Bergedorf/Rothenburgsort.

Diese marode Brücke bremst die S-Bahn aus

Notreparatur geglückt – Bahn muss Brücke aber wohl erneuern

Bergedorf/Rothenburgsort.  Die S-Bahn-Pendler sind genervt. Noch nie waren Bergedorfs S-Bahn-Linien so unzuverlässig wie in den vergangenen Wochen. Die Zahlen sind erschreckend: In den ersten beiden Wochen des Jahres waren 13,8 Prozent der S 21-Züge unpünktlich, bei der Verstärkerlinie S 2 war es gar jeder vierte Zug. In der Praxis fühlt sich die Situation noch gravierender an. Denn laut HVV-Definition gilt eine Bahn noch als „pünktlich“, wenn sie bis zu drei Minuten Verspätung hat. Solche Züge tauchen in der Statistik also erst gar nicht auf, auch wenn der Anschlusszug verpasst wird.

„Jetzt wird wieder alles besser“, verspricht S-Bahn-Sprecher Christoph Dross. Denn die Hauptursache, eine marode Bahnbrücke über die Bille zwischen den Haltestellen Rothenbursort und Berliner Tor, ist seit dem Wochenende notdürftig stabilisiert.

Das Chaos kam unerwartet. In die Brücke zwischen den Haltestellen Rothenburgsort und Berliner Tor sollten neue Widerlager eingebaut werden. Doch „beim Einbringen der Baugrubenverbauten für die neuen Widerlager gab es Bewegung im Bestandsbauwerk“, erklärt unklar eine Bahnsprecherin, die zudem nicht namentlich zitiert werden möchte. Kurz: Die Brücke hat doller gewackelt, als erlaubt. Aus Sicherheitsgründen durften seit dem 11. Dezember S-Bahnen in Richtung Hamburg die Brücke nur noch mit maximal 10 km/h passieren, um gefährliche Erschütterungen zu vermeiden – in der Gegenrichtung seit dem 11. Januar nur mit 40 km/h.

Obwohl die S-Bahn mit einem Sonderfahrplan reagierte, die Züge aus Aumühle zwei Minuten eher starten ließ, konnte dies die Verzögerungen an der maroden Brücke nicht ausgleichen. Resultat: Dauerverspätungen, Chaos im Fahrplan.

Seit dem Wochenende nun soll wieder alles laufen – weitgehend. Denn ein Bautrupp hat in einer Art Notreparatur zusätzliche Stahlverstrebungen unter der Brücke angebracht und die Lager stabilisiert. Ein zeitaufwendiges Unterfangen, denn die Baustelle lässt sich nur auf dem Wasserweg erreichen, Material und Kräne mussten auf Pontons transportiert werden.

„Derzeit können die S-Bahnen die Brücke in beide Richtungen mit 40 km/h befahren“, sagt S-Bahn-Sprecher Dross. Immer noch deutlich langsamer als sonst, aber: „Das ist nicht mehr fahrplanrelevant, da es sich um eine sehr kurze Geschwindigkeitsbeschränkung handelt.“ Die allerdings wird länger bestehen. „Es laufen derzeit Vorplanungen zur kompletten Erneuerung der Brücke“, heißt es aus der Bahn-Pressestelle. Wie lange das dauert, was es kostet und welche Einschränkungen es geben wird, kann die Bahn aber noch nicht mitteilen.