Reisefreiheit

Urlaub während Corona: Griechische Hotels warten auf Boom

Pilotprojekt auf Mallorca: Kein Bargeld und Ärger mit Plastikhandschuhen

In einem Pilotprojekt dürfen tausende deutsche Touristen auf die Balearen-Inseln reisen. Das Ziel: Ermitteln, ob die Corona-Schutzmaßnahmen funktionieren und alle Gäste wieder gesund abreisen. Doch der Test hat Tücken, findet Reporter Clemens Hirmke.

Beschreibung anzeigen

Reisen ist in die meisten EU-Länder wieder möglich. Doch in Griechenland gibt es für den Sommer noch mehr Stornierungen als Buchungen.

Athen. In elf Tagen landen die ersten Ferienflieger auf den griechischen Inseln. Die Hotelmanager bereiten sich nach drei Monaten Corona-Zwangspause auf die ersten Gäste vor. Aber es wird kein leichter Start.

Die Hotellobby und die Zimmer sind frisch gestrichen, der Rasen auf der Liegewiese am Swimmingpool ist gemäht – alles ist bereit im Hotel Corfu Palace. Die Gäste können anreisen. Aber kommen sie?

Urlaub in Griechenland: Boom bei Buchungen bleibt bisher aus

„Es ist eine Saison voller Ungewissheiten“, sagt Alexandros Anemogiannis, der Direktor des Fünf-Sterne-Hotels. Am 1. Juli soll der Flughafen von Korfu wieder für den internationalen Verkehr öffnen, aber bisher weiß niemand genau, welche Flieger hier wann landen werden – und mit wie vielen Passagieren. „Viele Hotels bekommen immer noch mehr Stornierungen als neue Reservierungen“, berichtet Anemogiannis.

Griechenland kann zwar mit den niedrigsten Corona-Zahlen aller Mittelmeeranrainer punkten. Aber der erhoffte Boom bei den Buchungen ist bisher ausgeblieben. Bestenfalls werde man 20 Prozent des Vorjahresumsatzes erwirtschaften. Lesen Sie hier: Urlaub in Griechenland: Die ersten Touristen sind unterwegs

Hoteliers sehen Auflagen als Schwierigkeiten

Kopfschmerzen bereiten den Hoteliers die Kontaktbeschränkungen und Hygieneprotokolle, mit denen sie jetzt arbeiten müssen. Die Auflagen machen einen wirtschaftlichen Betrieb für viele kleinere Hotels unmöglich. Beispiel: Jedes Hotel muss einen Vertragsarzt haben, der 24 Stunden am Tag, sieben Tage in der Woche in Rufbereitschaft ist, um Corona-Verdachtsfälle schnell zu diagnostizieren und Tests durchzuführen.

Doch die Ärzte auf den Inseln verlangen hohe Summen für den Bereitschaftsdienst. Von 100 Euro pro Bett im Monat wird in der Branche berichtet. Das bedeutet für ein 100-Betten-Hotel zusätzliche Kosten von 10.000 Euro im Monat. Die Hoteliers fordern, das staatliche Gesundheitswesen müsse diese Kosten tragen. „Unsere Hotels sind keine Krankenhäuser“, heißt es in einem Protestbrief der griechischen Hotelier-Kammer an die Regierung. Ob es hilft, bleibt fraglich.

Urlaub in der Corona-Pandemie – Mehr zum Thema