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Tempo-30-Test bleibt ohne Extrakontrollen

So wie in dieser Montage wird es bald an der B5 aussehen: Die künftigen Tempo-30-Schilder erhalten allerdings den Zusatz „22-6 h – Lärmschutz“.

Foto: Carsten Neff / NEWS & ART

So wie in dieser Montage wird es bald an der B5 aussehen: Die künftigen Tempo-30-Schilder erhalten allerdings den Zusatz „22-6 h – Lärmschutz“.

Bergedorf. Wer bewertet Daten aus Pilotversuch? Behörden haben Klärungsbedarf

Bergedorf. Noch diese Woche sollen die Schilder für die Tempo-30-Regelung auf zwei Abschnitten der B 5 angebracht werden. Sobald sie stehen, heißt es dort für Autofahrer zwischen 22 Uhr und 7 Uhr: Fuß vom Gas. Ziel: Die Anwohner sollen von Lärm entlastet, so EU-Vorgaben erfüllt werden. Aber wird die Geschwindigkeit, mit der Autofahrer zwischen Vierlandenstraße, Wentorfer Straße und Justus-Brinckmann-Straße unterwegs sind, auch ausreichend kontrolliert? Nach der Sitzung des Verkaufsausschusses gibt es daran Zweifel.

„In Harburg hält sich niemand an Tempo 30, das dort eingeführt wurde“, beklagt der Grünen-Abgeordnete Norbert Fleige im Ausschuss. Wie in Bergedorf betrifft die Tempobeschränkung auch in Harburg in Teilen eine vierspurige Ausfallstraße. Auf seine Frage nach Geschwindigkeitskontrollen erfährt er von Gudrun Pieroh-Joussen, Abteilungsleiterin in der Behörde für Umwelt und Energie, dass sie in Einzelfällen gewünscht, feste Blitzer aber nicht geplant seien. Für die Sanktionierung sei ohnehin die Innenbehörde, also die Polizei zuständig. „Sobald die Schilder stehen, kann man über Dialogdisplays nachdenken“, so Pieroh-Joussen. Diese Anzeigen messen zwar das Tempo, teilen das Ergebnis aber nur dem Fahrer mit. Strafen hat niemand zu befürchten.

Solche Displays können das Bewusstsein der Autofahrer fördern, meint der Chef der Bergedorfer Verkehrspolizei Hans-Jürgen Gäth. Seine Kollegen werden aber weiter hauptsächlich an Unfallschwerpunkten und Straßen vor Schulen nach Temposündern Ausschau halten. „Grundsätzlich müssen Geschwindigkeitsbegrenzungen beachtet werden und Autofahrer müssen auch damit rechnen, dass in unregelmäßigen Abständen und im Rahmen der Kapazitäten Kontrollen durchgeführt werden“, so Gäth. Die Polizei bekäme jedoch immer mehr Aufgaben, die personelle Ausstattung bleibe aber unverändert. Die Wirksamkeit des Tempolimits sieht er skeptisch: „Auf einer vierspurigen Bundesstraße ist das ziemlich ehrgeizig.“

Für das Pilotprojekt wurden hamburgweit zehn Straßenabschnitte ausgewählt. Geschwindigkeit und Zahl der Fahrzeuge sollen vor und sechs Monate nach der Einführung erfasst und ausgewertet werden: Wie dies geschieht, darüber besteht zwischen denn drei beteiligten Behörden noch Abstimmungsbedarf, heißt es aus der Umweltbehörde. Die Ergebnisse sollen veröffentlicht werden. „Wenn der Erfolg nicht da ist, muss neu nachgedacht werden“, so Pieroh-Joussen. Um die Lärmbelastung für Anwohner zu verringern, sei neben Tempo 30 nur Flüsterasphalt oder passiver Schallschutz möglich. Beides sei jedoch teuer. Nicht überzeugt von dem Pilotprojekt ist die CDU: „Bislang ist die Erfahrung, dass das Ziel von 3 db(A) weniger nicht erreicht wird. Stattdessen steigen die Abgasemissionen“, sagt Verkehrsexperte Jörg Froh.

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