Bürgerpreis

Sie ist ein „mitreißendes Motivationsmonster“

Foto: Katja Hardter

Aumühle. Sie könnte mit ihrer großen Liebe zu Kindern und ihrem guten Blick für deren Talente eine Schwester ihres Idols, der schwedischen Autorin Astrid Lindgren, sein. Hannelore Zeh macht Kinder gern glücklich.

Nicht mit Büchern, aber dafür mit tollen Theater- und Musicalaktionen als Grundschullehrerin an der Aumühler Ann-Mari-Fürstin-von-Bismarck-Schule. Ihr Engagement endet nicht nach Schulschluss. Größtenteils in ihrer Freizeit fördert die 62-Jährige, die in Kuddewörde lebt, mit modernen oder aktualisierten Theaterdrehbüchern spielerisch Kreativität und Selbstständigkeit von Schülern, die Rollenverteilung und Choreografie meist eigenverantwortlich erarbeiten. Ferner sammelt die Pädagogin Spenden für ein Waisenhaus in der Ostsee-Hafenstadt Klaipeda – Litauens zweitgrößter Stadt – und ermöglicht Straßenkindern ein besseres Leben. Bis zu 1000 Euro bringt sie seit zehn Jahren jährlich persönlich dorthin, wo es keine staatliche Unterstützung gibt. Geld, das sie zuvor bei ihren in Eigenregie aufgeführten Theaterstücken in Aumühle gesammelt hat.

Die Vision von vielen glücklichen Mädchen und Jungen geht für die ehrenamtliche Helferin über gute Noten, gemachte Schulaufgaben und Lehrpläne weit hinaus. „Alle Kinder benötigen Wärme und Zuwendung, dazu eine stabiles Elternhaus. Auch ein bisschen heile Welt wie bei Astrid Lindgren ist schön. Egal, ob bei uns oder in Litauen: Zuerst müssen die Grundbedürfnisse des Lebens stimmen wie ein gemütliches Zuhause, regelmäßiges Schlafen, Essen, Schulbesuch, Ausbildung. Mit den Spendengeldern aus unserer Welt habe ich versucht, ein Stück Normalität für die Waisenkinder in Litauen mit einzurichten“, sagt Zeh. Geld wird in Heizung und Sanitär gesteckt, in Einzelbetten für die Kinder, Ausflüge und andere Dinge, die Spaß machen. Der Kontakt zum Waisenhaus war 1998 durch eine berufliche Weiterbildungsmaßnahme in Litauen zustande gekommen. Die Aumühler Lehrerin war geschockt von den katastrophalen Zuständen, beschloss zu helfen. Ihr Motto, das immer Priorität hat: Stillstand nein, Entwicklung ja. Über das europäische Comenius-Bildungsprogramm organisiert sie zudem einen Jugend-Austausch mit Norwegen, Klaipeda und Frankreich.

„Sie gibt immer mindestens 100 Prozent“, sagen Menschen, die ihr ehrenamtliches Engagement beobachten, mit ihr gearbeitet haben. Sie sei ein wirklich „mitreißendes Motivationsmonster“. „Mein Talent ist es, Menschen für eine gemeinsame Sache zusammenzubringen und bei der Stange zu halten.“ Lautes Lachen ist ihre Leidenschaft, ansteckende Fröhlichkeit die Triebfeder für viele Aktionen. Sie selbst bezeichnet sich eher als „verrückte Theatertante“. Motto: Mehr Spaß als Perfektionismus. „Ich bin kein Profi und das weiß ich auch, aber den Kindern gefällt’s und das ist wichtig“, sagt sie selbstbewusst, lacht ihr tiefes, glucksendes Lachen.

Ungezählte Stunden Theaterproben, Elternabende, Vorbesprechungen, Organisation von Veranstaltungen, nächtelanges Vorbereiten der Reisen, Anträge stellen um EU-Förderungsgelder einzuwerben und ein nicht enden wollender Papierkrieg im Zusammenhang mit kulturellen Austauschprogrammen haben Hannelore Zeh manchmal auch Energie geraubt. Sich zurücklehnen, die anderen machen lassen? Nein, nicht mit Hannelore Zeh.