Firmenchef setzt auf soziales Engagement

Arbeitstage der Mitarbeiter für Bergedorfer Tafel gespendet

. „Es macht mir schon ein bisschen ein schlechtes Gewissen, wenn ich sehe, was die vielen ehrenamtlichen Mitarbeiter der Bergedorfer Tafel hier stemmen“, sagt Stefan Frank (47) und schneidet das fünfte Meterbrot auf. Der Inhaber der Reinbeker Firma 4Elements, der Unternehmen dabei begleitet, sich das Internet nutzbar zu machen, ist mit seiner Junior-Projektmanagerin Michelle Dericks (28) zum ehrenamtlichen Einsatz in der Ausgabestelle im Gemeindehaus von St. Petri und Pauli an der Bergedorfer Schlossstraße.

„Wir spenden zwar, zum Beispiel das Geld, das wir für Weihnachtspräsente für unsere Kunden ausgeben würden. Aber wir wollen auch Gesicht zeigen. Es waren schon mehrere Mitarbeiter hier, und es kommen auch noch weitere“, unterstreicht der Unternehmer. Er hat der Tafel insgesamt 14 halbe Arbeitstage seiner Mitarbeiter spendiert. „Wir wollen mit anpacken.“

Das braucht er im Keller der Ausgabestelle nicht zweimal zu sagen. Schnell werden die beiden Reinbeker eingeteilt. Gut 800 Brötchen gilt es in Tüten abzupacken. Das Gemüse muss hübsch hergerichtet werden und das Meterbrot. Später soll „Stefan“ – bei der Tafel geht alles nur per Du – bei der Ausgabe der Lebensmittel helfen, von Suppe, Kaffee und Kuchen.

Bislang allerdings ist er noch mit dem Meterbrot beschäftigt, das bei der Ausgabe zur obligatorischen Suppe nicht fehlen darf. „Hier geht niemand ohne einen gefüllten Teller raus. 100 bis 110 Portionen kocht Christel Meyer jedes Mal“, sagt Inge Weinzierl, Leiterin der Ausgabe. „Das steht in der Tradition der Suppenküche der Kirchengemeinde, und sie übernimmt auch die Kosten“, erläutert sie.

Der Ton ist locker und höflich

Das Weißbrot ist geschnitten, auf den gedeckten Tischen verteilt, und weiter geht es für Stefan Frank. Die Kunden kommen. Es gilt, mit Michelle Dericks Gemüse und Obst auszugeben. „Der Ton war so locker und höflich. Es hat sehr viel Spaß gemacht. Wir sind richtig euphorisch“, bilanziert sie nach dreieinhalb Stunden.

Inge Weinzierl freut sich: „Es ist für uns eine Bereicherung, wenn Außenstehende mit viel Elan mithelfen, und wir präsentieren uns natürlich auch gern“, sagt sie. „Wir haben übrigens auch Schülerpraktikanten.“

Stefan Frank und Michelle Dericks jedenfalls haben schon entschieden wiederzukommen. Vielleicht klappt es tatsächlich zweimal im Jahr.

Dass wünscht sich auch Sophia Kellermann, die als eine der ersten Mitarbeiter mit dem Projekt Bergedorfer Tafel soziale Verantwortung übernommen hat. „Auch ich und mein Kollege Patrick wurden lieb von den fleißigen Helfern empfangen und eingewiesen. Nach kurzer Zeit trafen drei Sprinter voll mit Ware ein. Insgesamt 90 Kisten mussten zügig ausgeladen werden“, beschreibt sie den Auftakt für ihren Einsatz. „Nachdem wir alles einsortiert hatten, füllten wir etwa 120 Tüten mit Weintrauben.“

Gegen 12 Uhr wird die Schlange von Menschen vor der Tür des Gemeindehauses langsam länger. Es ist Zeit für die Essenausgabe. „Mein Kollege war Türsteher und kon­trolliert die Sozialausweise der anderen Bedürftigen, und ich bin für Obst und Gemüse zuständig.“ Nach und nach kommen insgesamt 130 Menschen in die Tafel. Gegen 14.30 Uhr leert sich der Suppentopf. Alle vorhandenen Lebensmittel sind ausgegeben. Sogar die letzten zwei verbliebenen Radieschen hat sich ein Bedürftiger eingepackt.