Geesthacht.

Hausarzt-Visite jetzt auch per Video

Medizin Geesthachter Versorgungszentrum startet Pilotprojekt

Geesthacht.. Rund 3000 Pflegebedürftige leben im Kreis Herzogtum Lauenburg in stationären Einrichtungen – Tendenz steigend. Laut Statistikamt Nord sind mehr als 90 Prozent der Bewohner in den 65 Alten- und Pflegeheimen 70 Jahre und älter, regelmäßig benötigen sie ärztliche Hilfe. Diese zu gewährleisten, wird angesichts sinkender Hausarztzahlen vor allem auf dem Land aber immer schwieriger – ein Problem, dem die Region nun mit Technik begegnet. Ergänzend zu regulären persönlichen Hausbesuchen in Heimen bietet das Medizinische Versorgungszentrum (MVZ) am Geesthachter Buntenskamp als eine der ersten Praxen bundesweit regelmäßige Video-Sprechstunden und -Notfallbehandlungen an.

Im zweiten Stock des MVZ schaltete sich Dr. Henning Krämer, Facharzt für Innere Medizin, am Freitag das erste Mal per Video-Visite mit seiner Patientin im „Haus Elbsonne“ zusammen – der Auftakt des Pilotprojektes, das den Allgemeinmediziner zeitlich entlasten und den engen Draht zum Patienten dennoch erhalten soll. „Die Video-Sprechstunde ist sicher kein 100-prozentiger Ersatz für eine normale Sprechstunde. Aber sie ist eine deutliche Entlastung, wenn es nur darum geht, den Patienten mal zu sehen oder eine schnelle Einschätzung zu geben“, sagt Dr. Krämer, der trotz der Einführung der wöchentlichen Video-Sprechstunde weiterhin zweimal im Quartal Hausbesuche bei seinen Patienten im „Haus Elbsonne“ machen wird.

Ein weiteres Anwendungsfeld der neuen Technik ist die Notfallbehandlung in den Heimen, wobei MVZ-Geschäftsführerin Dr. Barbara Hogan betont, dass der Video-Livestream kein Ersatz für den Rettungsdienst sein soll. „Das Pflegepersonal kennt die Patienten sehr gut und ist sensibel für Veränderungen des Gesundheitszustandes. Über die Video-Konferenz können wir schnell entscheiden, was zu tun ist – also ob jemandem einfach geholfen werden kann, ein Arzt kommen oder der Patient ins Krankenhaus muss“, erklärt Hogan, die das Konzept der telemedizinischen Versorgung mit entwickelt hat.

Das MVZ ist eine der ersten Praxen bundesweit, die das neue Format praktiziert und möglichst auf andere Altenheime sowie später auf ambulant versorgte, nicht mobile Patienten, ausweiten möchte. Das Praxisnetz Herzogtum Lauenburg, in dem Allgemeinmediziner und Fachärzte des Kreises organisiert sind, will im April nachziehen und in Kooperation mit der Kassenärztlichen Vereinigung sowie der AOK eine elektronische Visite mit Bild- und Tonübertragung starten.Seite 26

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