Willkommenskultur

Familie Feist will einen Flüchtling aufnehmen

Sie wollen einem Flüchtling ein neues Zuhause bieten: die Bergedorfer David Feist (39) und seine Frau Ulla (38) sowie ihre beiden Söhne Leoo (2) und Jonah (4).

Sie wollen einem Flüchtling ein neues Zuhause bieten: die Bergedorfer David Feist (39) und seine Frau Ulla (38) sowie ihre beiden Söhne Leoo (2) und Jonah (4).

Foto: Biester / BGZ

Bergedorf. Familie Feist rückt zusammen und bietet einem Flüchtling Platz. Ein Verein hilft bei der Vermittlung.

Bergedorf.  Es sind die Bilder aus den Massenunterkünften und Zeltstädten, die David und Ulla Feist nicht mehr aus dem Kopf gehen. Hunderte von Flüchtlingen, zusammengepfercht auf engstem Raum, ohne Privatsphäre, ohne Rückzugsmöglichkeit. Da muss man helfen, hat sich das Paar gedacht und eine tief greifende Entscheidung getroffen: Demnächst wird die Familie privat einen Flüchtling aufnehmen.

Weil sich die Bergedorfer unsicher waren, wie so eine Unterbringung praktisch und auch rechtlich funktioniert, haben sie sich Hilfe gesucht – beim Verein „Flüchtlinge Willkommen“. Auf der Internetseite der Initiative www.fluechtlinge-willkommen.de melden Privatleute ihre freien Zimmer an, in denen ein Flüchtling unterkommen könnte. Die Vermittlung übernimmt der Verein. Über einen Ansprechpartner vor Ort sucht er nach einem passenden Flüchtling und stellt den Kontakt her. Können sich beide ein Zusammenleben unter einem Dach vorstellen, wird ein Mietvertrag abgeschlossen, der jederzeit kündbar ist. Ob eine Miete erhoben wird, ist jedem selbst überlassen. Der Verein hilft, eine Methode zur Finanzierung zu finden. 86 Vermittlungen in ganz Deutschland sind so bisher zustande gekommen.

"Es muss halt passen"

Familie Feist hat sich vor etwa drei Wochen auf dem Portal angemeldet. Ein Flüchtling wurde ihr bislang noch nicht vermittelt. „Das kann auch noch ein paar Wochen dauern, weil der Verein derzeit ziemlich viel zu tun hat“, sagt David Feist. Einen Wunsch bezüglich Geschlecht oder Herkunft hat das Paar nicht angegeben. „Uns ist jeder willkommen, aber es muss halt passen“, so der Schlussredakteur einer Sportagentur.

Die Entscheidung haben sich Feists nicht leicht gemacht. „Wir haben uns natürlich Gedanken gemacht, zumal wir auch zwei Kinder haben“, betont die 38-Jährige. Je nachdem, wen die Familie aufnimmt, dürften verschiedene Kulturen und Lebensweisen aufeinandertreffen. „Aber das ist kein Grund, es nicht zu tun. Es kann auch ein Gewinn, eine tolle Erfahrung sein“, ist die Redakteurin für einen Reiseveranstalter überzeugt.

Familienanschluss ist inklusive

Geplant ist, dass der Flüchtling in einem etwa sechs Quadratmeter großen Zimmer im dritten Stock ihres Hauses am Heinrich-Heine-Weg unterkommt. „Es ist zwar klein, aber der Flüchtling dürfte alle Gemeinschaftsräume wie Wohnzimmer, Küche und Garten mitbenutzen. Auch ein Laptop und ein Fahrrad würden wir zur Verfügung stellen“, sagt Ulla Feist.

Eines ist dem Paar dabei ganz wichtig: „Wir wollen kein Schulterklopfen bekommen. Aber wenn wir nur bei ein paar Leuten eine Initialzündung auslösen können, dann wäre das schon ein Gewinn.“