Wentorf

Neue Pläne für ParkschlossDie Geschichte des Wentorfer Parkschlosses

Investor möchte Seniorenresidenz erweitern – Vorhaben wird heute vorgestellt

Wentorf. . In idyllischer Umgebung erstreckt sich das Parkschloss mit angebautem Neubau an der Golfstraße 1. Die weiße Villa unweit des Mühlenteiches wurde viele Jahre als Alten- und Pflegeeinrichtung genutzt und betrieben. Derzeit hat sich hier eine Wohngemeinschaft mit elf Senioren eingemietet. Jetzt gibt es neue Pläne für das „Wentorfer Schloss“. Ein Investor plant, die aktuell auf 52 Plätze ausgerichtete Einrichtung auf eine Seniorenresidenz mit angeschlossener Pflegeeinrichtung für 84 Plätze auszubauen. In Vertretung wird Thomas Leverenz von Wüstenrot Immobilien die Pläne heute in der Sitzung des Planungs- und Umweltausschusses (19 Uhr, Rathaus) vorstellen.

Anbau 2004 genehmigt

„Der Investor war an mich herangetreten“, sagt Leverenz, der als Vermittler mit der Gemeinde um die baurechtlichen Rahmenbedingungen verhandelt. Entsprechende Genehmigungen wurden für diese Nutzung schon einmal erteilt. Das Objekt, das aus einem Altbau (siehe Infotext) und einem 2004 genehmigten An-/Neubau besteht, befindet sich im Außenbereich und lasse eine andere Nutzung nicht zu. „Seit 2014 ist die Nutzung als Alten- und Pflegeheim aufgegeben worden, weshalb auch der Bestandsschutz erloschen ist“, erläutert Andrea Ohde in der Verwaltungsvorlage. Die Eigentümer leben noch an der Golfstraße und möchten sich aus Altersgründen zurückziehen. „Eine Erweiterung wäre aus Sicht des Investors nötig, da die Residenz sonst privatwirtschaftlich kaum rentabel wäre“, so Leverenz.

Das Grundstück steht deshalb seit einiger Zeit zum Verkauf. Die Gemeinde hat dem Investor bereits verdeutlicht, dass eine Nutzungsänderung der Gebäude oder eine bauliche Erweiterung nur durch eine Überplanung des Grundstückes möglich wird. Aufgrund der Lage und der Bausubstanz sind Aspekte wie Natur- und Denkmalschutz bei einer Überplanung ebenfalls von besonderer Bedeutung. „Dafür würde der Investor die Kosten übernehmen“, sichert Leverenz zu, sobald die Zustimmung vonseiten der Politik vorliege.

Aus gemeindlicher Sicht stehe dem nichts im Wege, empfiehlt die Verwaltung: „Die Wiedernutzbarmachung des Objektes kann nur begrüßt werden, da es sich bei dem Altbau durchaus um erhaltenswerte Bausubstanz handelt, die vor einem Verfall bewahrt werden sollte.“

Das „Haus Lichtenfels“ wurde 1903 vom Kaufmann und Reeder Albert Wilhelm zum Bach gebaut. Vorbild für den Bau mit 1000 Quadratmeter Nutzfläche soll die Burg Stolzenfels am Rhein gewesen sein. Etwa 1907 wurde der etwa zwei Hektar große Besitz vom Überseekaufmann Friedrich W. Clarfeld erworben.

Ein dunkles Kapitel der markieren die Jahre von 1935 bis 1945. Die Nazis eigneten sich mehrere der größten und schönsten Anwesen im Villenviertel, am Mühlenteich und an der Golfstraße an. Im März 1937 zog eine Gauschule nach Wentorf in die Villa an der Golfstraße 1. Die Erben von Friedrich Clarfeld mussten sie für einen Schleuderpreis von 65 000 Reichsmark verkaufen, das wertvolle Inventar wurde versteigert.

Nach 1945 diente die Villa als Erholungsheim für Verfolgte des Nazi-Regimes. 1949 wurde das Heim der Arbeiterwohlfahrt (Awo) zur kostenfreien Nutzung übergeben. Ab 1953 unterhielt die Awo hier eine Rehabilitations-Klinik für Beingelähmte oder Prothesenträger.

Das Land Schleswig-Holstein verkaufte als Eigentümer schließlich das Anwesen, das seit 1971 als Altersheim genutzt wurde.

Quelle: „Herrschaftliche Zeiten, zur Geschichte der Villenviertel in Wentorf“ Hildegard Ballerstedt, Willian Boehart, 2000, Viebranz Verlag.