Wentorf/Geesthacht

Schüler gehen bekifft in den Unterricht

Schulsozialarbeiter schlagen Alarm

Wentorf/Geesthacht.  Ob Cannabis, Chrystal Meth, Kokain oder Tabletten wie Ritalin – Drogen an Schulen zu kaufen, ist für Schüler inzwischen leichter, als an Alkohol zu kommen. Schulsozialarbeiter schlagen Alarm. „Konsumenten sind bereits in den fünften Klassen zu finden“, erfährt Schulsozialarbeiterin Kay Tangermann immer wieder aus vertraulichen Gesprächen mit Kindern und Jugendlichen. Es sei überhaupt kein Problem, in der Schule Drogen zu beziehen. „Geschwister, Freunde und dealende Jugendliche versorgen die junge, überwiegend männliche Klientel“, sagt Tangermann.

„Ich weiß auch von anderen Schulen, dass Schüler bekifft in den Unterricht kommen und einschlafen. Viele halten sich mit Retalin wach“, berichtet Tangermann.

Für Jan Oelkers, Leiter der Sucht- und Drogenberatung der Südstormarner Vereinigung für Sozialarbeit (Reinbek), keine Überraschung: „Seit Jahren ist eine meiner Arbeitshypothesen, dass an jeder weiterführenden Schule in der einen oder anderen Form Drogen kursieren.“ Generelle Beobachtung auch bei ihm: „Der Einstieg in den illegalen Konsum erfolgt immer früher. Beobachteten wir ihn vor einigen Jahren bei 15-und 16-Jährigen, sind es nun schon 14-Jährige.“

Vor dem Hintergrund ausufernden Alkoholkonsums, Gewalt- und Drogenkriminalität wurde in einigen Kommunen reagiert. In Bargteheide deklarierte die Polizei gar das Schulzentrum als „gefährlichen Ort“. Jetzt können Beamte verdachtsunabhängig kontrollieren.

Während an Schulen Sozialarbeiter, Lehrer und Polizei kooperieren um aufzuklären, wird der Drogenkonsum unter Jugendlichen spätestens an den Wochenenden auch an öffentlichen Plätzen vielerorts offensichtlich.

So treffen sich in Geesthacht regelmäßig Gruppen am ZOB und auf dem Sky-Parkplatz, um Alkohol und Cannabis zu konsumieren. Seit der Neugestaltung des Spielplatzes auf dem Schulhof der Buntenskampschule, einer Grundschule, gibt es offenbar einen neuen Treffpunkt. „Eine Kollegin hat mit davon erzählt, dass sich hier abends Jugendliche und Erwachsene treffen, um Drogen zu konsumieren. In einem Fall soll einer von ihnen auch eine Waffe dabei gehabt haben“, sagt Erdem Dogac von der Mobilen Jugendarbeit der Stadt.

Er werde nun direkt das Gespräch suchen. „Die meisten kenne ich persönlich. Und sie wissen eigentlich auch, dass ein Schulhof eine No-Go-Area ist.“

Gedealt wird nach Dogacs Informationen in Geesthacht vor allem an einem Kiosk mitten in der Stadt. „Hierüber habe ich auch das Ordnungsamt informiert“, sagt der Straßensozialarbeiter. Passiert sei bislang jedoch nichts.

Auch wenn der Stoff irgendwo herkommen muss. „Organisierte bandenmäßige Strukturen“ sieht Hamburgs Polizei in diesem Zusammenhang nicht, sagt Sprecher Rene Schönhardt. Für die andere Seite der Landesgrenze erklärt Holger Meier, Sprecher der Polizeidirektion Ratzeburg, zur Frage, ob weitere so geartete Fälle oder Schulen bekannt seien, bei denen Schüler des Drogenhandels verdächtigt werden: „In Reinbek sind keine signifikanten Drogenprobleme an den hiesigen Schulen zu verzeichnen.“ Im Zusammenwirken mit Schule und Schülern werde die Kripo solchen Fällen aber in jedem Fall nachgehen. Seite 15

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