Bürgerpreis

Eine warme Mahlzeit, die verbindet

Foto: Anne Müller / Müller

Reinbek. Ute Meier-Eberlin gründete vor sechs Jahren die Reinbeker Suppenküche für jene, die sich nicht immer eine warme Mahlzeit leisten können. Stellvertretend für ihr Team ist sie jetzt für den Bürgerpreis der Volksbank Stormarn und der Bergedorfer Zeitung vorgeschlagen worden.

Die Tafel im Gemeindehaus der Nathan-Söderblom-Kirche ist gedeckt. Weiße Papierdecken, eine Tulpe auf jedem der Tische und frisches Brot stehen für die Besucher der Suppenküche bereit. Mathias Hansen testet einen Löffel Gemüsesuppe. „Hmm, schmeckt wie immer gut“, ist sein Urteil. Der 46-jährige Frührentner ist seit fünf Jahren Stammgast. „Hier kann ich mich unterhalten“, sagt er und geht noch einmal zur Essensausgabe. Dort bekommt er von Ute Meier-Eberlin nicht nur einen Nachschlag aus dem großen Kessel, sie fragt, wie es ihm geht und wann er wieder seine Gitarre mitbringt. Der Initiatorin der Suppenküche sind die Gäste ans Herz gewachsen.

Die 56-Jährige tischt seit sechs Jahren auf für jene, die sich nicht jeden Tag eine warme Mahlzeit leisten können. „Wir kochen für Jung und Alt, nicht nur aus Reinbek. Viele Menschen kommen auch wegen großer Einsamkeit, und immer mehr Jüngere trauen sich“, sagt sie. Erst wurde sie belächelt. Hunger und Armut, gibt es das in Reinbek? Offensichtlich nicht, aber die Neu-Bergedorferin, die bis vor wenigen Monaten mit ihrer Familie in Reinbek gelebt hat, schaut mit wachen Augen hin und sieht, was von vielen aus Scham versteckt wird. „Es gibt Seniorinnen, denen nach Abzug der Miete kaum etwas zum Leben bleibt“, hat sie erfahren müssen. „Eine 80-Jährige hat mir erzählt, dass sie gerade bei einer Nachbarin zum Bügeln war, um ihre Rente aufzubessern.“

Inzwischen kommen jeden Donnerstag mehr als 60 Gäste. Für ihr Engagement ist Ute Meier-Eberlin stellvertretend für ihr Team vorgeschlagen worden für den Bürgerpreis der Volksbank Stormarn und der Bergedorfer Zeitung. Gern steht sie nicht im Rampenlicht. Sie greift lieber zu, als über ihr Ehrenamt zu sprechen. Doch es geht um die Sache und um die Frauen, die an ihrer Seite regelmäßig bis zu 22 Kilogramm frisches Gemüse schnippeln, damit zwischen 12 und 14 Uhr bis zu 100 Portionen serviert werden können. „Wir haben uns das ehrgeizige Ziel gesteckt, nicht aus Konserven zu kochen, sondern nur frische Zutaten zu verwenden." Dabei werden sie inzwischen von Reinbeker Geschäften unterstützt. Meier-Eberlins Engagement wirkt zudem rund um den Täbyplatz ansteckend: „Eine Dame fragt regelmäßig, was wir brauchen. Dann kommt sie mit einem voll bepackten Einkaufswagen“, nennt die 56-Jährige nur ein Beispiel.

Unter den Besuchern haben sich kleine Gemeinschaften gebildet. „Bewohner aus dem benachbarten Hochhaus, die dort schon seit 30 Jahren leben, haben sich hier zum ersten Mal kennengelernt“, ist Meier-Eberlin stolz auf die verbindenden „Nebenwirkungen“ ihrer Suppen und Eintöpfe. „Die Menschen kommen sich hier näher, achten aufeinander.“

Glücklich ist die Sekretärin und Mutter zweier erwachsener Söhne vor allem über ihr Team: „Ich bin so stolz, dass wir alle jetzt schon sechs Jahre durchgehalten haben. Obwohl wir nicht damit gerechnet hatten, dass es so viel Arbeit macht.“ Die scheut sie nicht, hat schon bei der Bergedorfer Tafel mitgearbeitet und die Cafeteria des Sachsenwald-Gymnasiums geleitet.

Ausdauer hat sie als frühere Leistungsschwimmerin, die sich heute allerdings lieber im gemütlichen „Tennis-Doppel“ fit hält. „Uns geht es doch gut, und deshalb möchte ich auch etwas abgeben“, sagt die überzeugte Christin und bastelt schon wieder gedanklich an neuen Projekten. Ob amnesty international oder der Mitternachtsbus, der in Hamburg nachts unterwegs ist und Obdachlose betreut.

Noch arbeitet sie in Bergedorf in Teilzeit als Sekretärin. Ihr Ehemann ist frisch in Rente und ein Traum wäre ein gemeinsames Projekt. Aber dafür müsste sie die Suppenküche loslassen, und das möchte sie nur, wenn sichergestellt ist, dass es auch ohne sie eine warme Suppe für arme und einsame Menschen in Reinbek gibt.