Bergedorf/Geesthacht.

NGG-Gewerkschafter warnen vor Altersarmut

Rente   Im Norden erhalten fast 50 Prozent weniger als 800 Euro – Vor allem Frauen betroffen

Bergedorf/Geesthacht.. Landauf, landab sorgte diese Meldung gestern für Aufregung: Die Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) warnt vor einer dramatischen Entwicklung bei den Altersbezügen. So drohten 46 Prozent der Erwerbstätigen im Kreis Herzogtum Lauenburg „Mini-Renten“ von unter 788 Euro. Gibt es keine weiteren Einkünfte, würde dies zum Bezug der staatlichen Grundsicherung berechtigen, die von den Kommunen gezahlt wird. Im Kreis Stormarn lägen laut NGG 40 Prozent der Beschäftigten unter dem dort gültigen Wert, in Hamburg seien es 34 Prozent – vorausgesetzt es bleibe beim aktuellen Rentenniveau von 48 Prozent der durchschnittlichen Einkommen. Werde dieses weiter abgesenkt, steige auch die Zahl der Menschen, die auf Grundsicherung angewiesen seien, hieß es.

Grundlage der Zahlen ist eine Studie, die das Eduard Pestel Institut aus Hannover auf Grundlage von Werten der Statistikämter im Auftrag der NGG angefertigt hat. „Wir haben es gerade in unseren Branchen mit niedrigen Einkommen und Mini-Jobs zu tun“, erläutert Silke Kettner, Geschäftsführerin der NGG-Region Hamburg-Elmshorn. Besonders betroffen seien Frauen von dieser Entwicklung. So sei die Verkäuferin beim Bäcker selten Vollzeit angestellt – und selbst wenn das so wäre, müsste diese Frau erst einmal die 45 Jahre arbeiten, um den vollen Rentenanspruch zu erhalten.

Und betrachtet man die Zahlen einmal genau, zeigt sich: Die von der NGG beschriebenen Zustände gibt es längst. So gab es nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Nord in Schleswig-Holstein zum Jahresende 2017 exakt 301.951 Menschen, deren Rente maximal 800 Euro im Monat betrug. Das entspricht einem Anteil von 49,4 Prozent der Rentner des Landes. Besonders frappierend war die Situation der Frauen, von denen 67,6 Prozent maximal 800 Euro erhielten. In Hamburg lag der Gesamtanteil bei 44,6 Prozent (Frauen: 57 Prozent) und in Mecklenburg-Vorpommern bei insgesamt 25,4 Prozent (Frauen: 34,4).

Sebastian Bollig, Sprecher der Rentenversicherung, betonte, dass aus diesen Zahlen jedoch keine Rückschlüsse auf die tatsächliche Armut zu ziehen seien. So erfasse die Rentenversicherung nicht das Vermögen ihrer Versicherten. Zudem müssten auch Ehepaare gemeinsam betrachtet werden.

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