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Zu Hause in der Stadt der Inseln und Brücken

Foto: picture-alliance / Chad Ehlers / picture-alliance

Reinbek. Die Schulbank haben sie an der Sachsenwaldschule gedrückt, dann haben viele ihr Glück im Ausland gesucht. Hendrik Alpen ist in Neuschönningstedt aufgewachsen und lebt seit anderthalb Jahren in Stockholm, der Hauptstadt Schwedens.

Der lange kalte und dunkle Winter im hohen Norden kann ganz schön aufs Gemüt schlagen. „Aber dafür ist der Sommer in Schweden umso schöner“, sagt Hendrik Alpen. Den genießt der 29-jährige Reinbeker jetzt in vollen Zügen. Seit anderthalb Jahren lebt er in Stockholm, direkt in der Innenstadt und trotzdem nur zehn Minuten von Wald und Wasser entfernt. „Die Wohnungen hier sind vergleichsweise klein und teuer“, hat er festgestellt, „denn jeder möchte möglichst zentral wohnen.“ Die Innenstadt ist hauptsächlich auf Inseln gebaut, der Raum dementsprechend knapp.

Die Zeit um die Sommersonnenwende, wo die Nächte hell bleiben und als „weiße Nächte“ bezeichnet werden, wird in Skandinavien groß gefeiert. „Midsommar“ ist nach Weihnachten das zweitgrößte Fest im Land. Gemeinsam mit Verwandten, Freunden und Nachbarn wird gefeiert, getanzt und traditionell junge Kartoffeln mit Hering, Sauerrahm, Knäckebrot und Schnittlauch gegessen.

Hendrik Alpen isst am liebsten gebratenen Hering mit Kartoffelpüree und Gurkensalat – traditionelles schwedisches Fast Food. Fleischsalat hat der Reinbeker in der neuen Heimat anfangs am meisten vermisst. Mittlerweile gibt es ihn im Supermarkt. Was ihm gar nicht schmeckt sind Lingon-Beeren. Die bitter-sauren Früchte werden von den nordischen Nachbarn zu so gut wie allem gegessen. Und noch etwas ist gewöhnungsbedürftig für Deutsche: Alkoholische Getränke gibt es nur in staatlichen Läden, an Sonnabenden nur bis 15 Uhr und außerdem selbst für schwedische Verhältnisse nur zu horrenden Preisen.

Hendrik Alpen ist ein Expatriate. So werden Leute genannt, die von einem international tätigen Arbeitgeber für ein paar Jahre ins Ausland entsandt werden. Schon als Student für Soziologie, Politik und Journalistik arbeitete Alpen bei der Modekette H&M. Der Branchenriese übernahm ihn nach erfolgreich abgeschossenem Studium und schickte ihn 2011 in die Hauptzentrale nach Stockholm. Nun ist er verantwortlich für die Nachhaltigkeitsberichterstattung und Kommunikation des Unternehmens. „Die Offenheit der schwedischen Gesellschaft ist beeindruckend, das Arbeitsleben vergleichsweise entspannt und dabei sehr effizient“, sagt Alpen. Die Steuererklärung in Schweden besteht beispielsweise nur aus einem Blatt Papier und lässt sich sogar per SMS machen, hat er festgestellt.

Die Deutschen kommen in Schweden zuweilen nicht ganz so gut weg. Es kursieren viele Witze über deutsche Touristen in Sandalen und Tennissocken. Ein Bild, das man aber tatsächlich oft sieht.