Reisebericht – Teil 16:

Bericht 16: Abenteuer Vietnam

"Sonnenaufgang mit fettem Nebel! Hab ich drauf gewettet!", strahlt Axel, immerhin K-15, die jetzt stirnrunzelnd vom Peildeck schauende Gästeschaar an. Trübe liegt die Halong-Bucht mit ihren Felsformationen vor uns. "Wird mittags aber besser!", beruhigt Axel (fünfzehnfacher Weltumrunder, sog.Kugler) seine skeptischen "haben schon von zu Hause...!" - Frühstbucher neben sich. Der größte Spaß der Kugler ist ja nicht unbedingt die Ausflugstour ( "Kenn ich schon!") in fremden Ländern, sondern die Anzahl der

gewonnenen Wetten gegen Vielfahrer mit Gold/Silber-Status, die noch den Wetterprognosen der Reederei/Internet vertrauen. Wenn eine Flasche "Hausmarke" dabei rausspringt, sieht man glänzende Augen, wie man sie sonst nur von Kindergeburtstagen kennt!

Also, um sieben in der früh herrschen keineswegs ideale Bedingungen für eine Tour mit diesen rustikalen vietnamesischen Ausflugsbooten. Aber unser K-15 Mann behält recht. Mittags: Felsen immer dichter, Nebel immer lichter! "Anker ab!" Es ist nur noch leicht diesig, die Luft schwül bis schweißtreibend. Die typischen vietnamesischen "Ausflugs-Boote" gehen längsseits und nehmen die zukünftigen "Fels-und Grotten"-Entdecker auf. Spätestens jetzt kann man verstehen, dass sich die Halong-Bucht für

die Vietnamensen als das 8. Weltwunder darstellt. Zweifelsohne ist sie eines der schönsten Naturschauspiele mit ihren fast 2.000 Kalksteinfelsen. Viele eigenartige Formationen stellen sich als "Steinhund", "Himmelstor" oder "Kämpfende Hähne" dar. Während der Fahrt gehen vietnamesische Bauern mit ihren kleinen Booten längseits und bieten frisches Obst und Kokosnüsse an. Wenig später verschwindet unsere "Dschunke" in einer einsamen, geräuscharmen Meer-Fels-Dunst-Glocke. Es wird eine fast mystische Fahrt in eine "harrypotterhafte" Zauberwelt! Die "Kämpfenden Hähne" eine fototechnische Herausforderung! Der Dschunken-Kapitän muss die Felsen zweimal umrunden, dann erst sind alle "Perspektiven" dokumentiert. Speicher voll, Akku leer!

"Trotzdem, gelungener Ausflug!" meint auch Hannelore, Hotel zur Schraube (Deck 3, achtern) nach dem Besuch der "Dong Thien Grotte" und lässt sich erschöpft in die brettharten "Dschunken" - Polster fallen. "Wir buchen die immer von zu Hause aus-im Internet!" Ach, so!

Ho-Chi-Minh-Stadt

Der Name Saigon bezieht sich nur auf den zentralen Bezirk der Innenstadt. Diesen Teil sollte den man per Taxi und zu Fuß erkunden. Heute, am ersten Tag, fällt bei 37 Grad der Stadt-Orientierungs-Bummel sehr kurz aus. Wir verlassen nur an der Kathedrale und an der Markthalle unser Taxi, es ist uns einfach zu überfüllt und zu quirlig! Für den nächsten Tag empfiehlt uns der Fahrer aber einen "Cyclo-Way" und frühmorgens wäre alles entspannter, abseits der Hauptstraßen kaum Verkehr!

Ganz früh um 7 Uhr, sind wir wieder unterwegs, allerdings zu Fuß. Das Thermometer ist kräftig runtergegangen: etwa 29 Grad mit angenehmen Windböen!

Abseits der Hauptverkehrsströme, das geht tatsächlich, finden wir fast versteckte aber ungewöhnlich schöne Plätze! Touristenfrei, weil nicht im Stadtführer erwähnt! Aber belebt mit Einheimischen, die fotografieren. Wir treffen sie auf schmalen Fußgängerbrücken, vor schmucken herrschaftlichen Häusern aus der Kolonialzeit und anderen lohnenswerten Objekten. Gemeinsam freuen wir uns über die gelungenen gegenseitigen Schnappschüsse! Weiter Richtung Zentrum. Die Hitze kommt, der kühlende Wind schläft ein! Der Verkehr schwillt an. Wir wollen die Hauptpost noch erreichen: Briefmarken für die Enkel!

Kein leichtes Unterfangen in der jetzt stehenden schwül-heißen Luft! Auf 10 Autos kommen mittlerweile 100 Mopeds. Dann ein halbwegs ruhiger großer Platz und die auffallend gut restaurierte gelbe (!) Fassade der Post liegt vor uns. Daneben gleich die von den französischen Kolonialherren erbaute "Notre Dame" Kathedrale! Davor unzählige Brautpaare, dirigiert von Profiefotografen und bedrängt von fliegenden Händlern, die ihre wirklich wunderbar handgefertigten "Hochzeits" - Karten verkaufen wollen!

Zum Abschluss machen wir eine Landschaftsfahrt zum Mekong-Delta mit seinen Kanälen und üppiger Vegetation. Wir sehen Reisfelder und endlose Flächen zur Aufzucht von Fischen und Shrimps. Dazwischen unzählige Betonklötze, vier und mehr Stockwerke hoch, mit klitzekleinen Fenstern: "Keine vietnamesischen "Plattenbauten" versichert unser Guide. "Dort bauen Vögel Nester!" Diese Nester werden "industriell verarbeitet" und gelten auf dem vietnamesischem Markt als begehrte Delikatesse. Die "nestersammelnden" Einheimischen wohnen direkt neben ihren Arbeitsplätzen in einfachsten Verhältnissen in Blechhütten. Guten Appetit!

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