Reinbek/Schwarzenbek.

Der Müll stinkt zum Himmel – die AWSH ist hilflos

Entsorgungsproblem Beauftragter Firma fehlen Mitarbeiter – Landräte schalten sich ein

Reinbek/Schwarzenbek.  Es stinkt zum Himmel. Und das ist in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg derzeit keinesfalls sprichwörtlich gemeint. Tausende Mülltonnen stehen bei hochsommerlichen Temperaturen tagelang an den Straßen, bevor sie irgendwann geleert werden. Dicke Luft herrscht deshalb auch bei den Anwohnern. Dass ihre Bio- und Restmülltonnen seit vielen Wochen nur mit Verzögerung geleert werden, sorgt für viele empörte Reaktionen.

„Aus dem Deckelrand kletterten schon die Maden. Ekelhaft“, sagt etwa Jörg Klug aus Reinbek. Seine Biotonne stand vier Tage ungeleert an der Glinder Straße. Vermutlich wird die Verärgerung in den nächsten Wochen noch weiter steigen, denn eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht, gibt Dennis Kissel, Geschäftsführer der Abfallwirtschaft Südholstein (AWSH) gestern auf Nachfrage offen zu.

„Wenn es eine rasche Lösung gäbe, hätten wir jetzt kein Problem mehr“, sagt Kissel. Die AWSH hat das Abfuhrunternehmen GEG Grabau GmbH mit der Entsorgung beauftragt. Das Unternehmen hatte sich in einer europaweiten Ausschreibung gegen viele Konkurrenten durchgesetzt. 100 000 Bio- und Restabfallbehälter müssen pro Woche in den Kreisen Stormarn und Herzogtum Lauenburg geleert werden. Doch dem Unternehmen fehlen, wie berichtet, Fahrer. Sie seien auf dem Arbeitsmarkt aktuell nicht zu finden.

Der Vorschlag vieler verärgerter Kunden, den Vertrag mit dem Abfuhrunternehmen zu kündigen und einen anderen Anbieter zu suchen, sei zunächst zwar naheliegend, würde aber zu nichts führen, sagt Kissel: „Natürlich könnten wir den Vertrag wegen Fehlleistung kündigen. Das hilft uns aber nicht weiter, denn dann wird gar kein Müll mehr abgeholt.“ Abfuhrunternehmen mit freien Kapazitäten gebe es derzeit auf dem Markt genauso wenig wie Fahrer. Auch andere Kreise kämpften um jeden Mitarbeiter.

Den Kunden ist das egal. Im Internet formiert sich Protest gegen die AWSH, die den Kreisen Stormarn, Herzogtum Lauenburg und E.on-Hanse gehört. Bei den Service-Mitarbeitern in Elmenhorst laufen derzeit die Telefone heiß. „Anrufer wünschen meinen Kollegen lebenslange Arbeitslosigkeit, betonen, dass Mitarbeiter im öffentlichen Dienst sowieso Idioten seien. Andere stellen sogar Strafanzeige, weil ihre Tonnen nicht geleert werden. Müllmänner werden von einigen Anwohnern wüst beschimpft“, berichtet Kissel.

Gestern meldeten sich auch die beiden Landräte der betroffenen Kreise zu Wort. „Die Zahl der Beschwerden bei den Kreisverwaltungen nimmt zu. Sie sind auch berechtigt und wir bedauern die damit verbundenen Umstände, die von Geruchsbelästigungen über zugestellte Fußwege bis zu mehrfachem Transport der Behälter reichen. Letztlich unternimmt die AWSH aber alles, um die Situation zu verbessern. So wird die Abfuhr zum Beispiel mit den eigenen Fahrzeugen unterstützt. Wir sind zuversichtlich, dass sich die Situation in den nächsten Wochen langsam entspannt und der Abfuhrkalender wieder eingehalten wird“, lassen Henning Görtz (Stormarn) und Christoph Mager (Herzogtum Lauenburg) verlauten.

So gebe es im Juni keine Feiertage, die den Abfuhrplan durcheinander bringen. Zudem hoffe man, so Tobias Frohnert, Sprecher des Kreises Herzogtum Lauenburg, dass bald alle kranken GEG-Mitarbeiter wieder genesen sind. Darüber hinaus laufen hinter den Kulissen Gespräche zwischen den Kreisen. Wie eine strategische Lösung aussehen könnte? „Dazu können wir derzeit noch nichts sagen, die Entscheidung fällt im Aufsichtsrat der AWSH“, sagt Frohnert.

Anwohner Martin Schröder aus Schwarzenbek hat schon jetzt eine Idee: „Wenn die Müllwerker bei der AWSH angestellt wären und nicht alles an den günstigsten Bieter ausgeschrieben wäre, würden sich die Probleme wahrscheinlich leichter lösen lassen“, vermutet er.

Anlieferung kostete einen Euro

Auf eine Lösung wollten die Klugs aus Reinbek nicht warten. Weil sie nur wenige Meter von der Reinbeker AWSH-Station entfernt wohnen, rollten sie ihre Tonne selbst zur Abfallwirtschaft. „Dafür musste meine Frau dann tatsächlich noch einen Euro bezahlen“, sagt Jörg Klug kopfschüttelnd.S. 15