Geesthacht.

Grüne kritisieren Politik der WoGee

Protest gegen Mieterhöhungen – Bewohner fürchten Abriss

Geesthacht..  An der Heidestraße rumort es kräftig: Bewohner der Hausnummern 1 bis 4 haben in mehreren Fällen die zweite Mieterhöhung um jeweils 20 Prozent binnen drei Jahren erhalten. Die Vermieterin, die Städtische Wohnraumentwicklung Geesthacht GmbH, schöpfte damit bei den Wohnungen, die aus der sozialen Bindung gefallen sind, den gesetzlichen Maximalwert aus. Ali Demirhan, Fraktionschef der Grünen in der Geesthachter Ratsversammlung, kritisiert dies als Unding. Er gehe davon aus, dass die WoGee auf diese Weise die Mieter hinausdrängen wolle, um Platz für Neubauten zu schaffen. Die WoGee wehrt sich gegen diese Kritik.

In den Häusern wohnen viele Menschen mit geringen Einkommen und kleinen Renten. Sie sorgen sich darum, wie es weitergehen soll und traten an die Grünen heran, die ihr Anliegen gegenüber der Stadtverwaltung bereits in der Vergangenheit vertreten hatten. Dazu kommen Bewohner aus der Nachbarschaft, die Heidestraße 5 und 7, Silberberg 13 sowie die Hugo-Otto-Zimmer-Straße 11 und 13. Diese Häuser, die ebenfalls der WoGee gehören, sollen abgerissen werden. Kommendes Jahr möchte die WoGee an der Stelle mit dem Hochbau beginnen. Die Mieter, die zum Ende Februar gekündigt wurden, fühlen sich mit der Wohnungssuche allein gelassen.

„Stadt und WoGee haben kein Konzept, wo die Menschen hin sollen“, kritisiert Demirhan. Das könne nicht der Anspruch einer städtischen Wohnungsgesellschaft sein, deren Aufgabe eine soziale sei. „Es gibt Menschen, die wohnen seit 1934 dort in der Nachbarschaft. Es muss unser Ziel sein, sie am Ende wieder in ihre gewohnte Umgebung einziehen zu lassen“, sagt Demirhan. Die Grünen seien ebensowenig wie die Bewohner gegen die geplanten Abrisse. Die Grünen forderten jedoch den Erhalt der Häuser Heidestraße 1 bis 4. Demirhan: „Diese Arbeiterhäuser vom Anfang des 20. Jahrhunderts sind das letzte Zeugnis aus dieser Epoche.“

Zudem fordern die Grünen einen qualifizierten Mietspiegel für Geesthacht, der bislang nicht existiert. „Es kann nicht sein, dass sich die städtische WoGee mit Vonovia vergleicht“, betont Demirhan. So führt die WoGee in den Mieterhöhungsschreiben zum Vergleich fünf Nettokaltmieten der privaten Wohnungsgesellschaft an. In einem Fall einer Wohnung von der Heidestraße wurde beispielsweise die Kaltmiete von 5,69 Euro pro Quadratmeter auf 6,26 Euro erhöht mit dem Verweis auf Vergleichsmieten bei Vonovia zwischen 7 Euro und 8,90 Euro kalt. Nach Angaben des Online-Portals Immowelt lag der Mietspiegel in Geesthacht im September bei privaten Wohnungen zwischen 6,58 bis 10,30 Euro kalt pro Quadratmeter.

WoGee-Geschäftsführer Markus Prang wirbt auf Anfrage unserer Zeitung um Verständnis. „Das Ausgangsniveau an der Heidestraße ist sehr, sehr günstig, und von 4,50 Euro pro Quadratmeter lässt sich einfach keine Sanierung finanzieren“, so Prang. Er betont, dass kein Abriss der Heidestraße 1 bis 4 mit ihren 16 Wohneinheiten geplant sei, sondern die Sanierung der historischen Gebäude. Was die Wohnungssuche der gekündigten Mieter angeht, erklärt Prang, dass der Wohnungsmarkt genügend Möglichkeiten biete. Seite 17