Geesthacht/Glinde/Kiel.

Zurück zu G9: Prinzip Hoffnung regiert

Gymnasien Schleswig-Holstein plant mit halben und Viertelstellen

Geesthacht/Glinde/Kiel..  Die Gymnasiasten Schleswig-Holsteins sollen 2019 mehr Zeit haben zum Lernen – das ist das erklärte Ziel der Landesregierung. Bei der Frage, wie die Rückabwicklung von G8 auf G9 funktionieren soll, bleibt die Politik bisher jedoch wortkarg. Lehrerverbände kritisieren, dass der langfristige zusätzliche Bedarf an Pädagogen, die die beschlossene flächendeckende Umstellung auf das Abitur nach neun Jahren mit sich bringt, weder genau ermittelt noch dessen Deckung gesichert wäre.

„Die Rückkehr scheint mir übereilt. Es wäre besser, zunächst eine Bedarfsplanung umzusetzen“, sagt Grete Rhenius, Vorsitzende der Interessenvertretung der Lehrkräfte im Land (IVL-SH). Bildungsministerin Karin Prien (CDU) hat zwar angekündigt, dass für die beiden ersten Jahre der Umstellung (ab Schuljahr 2019/2020) 44 zusätzliche Lehrerstellen geschaffen werden. Wie viele Pädagogen in den Folgejahren gebraucht werden, ist jedoch unklar. Erst in den kommenden Wochen soll die Bedarfsermittlung abgeschlossen werden, so das Bildungsministerium auf Nachfrage. Dann ist klar, ob der Stellenbedarf gedeckt wird.

Eine Beispielrechnung: Dem Geesthachter Otto-Hahn-Gymnasium (OHG) sind aktuell exakt 47,7 Vollzeitstellen zugewiesen – eine Zahl, die sich aus der Schülerzahl ergibt. Nach den bisherigen Angaben würde dem Gymnasium im Zuge der Umstellung von G8 auf G9 – die könnte im Februar nur eine Drei-Viertel-Mehrheit der Schulkonferenz noch verhindert – in den ersten zwei Jahren nach der Umstellung jeweils eine halbe Pädagogenstelle zusätzlich zustehen. Für die folgenden Schuljahre bis einschließlich 2026/27 stellt Kiel pro Schule eine weitere Viertel-Stelle bereit. Im ganzen Land summiert sich dieser Posten auf 22 Stellen. Zudem investiert das Land ab dem Schuljahr 2019/2020 in 50 zusätzliche Lehrerstellen für das Ganztagsangebot der Orientierungsstufen an Schulen, die auf G9 umsatteln.

„Es handelt sich um eine Stunde pro Klasse im Jahrgang. Die Zahl der Lehrerstellenanteile richtet sich dann nach der Zahl der in den Jahrgängen fünf bis sieben an dem jeweiligen Gymnasium existierenden Klassen“, informiert Ministeriumssprecherin Patricia Zimnik: Wenn im Schuljahr 2019/20 eine Schule im fünften und sechsten Jahrgang jeweils dreizügig ist, erhält sie insgesamt sechs zusätzliche, nicht fachgebundene Stunden für ein Ganztagsangebot: Das entspricht knapp einer Viertel-Planstelle. Dem OHG, das aktuell in den Jahrgängen fünf bis sieben jeweils vierzügig ist, würde dies zwölf zusätzliche Stunden bringen – eine halbe Planstelle. Zimnik: „Diese Stunden sollen die vor allem in den unteren Jahrgängen bestehende Lücke zwischen Unterrichtsschluss und Ganztagsangebot abfedern.“

Das Ministerium setzt darauf, dass alle Pädagogenstellen besetzt werden können – auch weil das Land stark in die Lehrerausbildung investiere, etwa 75 neue Referendarsstellen schaffe. Die IVL dagegen warnt: Schon heute sei es schwierig, alle Stellen zu besetzen, und die anstehende Pensionierungswelle verschärfe die Situation. Rhenius: „Der Deutsche Beamtenbund hat gerade veröffentlicht, dass in den nächsten Jahren bundesweit circa 18 000 Lehrer zusätzlich benötigt werden.“ Eng würde es vor allem in den naturwissenschaftlichen Fächern: „Die Anzahl der Studierenden mit den Fächern Physik, Chemie, Informatik und auch Mathematik reicht bei weitem nicht aus, um die Stellen zu besetzen.“

Am Gymnasium Glinde ist die Stimmung entspannter. „Einen personellen Mehrbedarf wird es in den ersten Jahren nicht geben“, meint Schulleiterin Eva Kuhn. Die Anzahl der Klassen bleibe ja zunächst die gleiche. Akut werde es erst zum Schuljahr 2026/2027. Bis dahin würden viele Lehramtsabsolventen die Universitäten verlassen. Auch die Umstellung vor zehn Jahren auf G8 habe sich personell kaum bemerkbar gemacht: Es sei keine der mehr als 50 Lehrerstellen an der Schule weggefallen. Seite 4