Geesthacht/Bergedorf (wjü/bz).

Hebammen – Eltern suchen oft vergebens

Kliniken in der Region setzen auf Festangestellte

Geesthacht/Bergedorf (wjü/bz). Keine Geburt ohne Hebamme – so lautet in Deutschland ein, wenn nicht der zentrale Grundsatz der Geburtshilfe. Doch Papier ist geduldig: Die Zahl der freiberuflichen Hebammen im Land ist im freien Fall, weil sich immer weniger die immens gestiegenen Versicherungsprämien für ihre Arbeit leisten können. Diese haben sich binnen weniger Jahre vervielfacht. Und während in Teilen Deutschlands kaum die Hälfte aller Schwangeren eine Hebamme mehr für Vor- und Nachsorge findet, müssen sich auch die Geburtskliniken umstellen. Sie versuchen Lücken mit fest angestellten Hebammen zu schließen oder verzichten ganz auf freiberufliche Geburtshelferinnen. Wenn die Personallücken nicht mehr geschlossen werden können, bleibt nur die Schließung von Kreißsälen – wie an sechs Standorten in den vergangenen Jahren allein in Schleswig-Holstein.

„Keine akuten Probleme“, vermeldet das Krankenhaus St. Adolf-Stift in Reinbek. Die Klinik mit den in der Region weitaus meisten Geburten (2016; 950) setzt voll auf fest angestellte Kräfte. Derzeit sind sechs Stellen besetzt, weitere 1,8 Stellen sollen bis Oktober nachbesetzt werden. Auch in den Kreißsälen des Bethesda Krankenhauses Bergedorf sind allein Klinik-Hebammen tätig. Die zehn Geburtshelferinnen werden allein dadurch entlastet, dass freie Hebammen Kurse am BKB anbieten. „Damit ergänzen sie die Vor- und Nachsorge“, bestätigt BKB-Sprecherin Kristin Netek.

Das Geesthachter Johanniter- Krankenhaus hat früher viel mit freiberuflichen Hebammen zusammengearbeitet, sagt Dr. Klaus von Oertzen, Chefarzt der Frauenklinik. „Doch von unseren früheren Beleg-Hebammen haben bis auf eine alle aufgehört.“ Ausschließlich freiberuflich schlage sich inzwischen kaum noch eine Hebamme durch – zu groß ist das finanzielle Risiko. Von Oertzen kennt den Hauptgrund nur zu gut: „Es gibt kaum noch Versicherungen, die Hebammen aufnehmen.“ Folge: Wer eine Versicherung benötigt, muss immense Steigerungen der wenigen Anbieter hinnehmen.

50 Prozent der Mütter in Hamburg finden keine freiberufliche Hebamme, die sie durch die ersten Wochen nach der Entbindung begleitet – auch weil über Jahre zu wenig Ausbildungsplätze für Geburtshelfer zur Verfügung standen. „In unserer Region finden sogar noch weniger Frauen für das Wochenbett eine Hebamme“, sagt von Oerzten. Dabei hat in Deutschland eigentlich jede Frau Anspruch auf eine Wochenbettbetreuung.

Auf einer „Landkarte der Unterversorgung“, die der deutsche Hebammenverband im Internet zur Verfügung stellt (www. unsere-hebammen.de/mitmachen/unterversorgung-melden/) und die von Eltern bestückt wird, finden sich viele bunte Punkte. 13 257 Eltern haben bereits Engpässe – zum Beispiel in den Bereichen Beleggeburten, Hausgeburten, Schwangerenvorsorge, Wochenbettbetreuung und Hebammenkurse – gemeldet.

Die Einträge der vergangenen Tage bestätigen den Eindruck der Geesthachter Geburtshelfer: Oft fehlt es an einer Wochenbettbetreuung. Dabei ergeben sich gerade kurz nach der Geburt oft viele Fragen zur Gesundheit von Mutter und Säugling, wissen von Oertzen und Sandra Dallmann, die leitende Hebamme am Johanniter Krankenhaus. „Kurz nach der Geburt wird das Kind nur als Geschenk gesehen – das es auch ist. In der Hektik nach der Geburt verstehen die jungen Eltern aber vielleicht nicht alles, was wir mit ihnen besprechen. Darum wären Ansprechpartner danach wichtig“, sagt Dr. Klaus von Oertzen.Seite 25