Bergedorf.

Fraunhofer übernimmt Laserzentrum Nord

Start am 1. Januar  Erstes Hamburger Institut der Forschungsgruppe

Bergedorf.  „Mit diesem Schritt wird Hamburg zur führenden Weltstadt im 3D-Druck“, sagt Professor Dr. Claus Emmelmann voller Vorfreude. Am 1. Januar wird sein Laserzentrum Nord am Schleusengraben zum Fraunhofer-Institut und trägt fortan den Namen „Institut für additive Produktionstechnologie“ (IAPT). Es ist das erste eigenständige Fraunhofer-Institut der Hansestadt Hamburg. Zwar ist die renommierte Forschungsgesellschaft bereits mit dem Windenergie-Standort „CC4E“ in Kooperation mit Bergedorfs HAW hier ansässig. Dabei handelt es sich aber um einen Satelliten des Fraunhofer-Instituts für Windenergie-Systeme mit Hauptsitz in Bremerhaven.

„Eine Einrichtung, die Fraunhofer-Institut werden will, muss mindestens 85 Mitarbeiter haben und beweisen, dass sie sich am Markt etablieren kann“, sagt Emmelmann. Sein Laserzentrum hat derzeit 100 Mitarbeiter, und in den vergangenen Jahren konnten der Maschinenbau-Professor und seine Akquisiteure die Produktion von Bauteilen im 3D-Druckverfahren an Hersteller mit vergleichsweise ge-ringen Stückzahlen wie Airbus, die Premium-Autoschmiede Bugatti oder Unternehmen der Medizintechnik vermarkten. „Wir sind heute schon Weltmarktführer im wissenschaftlich-industriellen Technologie-Transfer für 3D-Druck“, sagt Emmelmann – wenn auch der Umsatz in diesem Jahr gerade mal bei 7 Millionen Euro liegt. Die industrielle Fertigung von 3D-Teilen aus Metall oder Kunststoff steckt noch immer in den Startlöchern.

Additive (zu deutsch: hinzufügende) Technik bedeutet eine Produktion von Bauteilen nicht im herkömmlichen Stanz- oder Fräsverfahren, sondern durch lasergesteuertes Auftragen hauchdünner Pulverschichten. Das hat den Vorteil, dass Verschnitt-Material gespart wird. Zudem können Teile mühelos als Hohl- und Gitterkörper entstehen, weil nur dort Materialschichten aufgetragen werden, wo später auch Kräfte wirksam sind. So entfällt jeglicher Ballast.

„Für die Serienproduktion in hoher Stückzahl sind wir noch viel zu kostspielig“, sagt Claus Emmelmann. „Umgerechnet auf den Herstellungsablauf des VW Golf wären unsere Teile derzeit 1000-mal so teuer.“ Grund ist der noch hohe Zeitaufwand beim 3D-Druck. Seine heutigen Hightech-Geräte schaffen eine Aufbaurate von gerade mal 100 Kubikzentimetern pro Stunde. Fließband geht anders, „aber bald können wir schon zehnmal und dann hundertmal so schnell arbeiten“, versichert der Forscher.

Die Münchener Fraunhofer-Gesellschaft zur Förderung der angewandten Forschung e.V. ist mit 70 Instituten eine der größten Forschungsorganisationen in Europa. Mit der Übernahme des Laserzentrums wird dieses nicht mehr allein von Hamburg, sondern überwiegend von Berlin gefördert, plant für die kommenden fünf Jahre einen Erweiterungsbau und weitere Einstellungen.