Jubiläum

Die ganze Stadt feiert mit ihrer Feuerwehr

Reinbek. Mehrere Tausend Reinbeker haben gestern das 125-jährige Bestehen ihrer Freiwilligen Feuerwehr gefeiert. Die Kameraden hatten rund um das Feuerwehrhaus an der Klosterbergenstraße ein buntes Programm mit Schauübungen, Vorführungen der Rettungshundestaffel, Fahrzeugpräsentationen und Musik organisiert.

Der silberfarbene Ford Fiesta von Carolin Richter (25) hat gestern vor großem Publikum das Zeitliche gesegnet. Der Flitzer, den seine Besitzerin vor fünf Jahren für 3000 Euro gekauft hat, diente als Requisit für eine aufwendig inszenierte Rettungsaktion der Feuerwehr Reinbek auf dem Pausenhof der Sachsenwaldschule. Nachdem die Kameraden binnen 20 Minuten präzise die Frontscheibe aus dem Rahmen gesägt und feinsäuberlich das Dach mit der Rettungsschere aufgeschnitten hatten, war klar: Der schwer verletzte Autofahrer – in diesem Fall eine Puppe – ist gerettet, der Ford Fiesta aber wird über Tachostand 120.000 nicht mehr hinauskommen. „Es war ja für einen guten Zweck“, sagt die 25-Jährige, die bereits ein neues Auto vor der Tür stehen hat.

Ihr Freund, Feuerwehrmann Peter Budziszweski (26), und seine Kameraden von der Freiwilligen Feuerwehr Reinbek haben zum 125. Geburtstag ihrer Wehr ein Fest auf die Beine gestellt, das gestern ab 10.30 Uhr gefühlt die halbe Stadt angelockt hat. Kaum war der Maibaum am Rosenplatz in luftiger Höhe angebracht, begann die Straßenparty rund um das Feuerwehrhaus an der Klosterbergenstraße. Zwei Jahre haben die Vorbereitungen gedauert, der Zuspruch aus der Bevölkerung überwältigte auch Wehrführer Christian Niemann. „Mit so viel Menschen hatten wir nicht gerechnet. Es ist einfach toll“, sagt er. Rund 2000 Gäste, so seine Schätzung, verfolgten fasziniert die Schau-Übungen der Feuerwehrleute und die Vorführungen der Rettungshundestaffel auf dem Sportplatz des Gymnasiums, bestaunten die Feuerwehr-Oldtimer vor dem Jürgen-Rickertsen-Haus oder lauschten der Rock-’n’-Roll- Band „Crazy Crackers“.

Während die Feuerwehrfrauen im Seniorentreff 50 Kuchen anschnitten, machten die Feuerwehrleute am Grill Bratwürstchen und Nackensteaks ordentlich Feuer. Hans-Jörg Haase, Kandidat der Piraten-Partei für die Landtagswahl am kommenden Sonntag, erholte sich im Holzkohlerauch und mit Grillzange in der Hand vom Wahlkampf. „Schöne Abwechslung“, so Haase, Schweißperlen auf der Stirn.

Eher warm ums Herz wurde Kindern und Erwachsenen am Stand von Kai Stolte (50), der auf langen Tischen all das aufgebaut hatte, was Feuerwehrfans erfreut. Kleine Helme und Atemschutzmasken, knallrote T-Shirts, kleine Spielzeugautos, sogar Nudeln in Form eines Drehleiterfahrzeugs waren dort zu sehen.

Auch Frank Vorkampf (37) ließ sich erweichen und erstand für Sohn Tim (4) einen kleinen, gelben Feuerwehrhelm. „Mein Sohn hat zu Hause die komplette Feuerwehrserie von Playmobil. Mittlerweile ist das Kinderzimmer voll, er hat sich bis ins Wohnzimmer ausgebreitet“, sagt der 37-jährige Wentorfer, selbst 20 Jahre Mitglied in der Feuerwehr Reinbek.

Während Tim stolz mit dem Helm nach Hause ging, hat Anton Ascher (5) gestern das Abenteuer seines Lebens erlebt. Zusammen mit der Reinbeker Polizeihauptmeisterin Beate Schlemminger schaute sich der Fünfjährige das Jubiläumsspektakel von oben an. Für ihn hatte die Drehleiter der Feuerwehr auf 30 Meter Höhe abgehoben. Der kleine Wentorfer war nach der Fahrt so sprachlos, dass er auf die Frage, ob es ihm gefallen habe, nur glücklich lächeln konnte.

Gefallen hat das Spektakel auch den Kameraden der Feuerwehr Dresden-Pillnitz. Mit sieben Mann haben sie den Reinbekern persönlich zum Geburtstag gratuliert. Während die seit langem für ein neues Gerätehaus kämpfen, können sich die Dresdner über ihres schon freuen. „Der Neubau hat 980.000 Euro gekostet“, sagt Thiemo Matzkat, Vize-Feuerwehrchef. Mit seinen 25 Kameraden sorgt er für die Sicherheit von 3500 Menschen. Ob und wenn ja wann die Freiwilligen Helfer in Reinbek ein modernes Gerätehaus bekommen, konnte Reinbeks Bürgermeister Axel Bärendorf gestern nicht verkünden. Ein dickes Lob gab es trotzdem: „Die Feuerwehr hat bei diesem Jubiläumsfest alles aufgeboten, was man nur aufbieten kann.“