeteiligung“ zitierte Bürgermeister Warmer den Reinbeker Stadtcheck. „Das ist eine super Sache“, erklärte der Landrat. Die Bürgerbeteiligung sei ein wichtiger Baustein. Allerdings liege die Entscheidungshoheit bei den Politikern.

Auf Warmers Frage, wo Stormarn in 15 Jahren stehen werde, antwortete Görtz: „Der demografische Wandel wird Folgen haben für die Mobilität und die medizinische Versorgung.“ Auf den Fachkräftemangel, der immer präsenter wird, reagiert die Verwaltung mit dem Projekt „Stormarn 2030“ und bildet vermehrt aus.

Neben dem Wohnungsbau nannte der Landrat das Thema „Kinderbetreuung“ als das dringendste, das bewältigt werden müsse.

Ob er als Landrat Einfluss auf das Thema „Wohnungsbau“ nehmen könne, lautete eine Frage. Da der Kreis keine eigenen Flächen habe, sei das nicht möglich, so Görtz, die Bauleitplanung liege bei den Städten und Gemeinden. Er ermunterte die Anwesenden zu konstruktiver Diskussion mit den Politikern.

„Wie wird dafür gesorgt, dass sich der teils katastrophale Zustand unserer Straßen verbessert“?, lautetet eine Frage aus dem Publikum. Das hänge von der jeweiligen Zuständigkeit ab, so Görtz.

Die Gesamtbilanz des Landrates für seinen Kreis fällt sehr positiv aus: „Stormarn ist schuldenfrei, hat eine sehr hohe Kaufkraft und eine sehr geringe Arbeitslosigkeit“, erklärte Henning Görtz. Das gelte aber nicht für alle Bürger, deshalb suchen die Kreispolitiker auf allen Ebenen nach Lösungen für diejenigen, die am Rand der Gesellschaft leben. Er betonte, dass sich die Kommunalpolitiker selbst Ziele setzen sollten, der Kreis unterstütze dabei mit Rat und Tat.