Poker

Niemand blufft so gut wie er

Foto: Jayne Furman / Furman

Reinbek. Der Reinbeker Jan-Peter Jachtmann gewann 660.000-Dollar in der World Series of Poker. Beim Turnier in Las Vegas setzte er sich gegen 300 Top-Spieler aus der ganzen Welt durch. Der 44-Jährige ist Chefredakteur des Magazins "Pokerblatt".

Mit Pokerface kann man sich Jan-Peter Jachtmann kaum vorstellen. Vielleicht ist gerade das seine Stärke? Der Reinbeker wirkt im Alltag entwaffnend offen. Dennoch ist der 44-Jährige Sieger eines der weltweit prestigeträchtigsten Pokerturniere: Vergangene Woche gewann er bei der World Series of Poker in Las Vegas das größte „Pot-Limit Omaha“-Turnier der Welt und strich dafür das Preisgeld von mehr als 661.000 Dollar (rund 525.000 Euro) ein. Damit hat sich der Event-Manager und Chefredakteur des einschlägigen Magazins „Pokerblatt“ einen Traum erfüllt.

„Wahnsinn, ich war in dem Moment voller Adrenalin, Freude, Zufriedenheit“, erinnert er sich, als er vom Jetlag geplagt wieder zu Hause auf seinem Reinbeker Sofa sitzt. „Aber ganz ehrlich: So ganz habe ich das, glaube ich, noch immer nicht begriffen.“ Doch auf dem Tisch liegt der Beweis: das World-Series-Bracelet – ein goldenes Armband, das den Laien eher an eine massive Uhr erinnert. Doch um diese Trophäe beneidet ihn die gesamte Poker-Szene glühend, zeigt es doch, dass er sich innerhalb von drei Tagen gegen 300 Top-Spieler durchsetzen konnte.

Mit der Szene kam er bereits in Kontakt, als er noch in Hamburg Betriebswirtschaft studierte. „Ich habe schon damals viel gepokert, aber das war eher ein Hobby“, sagt der 44-Jährige. Dann machte er bei der Spielbank Hamburg eine Ausbildung zum Croupier. Das war drei Jahre lang ein spannender Studentenjob, und er bekam einen Einblick in die Szene.

Jetzt spielt Jachtmann schon seit mehr als 15 Jahren in lizenzierten Casinos Turnier-Poker, lange bevor das Poker-Spiel auch in Deutschland zu boomen begann. Unter seinesgleichen ist er unter seinem Spielnamen „Hamburger Jung“ bekannt wie ein bunter Hund. Er war bereits dreimal unter den Top Drei der Meisterschaften, gewann 2008 den Deutschen Vize-Meister-Titel und wurde 2011 vierter bei den Europameisterschaften.

Das Hinterzimmerimage sei reine Fiktion, stellt er klar. „Für mich ist Poker kein Glücksspiel, sondern definitiv ein Strategiespiel.“ Neben dem Glücksfaktor brauche es vor allem viel Mathematik, Psychologie und Menschenkenntnis, um bestehen zu können. „Es hat sehr viele Facetten. Deshalb liebe ich das Spiel so“, erklärt Jachtmann, der das Live-Spiel bevorzugt. Alkohol sehe man bei derartigen Turnieren selten. „Wir haben jeden der drei Tage zehn bis zwölf Stunden gespielt, da musst du geistig frisch sein.“ Es geht um sehr viel Geld – jeder Spieler hat allein 10.000 Dollar Startgeld bezahlt.

Schon während der ersten beiden Tage war der Reinbeker unter den besten Fünf. „Dadurch konnte ich mehr riskieren und mehr Druck machen“, erklärt er. „Wahnsinn, da waren Top-Spieler wie Phil Ivey oder Daniel Nigreanu dabei, und ich habe sie alle besiegt“, sagt er kopfschüttelnd, als könnte er es immer noch nicht fassen. „Mit meinen Idolen Huck Seed und Sam Farha habe ich selbst am Tisch gesessen. Farha habe ich mit einer gewagten Hand aus dem Turnier geschickt. Ich habe viel riskiert, aber ich habe ihn richtig eingeschätzt. Da habe ich gemerkt: Jetzt läuft’s, jetzt kann ich auch das Turnier gewinnen.“ Er habe zwar daran geglaubt, dass er es schaffen könne. Eigentlich war aber das Ziel, den Final-Tisch überhaupt zu erreichen.

Den Reinbekern ist der 44-Jährige eher als Event-Manager, beispielsweise als Organisator des Stadtfestes bekannt. Doch seitdem er sein zweites Standbein, das Magazin „Pokerblatt“ vor fünf Jahren mit gegründet hat, findet er dafür kaum noch Zeit. „Ich bin sehr viel unterwegs“, sagt der „Hamburger Jung“. Die Verbindung seines Berufes als Chefredakteur und Mither?ausgeber des Magazins mit seiner Leidenschaft Pokern sei für ihn aber ideal. Sie ermögliche ihm, auf professionellem Niveau zu spielen, ohne Profi zu sein.

Einziges Problem: „Mein Privatleben bleibt auf der Strecke“, bedauert Jachtmann. Beziehungen und Freundschaften würden leiden. Nach dem Sieg kommt er jetzt aber dazu, in der Feldmark joggen zu gehen oder Fußball zu gucken. „Mein nächstes Ziel ist wieder eine feste Beziehung – und auch eine Familie.“ Dafür ist Jachtmann jetzt so weit, dass er auch Kompromisse eingehen würde – er könnte sich sogar vorstellen, einmal vier Wochen lang nicht zu pokern.