Bergedorf.

Hamburg verstärkt den S-Bahnverkehr

Ausweitung wird im Dezember realisiert

Bergedorf..  Die S-Bahnfahrt in die Innenstadt ist für Pendler Dirk Emmermann aus Kirchwerder täglich ein neues Erlebnis. Nur selten ein gutes: „Schon die kleinsten Störungen führen dazu, dass die Bahnen in Bergedorf ausfallen und woanders ersetzt werden“, sagt der Rechtsanwalt genervt. Fahren sie doch, sind die Züge hingegen „fast nie pünktlich“ oder übervoll.

Nun soll Emmermann und allen anderen Pendlern aus der Region das Leben zumindest etwas erleichtert werden: SPD und Grüne wollen den morgendlichen und abendlichen Fünf-Minuten-Takt der S 21 und ihrer Verstärkerlinie S 2 ausweiten. Einen entsprechenden Antrag wollen die Regierungsfraktionen bereits in der nächsten Sitzung der Bürgerschaft beschließen. Die S-Bahn Hamburg GmbH als Betreiber würde den Auftrag ihres Kunden dann umsetzen.

Ein ähnlicher Antrag für die S 3/S 31 aus Stade/Harburg wurde bereits vergangenen Mittwoch in der Bürgerschaft beschlossen. Der Unterschied: Während die Bergedorfer Trasse werktäglich etwa 150 000 Menschen nutzen, sind es aus dem Süder-Elberaum etwa 350 000, bei einer Gesamtzahl von 750 000. Konkret geplant ist, den Fünf-Minuten-Takt der S 21/S 2 jeweils um eine Stunde zu verlängern. Derzeit endet er morgens ab Bergedorf um 8.01 Uhr, aus Altona kommend sogar schon um 7.17 Uhr. Nachmittags fährt der letzte Zug der S 2 ab Altona um 17.17 Uhr, ab Bergedorf um 17.11 Uhr. In einem ersten Schritt seien die Betriebszeiten „um eine Stunde jeweils morgens und abends auszuweiten“, heißt es im Petitum des Antrags.

„Damit tragen wir auch den im Bezirk geplanten neuen Wohnquartieren Rechnung – denn die wachsende Stadt braucht eine mitwachsende Infrastruktur“, sagt Ole Thorben Buschhüter (SPD), Vorsitzender des Verkehrsausschusses. Der neue Fünf-Minuten-Takt soll zum Fahrplanwechsel im Dezember in Kraft treten. „Ohne eine weitere Ausweitung ist Oberbillwerder nicht vorstellbar“, befindet die Bergedorfer SPD-Bürgerschaftsabgeordnete Dr. Christel Oldenburg mit Blick auf den geplanten neuen Stadtteil.

Aktuell trifft es sich gut, dass 60 neue Kurzzüge der Baureihe 490 der Hamburger S-Bahn zulaufen. Sie ersetzen 52 alte Einheiten aus den 1970er- und 1980er-Jahren. „Von den neuen Zügen wird vor allem die Bergedorfer S-Bahn profitieren, denn sie werden insbesondere auf der Linie S 21 eingesetzt. Mit den zusätzlichen Fahrzeugen wird es außerdem möglich sein, dass alle Fahrten der Linie S 2 mit sechs statt derzeit teilweise nur drei Wagen verkehren. Die Verbindung nach Bergedorf wird damit komfortabler und auch leistungsstärker“, ist Ole Thorben Buschhüter überzeugt.

„Es muss kurzfristig etwas geschehen“

Doch Bergedorf wächst rasant. Ausweichmöglichkeiten etwa auf U-Bahnlinien gibt es hier nicht; auch neue U- und S-Bahn-Großprojekte Hamburgs helfen Bergedorf kaum. Da diese Projekte ohnehin erst in Jahren realisiert werden, müsse in Bergedorf kurzfristig etwas geschehen, sagt Martin Bill, verkehrspolitischer Sprecher der Grünen-Bürgerschaftsfraktion. Nach Harburg würden nun „weitere wichtige Maßnahmen zur besseren Anbindung Bergedorfs auf den Weg gebracht“. Finanziert werde die Verbesserung über Bundesmittel für den Schienennahverkehr.

Pendler wie Emmermann sind vorsichtig optimistisch. Der neue Takt sei ein Schritt in die richtige Richtung. so der Rechtsanwalt: „Nur muss es auch funktionieren.“