Geesthacht.

Stör-Aufzucht kommt an die Elbe

Umzug Bau der Anlage soll 2020 beginnen

Geesthacht.  Der Europäische Stör galt seit Beginn des 20. Jahrhunderts als ausgestorben. Seit 1994 versucht die Gesellschaft zur Rettung des Störs, den Wanderfisch wieder in der Elbe anzusiedeln. Unterstützung bekommt der Verein nun vom Berliner Leibniz-Institut für Gewässerökologie und Binnenfischerei (IGB). Das möchte eine Aufzuchtanlage in der Nähe des Geesthachter Stauwehrs bauen.

„Die Tiere müssen von klein auf ans Elbwasser gewöhnt werden“, sagt Dr. Jörn Geßner vom IGB. Aktuell werden die Störe noch in Berlin gezüchtet, können sich erst später an die Elbe gewöhnen, wo sie in früheren Jahrhunderten in großer Zahl den Strom bevölkerten. „Hier vor Ort können wir gleich sehen, welche Tiere fit sind und welche nicht“, sagt der Diplom-Biologe. Die Idee ist, dass die Tiere in der Geesthachter Fischtreppe zur Vermehrung herausgenommen und nach dem Ablaichen wieder in die Elbe entlassen werden.

Über 20 000 Störe hat das IGB schon in der Elbe ausgesetzt – 15 wurden kürzlich in Geesthacht in die Freiheit entlassen. „Ein halbes Jahr müssen die Störe alt sein, bevor wir sie aussetzen können“, sagt Geßner. Dann wandern die Fische, die bis zu fünf Meter groß und über 100 Jahre alt werden können, in Richtung Nordsee. Nach 15 bis 20 Jahren kehren sie zurück, um erstmals zu laichen. „In dieser Zeitspange werden die Tiere erst geschlechtsreif“, sagt Geßner. Bis zu 150 Rückmeldungen haben die Biologen schon von Anglern und Fischern bekommen. „Unsere Tiere sind gekennzeichnet“, sagt Geßner.

Ideen, direkt an der Fischtreppe eine Aufzucht zu bauen, ist nicht neu. „Im April 2016 hat der Ausschuss für Planung und Umwelt der Stadt die Ansiedlung einer Aufzuchtanlage auf der Elbinsel in Nachbarschaft zur Fischaufstiegsanlage begrüßt“, berichtet Jürgen Pflantz vom Fachdienst Umwelt.

Auch auf Kreisebene wurde der Vorschlag begrüßt. Vor dem Bau stehen noch verschiedene Untersuchungen an. So gilt es zu klären, ob die Aufzuchtsanlage sich mit dem Naturschutzgebiet auf der westlichen Elbinsel verträgt. „Wir bereiten gerade alles vor“, sagt Geßner

Sobald die Anforderungen erfüllt sind, muss Geesthacht noch klären, unter welchen Konditionen es die Fläche zur Verfügung stellt. „Läuft alles glatt, könnten wir 2020 loslegen“, sagt Geßner. Die Stadt schätzt diesen Zeitplan als realistisch ein: Später könnte neben Europas größter Fischtreppe eine Stör-Aufzuchtstation stehen, die Besucher auch über die faszinierenden Wanderfische informiert